„Gelebt, gearbeitet und gefeiert“

von Redaktion

Theresia Wagenlechner ist mit 95 Jahren eine wichtige Zeitzeugin in Obertaufkirchen

Obertaufkirchen – Im Kreis von Familie und Freunden feierte Theresia Wagenlechner jüngst ihren 95. Geburtstag. Mit drei Brüdern und vier Schwestern, als fünfte von acht Geschwistern, wuchs Theresia Wagenlechner auf dem Stimmerhof in Forsthub auf. Sie wurde in eine gläubige Familie geboren und der Glaube begleitete sie durch Höhen und durch Tiefen in ihrem Leben.

Sie ging in Steinkirchen zur Schule und half schon früh auf dem elterlichen Hof mit. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, wurden die großen Brüder zum Militär eingezogen und für die Frauen blieb die Arbeit auf dem Hof. Bis heute stehen ihr die Bilder aus dem Krieg vor Augen. In einer kalten Nacht hörte sie auf einmal draußen Geräusche. Da wurden KZ-Häftlinge von der SS durchgetrieben. In Lumpen und Decken und ohne Schuhe. „Wir haben sie bis ins Holz hinein beobachtet“, erzählt sie. Es sei grauenhaft gewesen. Es war einer der Todesmärsche, die sie gesehen hat. Wer unterwegs zusammenbrach, wurde erschossen. „Wo Krieg ist, ist Elend“, schließt sie.

Auch nach dem Krieg blieb die Arbeit schwer, so musste sie beispielsweise auch betonieren. Ein Bruder war im Krieg gefallen, ein Bruder war in Gefangenschaft. Es war 1945. Über einen Bekannten erfuhren sie, dass er lebt und in Italien gefangen war, doch er käme heim. So haben sie gebetet, dass er am 31. Oktober nach Hause kommt. Und es war wie ein Wunder, tatsächlich klopfte es und Otto stand vor der Tür. Da war die Freude riesengroß.

Ihren Mann Franz lernte Theresia Wagenlechner schon früh kennen. 1971 gaben sie sich in der Wallfahrtskirche Frauenornau das Ja-Wort. Gefeiert wurde beim Wirt in Frauenornau. So kam sie auf den Stenger-hof. Vier Jahre später kam Tochter Elisabeth zur Welt.

Als Bäuerin auf dem Hof erlebte Theresia Wagenlechner auch die Technikentwicklung mit. Die viele Arbeit mit der Hand und mit den Pferden wurde ersetzt. Zuerst wurden eine Melkmaschine angeschafft und ein Traktor. Mit 56 machte sie ihren Führerschein. Damals für 100 Mark. Bis heute fährt sie Auto. Damit ist sie die älteste Autofahrerin in der Gemeinde und sie erfreut sich bester Gesundheit.

Ein Schicksalsschlag traf sie mit 60 Jahren, als ihr Mann Franz unerwartet früh verstarb. Trotzdem durfte Tochter Elisabeth die Schule fertig machen. Die Familie half auf dem Hof.

Auch durch diese schwere Zeit half Theresia Wagenlechner der Glaube. Schon mit zwölf Jahren hatte sie angefangen, in der Kirche zu singen. In Frauenornau, Steinkirchen und Obertaufkirchen stimmte sie alle Wochentage das Singen an, noch bis vor sechs Jahren. Für die 60 Jahre ehrenamtlich im Dienst der Kirche erhielt sie eine Ehrenurkunde vom Ordinariat.

Ein zweiter Schicksalsschlag traf die Familie, als es 2017 brannte. Erst 2020 konnte der Stall wieder aufgebaut werden. Dabei übernahm Theresia Wagenlechner die Baukontrolle.

So war und ist sie immer beschäftigt. Sie ist eine große Gärtnerin. Ihre Blumen und der Gemüsegarten sind ihr ganzer Stolz. Sechs Enkel kommen zu ihr und so bleibt sie auf dem Laufenden. Im Stricken, weiß sie, sind Stirnbänder in Mode und wenn mal Besuch aus Indonesien kommt, unterhält sie sich gerne mittels Google-Translator mit den Gästen. Zu großen Familienereignissen wird immer gefeiert und die rege Jubilarin beginnt auch nachts um halb elf noch fröhlich ein Kartenspiel. Sie ist zufrieden und dankbar, dass sie so rüstig alt werden darf und wenn sie ihr Leben in drei Sätzen zusammenfassen soll, sagt sie: „Gelebt, gearbeitet und gefeiert.“

Bürgermeister Franz Ehgartner gratulierte im Namen der Gemeinde und Pfarrer Dr. Anicet Mutonkole hielt einen Dankgottesdienst für die Jubilarin.

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