Ampfing – Es ist eine Horrorvorstellung für jeden Autofahrer. Er fährt gemütlich vor sich hin, vielleicht noch auf der Autobahn, und aus heiterem Himmel platzt ein Reifen. Das erlebte am vergangenen Montag ein 42-Jähriger auf der A94 bei Ampfing.
Er war mit seinem Renault Kangoo in Richtung Passau unterwegs, als er kurz vor 21 Uhr im Tunnel Wimpasing bei Ampfing über die Abdeckung eines Ablaufschachtes fuhr. Der Deckel stand heraus, verfing sich in den rechten Reifen. Der rechte Vorderreifen löste sich und die Felge splitterte, teilte ein Beobachter vor Ort mit. Wenig später stand das Auto mit platten Reifen und Schrammen im Tunnel. Es war nicht mehr fahrbereit und musste abgeschleppt werden. „Der Gullydeckel war zuvor wohl aus einer defekten und/oder korrodierten Verankerung gerissen worden“, vermutet Robert Gierden in der Pressemitteilung der Autobahnpolizei. Das bestätigt auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen Dominik Back, Geschäftsführer der zuständigen Isentalautobahn Services GmbH & Co KG: „Aufgrund der Eindrücke von der Unfallstelle spricht nichts gegen die Schilderung des verunfallten Pkw-Führers zur Unfallursache.“
Bei dem Deckel habe es sich um die Abdeckung eines Revisionsschachtes für die Löschwasserversorgung gehandelt, erläutert Back. In der Fahrbahn seien zwei derartige Abdeckungen verbaut. „Deckel dieser Bauart sind für die Überfahrung zugelassen und entsprechend mehrfach gesichert“, schreibt Back. Sie könnten sich nur dann lösen, „wenn beispielsweise ein technischer Defekt vorliegt und die Sicherungen folglich versagen.“ Was am Montag die Ursache war, könne „erst nach weitergehenden Untersuchungen zusammen mit dem Hersteller“ gesagt werden.
Diese Abdeckungen „werden im Zuge der üblichen Kontrollen wie Streckenkontrolle oder halbjährliche Tunnelwartung geprüft“, erklärt Back. „Schachtabdeckungen dieser Bauart unterliegen keinen speziellen Wartungserfordernissen.“
Für Back war es der erste Unfall dieser Art. Seit 2016 sei die Isentalautobahn GmbH für die A94 zuständig. Seitdem habe es „keinen Unfall dieser Art“ gegeben. Ob es bundesweit schon zu ähnlichen Unfällen gekommen sei, könne er nicht sagen.
Die Einhausung Wimpasing war am Montag nach dem Unfall für längere Zeit nur noch über den linken Fahrstreifen befahrbar. Derzeit werde die beschädigte Schachtabdeckung inklusive Einfassung, die am Montag in Mitleidenschaft gezogen wurde, erneuert, schreibt Back.
Und künftig? „Im Rahmen der üblichen Kontrollen wird ein verstärktes Augenmerk auf den Zustand der Deckel gelegt.“ Ob es noch weitergehende Maßnahmen braucht, werde „nach der Schadensanalyse mit dem Hersteller“ entschieden.
Parallel ermittelt auch die Polizei, so die Pressemitteilung der Autobahnpolizei. Sie untersucht mögliche Ermüdungserscheinungen, aber auch einen möglichen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr durch einen unbekannten Täter.
Trotz allem hatte der 42-jährige Renault-Fahrer noch Glück. Er blieb unverletzt.
Den Gesamtschaden schätzt die Autobahnpolizei auf rund 10.000 Euro. Wer diese Kosten trägt, sei noch offen, schreibt Back: „Dies ist ebenfalls abhängig von der Klärung mit dem Hersteller. Nach dieser kann auch die Zuständigkeit der Schadensregulierung beantwortet werden.“ Jörg Eschenfelder