Ampfing – Mit einem eindringlichen Appell an die Verantwortung des Menschen für die Bewahrung der Schöpfung eröffnete der Kreiskatholikenrat Mühldorf in Zusammenarbeit mit den Dekanatsräten eine gut besuchte Informations- und Diskussionsveranstaltung unter dem Titel „Schöpfung ist kein Luxus – sie ist unser Auftrag“ mit Dr. Marcel Huber, Leiter des bayerischen Praktikerrats für Landwirtschaft. Er sprach über die Herausforderungen der ökologischen Krise und die Rolle von Politik, Landwirtschaft, Kirche und Gesellschaft.
Die Vorsitzende des Kreiskatholikenrats, Christine Schmid, sagte, für Christen sei die Bewahrung der Schöpfung ein zentraler Auftrag, wie auch Papst Franziskus in seiner Enzyklika Laudato si‘ hervorhebe. Dr. Marcel Huber sei ein hoch kompetenter Referent – regional verwurzelt, fachlich versiert, politisch erfahren und in führender Position des bayerischen Praktikerrats.
Huber knüpfte direkt an Laudato si‘ und den Sonnengesang des heiligen Franziskus an. Er erinnerte daran, dass Papst Franziskus die Menschen mit drastischen Worten wachrütteln wollte, um die soziale wie ökologische Verantwortung ernst zu nehmen.
Der ehemalige Staatsminister zeigte, dass die Erde schon immer Krisen bewältigt habe, jedoch heute die Belastungen durch menschliche Eingriffe enorm beschleunigt würden. Biodiversität sei entscheidend für die Resilienz des Ökosystems – doch Lebensräume schrumpften, Arten verschwänden und das Gleichgewicht sei gefährdet.
Zentral stellte Huber heraus, dass Nachhaltigkeit nur gelingen könne, wenn ökologische, ökonomische und soziale Aspekte gemeinsam gedacht würden. Dabei dürfe es kein Gegeneinander von Landwirtschaft und Konsumenten geben: „Beide sind nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung.“
Huber zeigte, wie stark sich die Landwirtschaft in den letzten 100 Jahren verändert hat: von lebensnotwendiger regionaler Versorgung über technischen Fortschritt und Weltmarktabhängigkeit bis hin zu verändertem Konsumverhalten. Die Folge: ein drastischer Rückgang bäuerlicher Betriebe.
Mit Blick auf Lösungsansätze präsentierte Huber die Ergebnisse des bayerischen Praktikerrats. Zu den wichtigsten Zielsetzungen zählen: Erhalt kleiner bäuerlicher Betriebe; Stärkung regionaler Produktion und Ernährungssouveränität; Anerkennung landwirtschaftlicher Ökosystemdienstleistungen. Diese Leitlinien fanden auch auf europäischer Ebene Zustimmung und sollen künftig stärker in politische Entscheidungen einfließen.
Zum Abschluss richtete Huber den Blick auf das persönliche Handeln. Jede Kaufentscheidung beeinflusse den Markt. Regionalität und Saisonalität seien zentrale Hebel für Veränderung. Er lobte die Teilnahme der katholischen Kirche Bayerns am Bayerischen Blühpakt, mit dem kirchliche Flächen ökologisch wertvoll gestaltet und Bildungsimpulse gesetzt werden sollen.
In der Diskussion unterstützten viele die präsentierten Empfehlungen. Gleichzeitig wiesen sie darauf hin, dass Verbraucher noch zu wenig Orientierung in Supermärkten erhalten. Als Vergleich wurde Österreich genannt, wo regionale Produkte deutlich sichtbar seien. Ein Satz fasste die Stimmung zusammen: „Umweltschutz ist teuer – aber kein Umweltschutz ist teurer.“
Der Vortrag unterstrich: Die Erde hat eine beeindruckende Fähigkeit, sich anzupassen – doch der Mensch bremst ihre Resilienz zunehmend aus. Die Bewahrung der Schöpfung ist keine Option, sondern Verantwortung; sie beginnt nicht erst in der Politik, sondern im Alltag jedes Einzelnen.