Baby-Flaute und Geschlechtsänderungen

von Redaktion

Standesämter im Landkreis Mühldorf über Veränderungen in Mühldorf, Ampfing, Waldkraiburg

Mühldorf/Ampfing/Waldkraiburg – Geboren wird immer, geheiratet auch und gestorben sowieso. Das gilt auch für die Menschen im Landkreis Mühldorf. Drei Standesämter ziehen nun eine Bilanz aus den vergangenen Jahren. Wie viele Kinder kamen auf die Welt? An welchem Tag wurden die meisten Ehen geschlossen? Und wie viele Menschen nutzten die neue Möglichkeit, ihr Geschlecht ändern zu lassen?

Nur vereinzelt
gebürtige Mühldorfer

Die Auswirkungen der 2022 endgültig geschlossenen Geburtsstation am InnKlinikum in Mühldorf sind spürbar. Denn die gebürtigen Mühldorfer werden immer weniger. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Geburten laut Stadt-Pressesprecher Werner Kurzlechner rapide gesunken. „Im Jahr 2020 gab es noch 119 Geburten“, sagt er auf Anfrage. Mit der Zeit wurden es immer weniger: 2021 insgesamt 60, 2022 waren es 44, 2023 gab es noch sieben, 2024 nur noch vier. „Bei der geringen Anzahl an Geburten wird keine Namensstatistik geführt“, so der Pressesprecher. Deshalb könne er auch keine Aussagen über die beliebtesten Babynamen treffen. Und auch Mehrlingsgeburten werden in keiner Statistik erfasst.

Ein positiver Trend zeichnet sich allerdings bei den Sterbefällen ab. Diese sanken in den vergangenen Jahren immer weiter, wie Kurzlechner erzählt. „Während im Jahr 2020 noch 652 Menschen starben, waren es 2024 nur 585“, sagt der Sprecher. Also fast 70 Menschen weniger. Was sich seit Jahren stabil hält, ist die Zahl der Eheschließungen. Einen Höchststand erreichten diese 2023 mit 139 an der Zahl. Im vergangenen Jahr waren es 125. Auch gleichgeschlechtliche Ehen werden im Standesamt Mühldorf geschlossen. 2021 und 2022 waren es jeweils vier, 2023 zwei. Im vergangenen Jahr allerdings kam es gar nicht vor.

Heuer gab es dafür einige Daten, die bei Brautpaaren besonders beliebt waren: Sowohl am 5. und 24. Mai als auch am 6. und 14. Juni sowie am 26. Juli gaben sich die meisten Menschen im Standesamtsbezirk Mühldorf das Jawort. Am beliebtesten war also der Samstag.

Zu den Scheidungen kann das Standesamt aber keine Auskunft geben. „Diese werden hier nicht explizit erfasst, dafür ist das Amtsgericht zuständig“, sagt Kurzlechner.

Zudem trat am 1. November 2024 ein neues Gesetz in Kraft: Das sogenannte Selbstbestimmungsgesetz sollte es Menschen leichter machen, den Geschlechtseintrag und den Vornamen zu ändern. Noch im selben Jahr nutzten im Standesamt Mühldorf zehn Menschen die Chance. Heuer gab es ebenfalls einen großen Andrang, denn insgesamt zwölf Menschen machten laut Kurzlechner bis Ende November von den neuen Regeln Gebrauch.

Im Standesamt Ampfing allerdings ließ niemand ein anderes Geschlecht eintragen – weder dieses noch vergangenes Jahr. Das teilt Hans Wimmer, Geschäftsstellenleiter der Gemeinde Ampfing, mit. Auch die gleichgeschlechtlichen Eheschließungen weisen ihm zufolge insgesamt eine geringere Zahl auf. 2024 wurde eine geschlossen, 2022 ebenfalls. 2023 sowie 2021 und 2020 gab es aber keine gleichgeschlechtlichen Eheschließungen.

Zahl der Scheidungen
überwiegt in Ampfing

Geheiratet haben im Standesamtsbezirk Ampfing 2024 genau 29 Paare. 2023 waren es 31, im Jahr 2022 sogar 50. Höher als die Zahl der Eheschließungen war vergangenes Jahr die Zahl der Scheidungen: „2024 gab es 41. 2023 waren es 39“, so Wimmer. Die meisten Scheidungen gingen 2020 im Standesamt ein: insgesamt 43. Da es in Ampfing keine Geburtsstation gibt, konnte das Standesamt laut Wimmer 2024 auch keine gebürtigen Ampfinger verzeichnen. 2023 gab es allerdings dennoch zwei Geburten vor Ort – und 2022, 2021 und 2020 jeweils eine. Nachdem die Zahl der Todesfälle nach 2020 von 106 auf 87 gesunken war, stieg sie in den vergangenen Jahren wieder an. „2022 waren es 92, im nächsten Jahr 95 und 2024 sogar 102“, erzählt der Geschäftsstellenleiter.

Weniger Geburten
in Waldkraiburg

Johanna Spirkl ist die Pressesprecherin der Stadt Waldkraiburg. Auch sie fragte im dortigen Standesamt nach, wie viele Sterbefälle es in den vergangenen Jahren gab. „2024 starben 247 Menschen“, sagt Spirkl. 2023 waren es noch zehn mehr. Ein Maximum erreichte die Zahl im Corona-Jahr 2022. „Damals starben 285 Menschen“, so die Pressesprecherin.

Da es in Waldkraiburg ebenfalls keine Geburtsstation gibt, wurden im Jahr 2024 nur sechs neugeborene Kinder angemeldet. „2023 waren es noch neun“, sagt Spirkl. Die Zahl schwankte in den vergangenen Jahren ein wenig. Allerdings gab es nie mehr als die neun Geburten im Jahr 2023. „Aufgrund dieser geringen Menge, werden auch die beliebtesten Babynamen nicht ausgewertet“, erklärt die Sprecherin.

Die Frage nach den Scheidungen konnte die Stadt ebenfalls nicht beantworten. Dafür gibt es eine Statistik zu den Hochzeiten. „2024 heirateten hier 131 Menschen“, so Spirkl. Im Jahr zuvor gaben sich 141 Paare das Jawort – und das war auch der Höchststand von 2020 bis 2024. Gleichgeschlechtliche Eheschließungen verzeichnete das Standesamt 2024 insgesamt drei.

Heuer waren vor allem zwei bestimmte Hochzeitsdaten sehr beliebt. „Am 12. April waren es vier Trauungen, am 25. Oktober sogar fünf“, betont die Pressesprecherin. Beide Daten fielen auf einen Samstag. Das neue Selbstbestimmungsgesetz nutzten am Standesamt Waldkraiburg im Jahr 2024 insgesamt sechs Personen.

Artikel 9 von 11