Polling – Es war ein leidenschaftliches Bekenntnis für die Demokratie und für ein „Polling Miteinand“, das sich beim Gründungsfest im Pollinger Sportheim widerspiegelte.
Rund 70 Personen waren der Einladung der Initiatorin Andrea Müller gefolgt, um bei der auch als Gründungsversammlung titulierten Veranstaltung dabei zu sein.
Unter ihnen auch der Landtagsabgeordnete Sascha Schnürer (CSU), die Landesvorsitzende der Grünen, Gisela Sengl, Landratskandidatin und Kreisrätin Cathrin Henke, Lena Koch, Gemeinderätin und Sprecherin der Grünen im Kreistag, Franz Langstein vom Verein für das Erinnern und viele mehr.
Grundwerte und
Gemeinschaft
Andrea Müller moderierte die Veranstaltung und erklärte eingangs, wofür „Polling Miteinand“ steht. Es sei ein überparteiliches Bündnis für alle Bürger und Bürgerinnen, die die Grundwerte der Verfassung gemeinsam bewahren wollen, die sich eine Gemeinschaft wünschen, die wieder zueinanderfindet. Und, trotz aller Unterschiedlichkeiten in Lebensentwürfen, Zielen und Erfahrungen, die bedrohte Demokratie verteidigt und schützt.
Es solle zugleich ein Bündnis sein, das die Solidarität im Dorf fördert und es noch lebenswerter macht. Die Idee für dieses Gründungsfest sei gewesen, Politiker aus unterschiedlichen Parteien und Vertreter aus verschiedenen Vereinen mit ebenso verschiedenen Blickwinkeln und verschiedenen Meinungen zu einer Veranstaltung zusammenzubringen, die sich jedoch in ihrer Haltung zur Demokratie einig seien und gemeinsam dafür einstehen, bereit sind, in unterschiedlicher Art und Weise dafür zu agieren.
Müller übergab schließlich das Wort an Andrea Moser und bezeichnete sie als „Mutter Courage“, die hier die Initiative zur Gründung von „Polling Miteinand“ ergriffen habe.
Moser schilderte anschaulich, wie viel Kraft es kostet, den ersten Schritt zu tun. Andererseits sei es ihr unmöglich gewesen, die veränderte Situation zu ignorieren: „Damit mich meine Kinder später nicht fragen: Warum habt ihr damals nichts gemacht?“
Demokratie nicht mehr
selbstverständlich
Man müsse seinen Widerstand öffentlich zeigen, damit andere sehen: „Ich bin ja nicht allein“ und dadurch auch Mut fassen.
Den Auftakt der Redner machte Kurt Lehner (Polling Miteinand), der ganz anschaulich darstellte, wie schwierig es sei, von der gemütlichen „Demokratiecouch“ aufzustehen, weil man merkt, dass diese Demokratie keine Selbstverständlichkeit mehr ist.
Ihm stelle sich die Frage, wie man den gesellschaftlichen Zusammenhalt bewahren könne, wie man miteinander umgehen wolle? Und wie die Demokratie – trotz Mehrheitsentscheidungen – auch die Rechte und Anliegen von Minderheiten wahrnehmen und schützen könne.
Sascha Schnürer, CSU-Abgeordneter im bayerischen Landtag, bezeichnete es anschließend als eine Selbstverständlichkeit, jede Initiative, die die Demokratie verteidigt, zu unterstützen: „Solch ein Engagement ist aller Ehren wert, und was wäre ich für ein Stimmkreisabgeordneter, wenn ich der Einladung zu eurer Veranstaltung nicht folgen würde“.
Demokratie sei der Wert Nummer eins in der Welt, dieses rare Gut solle und dürfe man nicht selbst abwählen: „Schließlich gehören wir in Deutschland zu den nur 24 Ländern weltweit, in denen die Menschen in einer vollkommen intakten Demokratie leben“, betonte Schnürer.
„Es gibt nur eine
menschliche Rasse“
Franz Langstein vom Verein „Für das Erinnern“ forderte Verzeihung und Toleranz in der gesellschaftlichen Diskussion, weniger auf die eigene Meinung zu pochen, mehr zuzuhören, um gemeinsam einen Konsens zu finden. Er mahnte zum sensiblen Umgang mit der Sprache, in der durch die Vergangenheit belastete Ausdrücke keinen Platz haben dürften.
Dazu gehöre auch das Bewusstsein, dass es nur eine Rasse gebe, und zwar die der Menschen: „Die haben alle zwei Ohrwaschel, zwei Beine, zwei Arme, einen Körper und einen Kopf.“
In den weiteren Beiträgen beschwor Gisela Sengl den persönlichen Dialog und unterstrich dabei die Wichtigkeit der Wirtshäuser als Orte des sozialen Austausches, wo man „eine Gaudi hat und auch manchmal streitet“ und nicht vereinsamt vor seinem „Kastl“ hockt, wie sie es bezeichnete.
Cathrin Henke mahnte, aus der Vergangenheit zu lernen und betonte, wie wichtig Bündnisse wie „Polling Miteinand“ seien, um überall zu zeigen, dass bestimmte Parolen, die Menschen ausgrenzen, und entsprechende Aussagen eben nicht richtig seien.
Pollings Bürgermeisterkandidat der CSU, Ernst Weinberger, appellierte an das „Wir“, das viel stärker sei als das „Ich“, am Ende zähle nicht die Stärke eines Einzelnen, sondern die Stärke der Gemeinschaft.
Um diese zu stärken, forderte Max Wiltschka vom Bündnis „Mühldorf ist bunt“ sich zu vernetzen: „Wir brauchen euch, wir brauchen jeden und jede.“
Gemeinschaft könne entstehen, wenn viele kleine Teile zu einem großen Bild zusammenkommen.
Den Abschluss der annähernd vierstündigen Veranstaltung bildete ein kleines Kulturprogramm mit Darbietungen von „Shoe’s Bakery“, den Pollinger Flötenkindern und den „Kurt’sgeschichten“.