Neustart einer alleinerziehenden Mutter

von Redaktion

Ihre Wohnung in Waldkraiburg ist feucht und es schimmelt, der Vermieter vertröstet sie: Amina erlebt, wie schwer es ist, als alleinstehende Migrantin in Deutschland anzukommen – und nicht aufzugeben.

Waldkraiburg – Nach ihrer Schulzeit wollte sie studieren, doch es kam anders. Im Jemen, sagt Amina, „entscheidet man als Frau oft nicht über sein eigenes Leben.“ Ihren richtigen Namen will sie lieber nicht nennen. Heute sitzt sie in einer kleinen Wohnung in Waldkraiburg mit ihren drei Kindern und ist gezwungen, eigene Entscheidungen zu treffen: eine Ausbildung beginnen, allein für die Kinder sorgen und vor allem eine neue Wohnung finden. Denn in ihrer jetzigen Wohnung kann sie auf Dauer nicht bleiben.

Ihr Weg nach Deutschland war lang: Geboren im Jemen, lebte sie später mit ihrem Ehemann 14 Jahre lang in Malaysia. Dort kamen auch die drei gemeinsamen Kinder zur Welt. Doch irgendwann wollte ihr Mann nach Europa. „Ich habe in Malaysia fast mein halbes Leben verbracht und wollte von dort nicht weg.“ Aber wie schon bei ihrem Wunsch zu studieren, hatte sie auch hier wenig Mitspracherecht. Ihr Mann reiste über Belarus nach Europa und kam schließlich nach Deutschland. Zwei Jahre später folgte Amina mit den beiden Töchtern (heute 15 und 13 Jahre alt) und dem Sohn (zehn Jahre). Zunächst lebte die Familie kurz in Buchbach, dann zog sie nach Waldkraiburg. Und hier begannen die Probleme: „Mir hat die Wohnung von Anfang an nicht gefallen, aber mein Mann wollte unbedingt einziehen“, erzählt Amina.

Mängel – Vermieter
vertröstet sie

Auch diese Entscheidung wurde ihre abgenommen.

Schon bald zeigten sich die ersten Mängel in der Wohnung: feuchte Wände, Schimmel, Wasser, das aus der Duschwanne austritt. Die Probleme wurden mit der Zeit schlimmer, doch der Vermieter vertröstete sie wieder und wieder. Reparaturen wurden nie fachmännisch durchgeführt, die Ursachen nicht behoben. „Man riecht die Feuchtigkeit in der Wohnung. Mein Sohn und ich haben beide Asthma, und alle drei Kinder leiden unter der Situation“, erzählt Amina. Die Wohnsituation verschlimmert die Erkrankung, belastet die Familiensituation.

An den Fensterlaibungen in der Wohnung zeichnet sich Schimmel ab, die Fugen an der Duschwanne sind undicht, entlang der Fußleisten ziehen sich feuchte Flecken, selbst der Boden zeigt Wasserschäden. „Ich habe mich dort nie wohlgefühlt, und die Miete ist auch noch so verrückt hoch.“

Mit ihren Kindern will sie
raus aus der Wohnung

Inzwischen hat sich ihr Mann von ihr getrennt und ist aus der Wohnung ausgezogen. Zurück blieb Amina – allein mit drei Kindern und einer Wohnsituation, die ihre Gesundheit angreift.

Mit dem Vermieter will sie sich nicht länger auseinandersetzen. „Ich wurde immer wieder vertröstet. Mit ihm zu reden, bringt nichts“, sagt sie. Statt Lösungen habe sie nur abweisende Ratschläge erhalten: Sie solle die Dusche nur alle paar Tage nutzen oder Arbeiten als Mieterin selbst übernehmen, wenn es ihr nicht schnell genug passiere. „Warum dauert alles nur so lange? Warum kommt kein Fachmann?“ Welche Rechte sie hat, um richtig auf die Mängel zu reagieren, weiß sie nicht. „Ich kenne mich mit den Gesetzen hier nicht aus.“

Beim Jobcenter oder beim Familienhelfer spricht sie die Situation an, doch wirklich helfen kann ihr dort keiner. Für Amina gibt es nur einen Weg: „Ich muss mit meinen Kindern raus aus der Wohnung – so schnell wie möglich.“ Die Kinder gehen hier zur Schule, können sich längst auf Deutsch gut verständigen. Sie selbst lernt an der Volkshochschule, fühlt sich aber für lange Gespräche auf Deutsch noch unsicher und redet deshalb lieber Englisch. Trotzdem weiß sie: Es ist Zeit, auf eigenen Beinen zu stehen.

Keine leichte Aufgabe. Eine bezahlbare Wohnung für sie und die drei Kinder zu finden, ist schwierig. Damit allein ist es nicht getan: Sie will endlich eine Ausbildung machen. In der Schule hatte sie gute Noten, wollte IT studieren – doch sie durfte nicht. Während frühere Freunde aus dem Jemen heute in den USA, Dubai oder Katar arbeiten, muss Amina mit 36 Jahren ihr Leben neu ordnen. Ganz ohne Ausbildung. „Am liebsten würde ich Erzieherin oder Krankenschwester lernen“, sagt sie.

Doch die Realität ist komplizierter: Ihre drei Kinder brauchen Betreuung und Unterstützung bei den Hausaufgaben, sie selbst besucht Deutschkurse, um auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. All das muss sie unter einen Hut kriegen.

„Ich will mit meinen Kindern ein normales Leben führen“, sagt sie. Ihre größte Angst ist, mit ihren Kindern auf der Straße zu stehen. „Nur weil ich keine andere Option habe.“

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