Tempo 30 – und viele halten sich nicht daran

von Redaktion

Lösungen gegen Raser gesucht – Was die Gemeinde Aschau für die Anlieger tun kann

Aschau – Das Tempo-30-Schild am rechten Straßenrand ist nicht zu übersehen: Die „30“ mit einem roten Kreis umrandet vor weißem Hintergrund. Das gleiche als Piktogramm auf der Straße. Und doch scheint es von manchen Autofahrern entweder übersehen – oder schlicht ignoriert – zu werden. Anders lässt sich kaum erklären, warum die Tempo-30-Zone „Am Steinbach“ in Aschau seit Jahren für Diskussionen sorgt. Nun beschäftigte das Thema erneut den Gemeinderat.

Bereits 2017 reagierte die Gemeinde auf Kritik der Anwohner und stellte zur Verkehrsberuhigung flexible Verkehrsinseln auf. Weil diese aber keinen spürbaren Effekt zeigten, wurden sie ein Jahr später wieder abgebaut. Ein neuer Versuch Anfang dieses Jahres blieb ebenfalls erfolglos. „Die Hindernisse brachten keinen Erfolg. Eher waren sie ein Hindernis für die Anwohner bei ihren Zufahrten“, erklärte Bürgermeister Christian Weyrich (CSU).

Bauliche Veränderung
als Option

Trotzdem hatte die Maßnahme einen positiven Nebeneffekt: Die Anwohner schlossen sich zusammen und entwickelten eigene Lösungsvorschläge. „Die Anwohner wollen Sicherheit“, fasste es Weyrich zusammen. Ein erster Punkt war zum Beispiel Anwohner, Besucher und Paketfahrer direkt auf die Tempo-30-Regel anzusprechen. „Das wird wohl kein Allheilmittel sein, zusätzliche Schilder könnten die Situation unübersichtlich machen“, sagte Weyrich. Auch eine bauliche Veränderung – etwa am durchgehend abgesenkten Bordstein – sei eine denkbare Option.

Dass „Am Steinbach“ Tempo-30 gilt, ist für Autofahrer gut sichtbar: Wer von der Hauptstraße direkt einbiegt, sieht sofort das Schild und das entsprechende Piktogramm auf der Straße. Im weiteren Verlauf sollte eine bepflanzte Verkehrsinsel Tempo rausnehmen. Weil das aber anscheinend nicht ausreicht, sind Anwohner aktiv geworden: Schilder mit dem Hinweis „Achtung, spielende Kinder“ sind in zwei Gärten aufgestellt, parkende Autos verengen die Straße. Maßnahmen, die aber wohl nicht bei allen Autofahrern Wirkung zeigen.

Die Problematik sah auch Karl-Heinz Jekler. „Wir sollten uns nicht in Kleinigkeiten verlieren.“ Mit einem höheren Randstein für den Gehweg sah er eine „vernünftige Lösung“, zusätzliche Schilder würden seiner Meinung nach die Situation nicht verschlechtern. Für ihn ist Tempo-30 auch wegen des nahegelegenen Spielplatzes wichtig.

Martin Höpfinger (SPD) sah die Hauptursache im mangelnden Bewusstsein der Verkehrsteilnehmer: „In erster Linie fahren dort Anlieger. Wenn man klarer mit ihnen kommuniziert, verbessert sich die Situation.“ Anwesende Anwohner bewerteten die Lage hingegen anders.

Als mögliche Konsequenz brachte Weyrich Tempo-Kontrollen ins Spiel. „Manchmal funktioniert die Erziehung eben nur über den Geldbeutel.“ Einen Schritt darunter anzusetzen, schlug Gertraud Langbauer (Bündnis Aschau) vor – mit elektrischen Geschwindigkeits-Anzeigen. „Wenn Autofahrer die sehen, bremsen sie doch schon ab.“ Aber nicht dauerhaft, wie Weyrich erklärte. „Bleibt die Anzeige länger an der gleichen Stelle, lässt der Effekt nach.“

Christian Mayerhofer (AWG) zweifelte an der Wirksamkeit der Anzeigen: „Davon lassen sich Autofahrer nicht abbremsen, weil sie es immer so machen.“ Zahlen der Mess-Geräte könnten diese Theorie stützen: Laut Weyrich werden dort regelmäßig Fahrer gemessen, die deutlich schneller als 30 km/h unterwegs sind – vereinzelt sogar mit über 90 km/h.

„Poller bringen
nichts“

In der Debatte wurde deutlich: „Poller bringen nichts“ (Weyrich), ein höherer Bordstein ist „kein Allheilmittel“ (Daniela Reingruber, CSU), und einen Schilderwald braucht es auch nicht (Andreas Kölbl, AWG). „Es soll langsamer gefahren werden, aber es fehlt ein Patentrezept“, resümierte Hans Volk (SPD). Er sprach sich für Kontrollen aus, Gespräche mit den Autofahrern und Anliegern seien aber ebenso wichtig.

Am Ende einigte sich der Gemeinderat einstimmig auf diese Punkte: Die Verkehrsregelung soll geprüft werden, ebenso die Kosten für eine bauliche Anpassung des Bordsteins und die Möglichkeit von Geschwindigkeitskontrollen über den kommunalen Zweckverband.

„Dann haben wir belastbare Zahlen“, sagte Weyrich. Dann soll über das weitere Vorgehen entschieden werden.

Artikel 1 von 11