Mühldorf – Sieben Stunden dauerte der Prozess um vier Tonnen Eisenblech. Auf der Anklagebank saßen der arbeitslose Kevin (30) und der Aushilfsartist Herbert (58; Namen von der Redaktion geändert). Sie wurden beschuldigt, in der Nacht vom 4. auf den 5. September 4,4 Tonnen verkupfertes Eisenblech gestohlen zu haben. Tatort war eine Firma im oberösterreichischen Lambach im Bezirk Wels. Sie wurden aber noch in der Tatnacht nach einem Fluchtversuch festgenommen. Anwalt Franz Prem vertrat Kevin, der in Fußfesseln aus der JVA Landshut vorgeführt wurde. Philip Watzlawik aus Hamburg vertrat den Aushilfsartisten aus dem nördlichen Landkreis. Die zweite Anklageschrift betraf den 32-jährigen Aushilfsartisten Tobias (Name von der Redaktion geändert). Auch er hatte einen Hamburger Anwalt: Kolja Prieß. Tobias wurde durch Handygespräche und anhand eines Fingerabdrucks überführt, hatte aber ebenso wie ein vierter Mittäter fliehen können. Die drei Angeklagten wollten zu den Vorwürfen keine Angaben machen. Daran änderte auch ein Rechtsgespräch nichts.
Erster Zeuge war ein 30-jähriger Polizist aus Burghausen. Auslöser sei ein Unfall gewesen, von dem sich ein verdächtiger Mercedes Sprinter entfernt hatte. Wenig später sei er mit einem Lkw, der Eisenblech geladen hatte, in Tittmoning gesehen worden. „Die beiden Fahrzeuge fuhren auf der B20 in Richtung Burghausen, vorne der Lkw, dahinter der Sprinter, der immer wieder zur Mitte ausscherte, sodass wir nicht überholen konnten.“ Als sich die Polizei zu erkennen gab, sei der Lkw Richtung Kirchweidach abgebogen, während der Sprinter auf der B20 blieb.
Der wurde schließlich von der inzwischen alarmierten Bundespolizei gestoppt; Kevin und Herbert wurden festgenommen. Der Zeuge fuhr dem Lkw nach. Plötzlich habe der angehalten: „Fahrer und Beifahrer liefen in ein Maisfeld, wir warteten auf Verstärkung. Die Männer waren uns aber in der Zwischenzeit entkommen. Beide Fahrzeuge wurden sichergestellt.“
Das bestätigte auch ein 28-jähriger Bundespolizist: „Von der Polizeiinspektion Burghausen wurden wir über einen flüchtigen Mercedes Sprinter benachrichtigt, der in Burghausen Unfallflucht begangen haben soll. Dieses Fahrzeug und einen mit Eisenblech beladenen Lkw bemerkten wir an der Grenze in Tittmoning.“ Auch er habe den Lkw verfolgt, bis dieser plötzlich anhielt. „Die beiden Fahrer entkamen uns in einem Maisfeld.“ Internetrecherchen brachten die Polizei auf die Firma im österreichischen Lambach. Das erläuterte der Sachbearbeiter der Kripo Mühldorf: „Auch hatten wir das Handy von Kevin sichergestellt. Der hatte während der Tat mit Tobias telefoniert, so kamen wir an den dritten Angeklagten heran – dies haben wir durch eine Funkzellenabfrage ermittelt.“
Ein inzwischen pensionierter Beamter der Kripo Mühldorf ergänzte: „Im Führerhaus des sichergestellten Lastwagens fand man auf einem Eisenblech eine daktyloskopische Spur. Der Fingerabdruck war von Tobias.“
Bei der bestohlenen Firma handelt es sich um einen „riesigen Schrott- und Altmetallhandel“, führte der Revierinspektor der Lambacher Polizei aus: „Dort hatte man den Einbruch noch gar nicht bemerkt. Der Baggerfahrer gab an, dass sein Bagger nicht mehr an dem Platz stand, an den er ihn vor seinem Urlaub abgestellt hatte. Er teilte auch mit, dass im Inneren des Führerhauses Schaum eines Feuerlöschers verspritzt worden war.“ Vermutlich, um Spuren zu verwischen.
Ein Kollege des Revierinspektors erklärte: „Das gestohlene Material diente als Träger für Autobremsen, der Wert betrug etwa 1600 Euro. Es war nur kupferbeschichtetes Eisenblech und damit viel weniger wert als reines Kupfer.“
Sieben Stunden dauerte der Prozess um vier Tonnen Eisenblech. Nicht zuletzt wegen des Hamburger Anwaltes Prieß. Er stellte jedem der sechs Zeugen durchschnittlich 25 bis 30 Fragen. Fragen, die nach Ansicht von Richter Greifenstein „nicht zielführend seien“, die Greifenstein zuvor schon durch seine Fragen geklärt hatte.
Aber auch das reichte dem Hamburger Juristen nicht. Richter Greifenstein wollte die Beweisaufnahme eigentlich schon schließen und zu den Plädoyers kommen, da meinte Prieß, die Beweisaufnahme sei „nicht ausreichend.“ Er verlangte noch die Einvernahme der beiden Firmenbesitzer und des Baggerfahrers. Und so muss der Prozess fortgesetzt werden. Der nächste Verhandlungstermin ist für den 11. Dezember angesetzt.