Waldkraiburg – Über Monate kam Pürten fast schon einer Sackgasse gleich: Denn die wichtige Nord-Süd-Verbindung durch den Ort hindurch in Richtung A94 war lange Zeit gekappt.
Wegen der Bauarbeiten an der Pürtener Kreuzung war an der Innkanalbrücke Schluss. Als dann die Sperre endlich aufgehoben war, fehlte etwas Entscheidendes, was aber wegen der Baumaßnahmen vielleicht nicht gleich jedem Verkehrsteilnehmer aufgefallen ist: Pürten hatte plötzlich kein Ende mehr. Es ist vermutlich die Macht der Gewohnheit, nach der Innkanalbrücke trotzdem das Fahrzeug zu beschleunigen. Denn über Jahrzehnte war an dieser Stelle Schluss mit Pürten. Warum sollte es jetzt also anders sein? Und doch war es so – mit Freigabe der Staatsstraße in Richtung Pürtener Kreuzung fehlte nämlich am Ortsausgang das Ortsschild.
Nicht etwa, weil andere Arbeiten bei der Baustelle höhere Priorität hatten. Und erst recht nicht, weil Pürten quasi still und heimlich vollständig Teil von Waldkraiburg geworden wäre.
Das Schild war schlicht während der Bauzeit gestohlen worden. Wer – und vor allem warum – jemand das Schild mitgenommen hat, ist unklar. Vielleicht war es ja jemand, der Pürten so sehr ins Herz geschlossen hat, dass er das Ortsschild als persönliches Erinnerungsstück mitnahm. Weil er den Ort am liebsten nie verlassen würde. Je länger das Schild also fehlte, desto mehr fiel es bei den Autofahrern auf, dass es tatsächlich verschwunden war.
Ortsschilder sind keine Lagerware, deshalb dauerte die Ersatzbeschaffung. „Aufgrund der Lieferzeiten hat es etwas gedauert, bis ein Neues beschafft werden konnte“, teilt das Staatliche Bauamt Rosenheim auf Nachfrage mit.
Mittlerweile ist das neue Ortsschild geliefert und montiert. Pürten hat seinen offiziellen Beginn und damit auch sein offizielles Ende wieder zurück – und alle Durchfahrenden spätestens jetzt wieder die klare Gewissheit, wann sie auf 50 Kilometer pro Stunde abbremsen müssen.
Und wer weiß – vielleicht hängt das alte Ortsschild inzwischen irgendwo als ungewöhnliches Souvenir an der Wand eines Pürten-Fans. Raphaela Lohmann