„Deutschland im Krisenfall zu langsam“

von Redaktion

THW-Ehrenpräsident Albrecht Broemme bei Wasserwacht Waldkraiburg – Hightech unter Eis demonstriert

Waldkraiburg – Wasserrettung am Pürtener Weiher. Um für einen derartigen Ernstfall gerüstet zu sein, üben Rettungskräfte regelmäßig und immer mit dem Anspruch, das Beste zu geben. Diesmal haben die Ehrenamtlichen des Wasserrettungszentrum in Waldkraiburg mit Albrecht Broemme einen besonderen bekannten und auch begeisterten Zuschauer beeindruckt.

„Eine Person im Eis eingebrochen“ lautete das Szenario der Rettungsaktion, bei der die Wasserwacht die Flugdrohne mit ihrer leistungsstarken Kamera demonstrierte. Diese verfügt unter anderem über einen 200-fachen Zoom und eine Wärmebildfunktion.

Eine Premiere war für Broemme die Vorführung der Tauchdrohne, die mit Greifarm, Kamera und Beleuchtung ausgestattet ist, bis zu 200 Meter tief tauchen kann und mit dem Greifarm auch Personen oder Gegenstände aus der Tiefe heraufholen soll. Sie gehört zum Fachbereich von Martin Geidobler, Leiter der Technischen Suche und Ortung (TSO), der betonte, dass die Wasserwacht in den vergangenen Jahren mehrere Zehntausend Euro aus eigenen Mitteln investiert habe.

Taucher bergen „Udo“
aus dem Pürtener Weiher

Zum Abschluss tauchte einer der Einsatztaucher im zugefrorenen Weiher ab, um die im Eis eingebrochene Übungspuppe „Udo“ zu retten. Dabei wurde nicht nur die Puppe sicher ans Ufer gebracht, sondern auch ein im Weiher entsorgter Klappstuhl geborgen.

Vor der praxisnahen Übung hatte sich Broemme einen Überblick über das Wasserrettungszentrums der Wasserwacht Waldkraiburg verschafft. Die Leiter der Fachdienste präsentierten gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Wasserwacht Waldkraiburg, Christian Goertz, ihre Arbeit.

Raphael Rumpf, Leiter der Gruppe Tauchen, stellte die in Waldkraiburg ansässige Tauchgruppe und ihr besonderes Taucherfahrzeug vor. Dabei handelt es sich um einen ehemaligen Rettungswagen, der so umgebaut wurde, dass sich die Einsatztaucher bereits während der Fahrt ausrüsten können. Dies spare im Einsatzfall wertvolle Minuten, betonte Rumpf.

Aktuelles Buch
vorgestellt

Abends dann stellte Broemme sein aktuelles Buch  „Deutschland in der Krise“ im Landgasthof Pauliwirt in Erharting vor. Darin gibt der 72-Jährige einen Überblick über den Zustand des deutschen Bevölkerungsschutzes. „Wir müssen uns daran gewöhnen, dass Krisen nicht Ausnahmen, sondern Teil unserer Gegenwart sind. Ohne Ziel stimmt jede Richtung der Planung“, mahnte Broemme.

Deutschland habe sich lange auf stabilen Normalbetrieb verlassen und die eigene Krisenfestigkeit überschätzt, erklärte Broemme, weshalb Deutschland im Krisenfall zu langsam, zu zögerlich und oft unkoordiniert agiere. Resilienz entstehe in den Kommunen, bei Einsatzkräften vor Ort und im Ehrenamt – „nicht in Berlin“.

Bürokratie
als Hürde

Bürokratische Hürden verzögerten Entscheidungen unnötig. Handlungssicherheit entstehe nur durch „regelmäßiges, praxisnahes Üben“.

Ein weiteres zentrales Thema war die mangelhafte Schutzraum-Infrastruktur in Deutschland.

Angesichts aktueller Bedrohungsanalysen, die ein mögliches russisches Angriffsszenario auf Nato-Gebiet um das Jahr 2029 skizzieren, zeigte sich Broemme ernüchtert: Die Behörden hätten nicht einmal richtig angefangen zu planen, ist er überzeugt.

Organisiert wurde der Besuch Broemmes im Landkreis Mühldorf von Sandra Bubendorfer-Licht, ehemalige FDP-Bundestagsabgeordnete mit Schwerpunkt Bevölkerungsschutz und FDP-Kreisvorsitzende in Mühldorf.

Am Ende des Abends blieb eine klare Botschaft: Krisen werden nicht seltener, doch ihre Auswirkungen lassen sich begrenzen, wenn Vorsorge, Strukturstärkung und Verantwortungsbewusstsein ernst genommen werden. Zahlreiche Ehrenamtliche aus Feuerwehr, BRK, Malteser Hilfsdienst und THW nutzten die Gelegenheit, sich im Anschluss mit Broemme fachlich auszutauschen.

Tragende Rolle während Corona

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