Neumarkt-St. Veit – Es war 22.13 Uhr im Kulturbahnhof, als es emotional wurde: „Habe die Ehre. Es war mir eine Ehre, 24 Jahre für Neumarkt-St. Veit zu arbeiten!“ Bürgermeister Erwin Baumgartner war sichtlich ergriffen. Schließlich war es seine letzte Bürgermeisterversammlung. Denn nach 24 Jahren tritt er nicht mehr an.
Neumarkt-St. Veit
wächst und gedeiht
Neumarkt-St. Veit wächst und gedeiht. Das ist die Botschaft, die Baumgartner gleich zu Beginn seines 83 Folien langen Vortrags im gut besuchten Kulturbahnhof deutlich machte. 6.708 Einwohner lebten zum 30. November 2025 in Neumarkt-St. Veit. Tendenz weiter steigend, im vergangenen Jahr immerhin ein Plus von 75 Bürgern.
In seinem Rückblick begann er mit dem Mammutprojekt der vergangenen Jahre, die Stadtplatzumgestaltung. Mit den Asphaltierungsarbeiten am Unteren und Oberen Tor sowie am Johannesplatz und der Markierung der Parknägel sei diese Maßnahme abgeschlossen. Ein Abschluss, der gefeiert werden will. Baumgartner nannte dafür den 25. April 2026, ein Datum, an dem auch die 70 Jahre seit der Stadterhebung gefeiert werden sollen. Dazu sei auch ein Festvortrag zur Geschichte des Kinos im Herzoglichen Kasten, dem Ort der Stadterhebungsfeier von 1956, geplant.
Als Zuckerl wird aktuell noch die Baumburggasse hergerichtet, die Adlsteiner Straße wird damit an den Stadtplatz angebunden, der Durchgangsbereich gepflastert. Auf 400.000 Euro bezifferte Baumgartner die Maßnahme, die von der Städtebauförderung mit 320.000 Euro bezuschusst wird.
Als ein Erfolgsprojekt bezeichnete er das Fassaden- und Geschäftsflächenprogramm. Seit 2015 seien 33 Anträge genehmigt worden, mit einem Fördervolumen von 104.000 Euro. Dies habe zu einer Investition in Höhe von insgesamt rund 420.000 Euro im Stadtplatzbereich beziehungsweise im Sanierungsbereich geführt.
Hinten angestellt habe man die Ertüchtigung der Thaler-Schmiede, Planungen sehen ein Vereins- und Bürgerhaus vor, wofür allerdings derzeit die finanziellen Mittel fehlen. Im nächsten Schritt wird das Gebäude erst einmal auf seine Standfestigkeit untersucht.
Das Thema der regenerativen Energieerzeugung begleitet Baumgartner bereits seit Amtsantritt. Nicht ohne Stolz verkündete er, dass sich besonders in den vergangenen zehn Jahren die Zahlen bemerkenswert verändert hätten. Der Gesamtverbrauch der Energie sei deutlich nach unten gegangen, von rund 25 Millionen Kilowattstunden im Jahr 2015 auf 21,5 Millionen im Jahr 2023. Gleichzeitig sei der Anteil regenerativ erzeugter Energie stark angestiegen, von 29 Millionen Kilowattstunden in 2015 auf 32,3 im Jahr 2024.
Immer mehr
regenerative Energie
Alleine im vergangenen Jahr sei ein Plus von 3,4 Millionen Kilowattstunden zu verzeichnen gewesen. Und es geht weiter. Etwa durch die Erweiterung einer Photovoltaikanlage in Grafing auf 5,2 Megawatt Leistung, sie soll 4,2 Millionen Kilowattstunden Strom jährlich erzeugen. „Das entspricht dem Stromverbrauch von 1.200 Haushalten“, so Baumgartner. Und auch die Windkraftprojekte, insgesamt zwei, will man zusammen mit dem Landkreiswerk in die Tat umsetzen.
Mit einer kommunalen Wärmeplanung habe man die Rahmenbedingungen für eine Wärmeversorgung in der Zukunft gelegt, dabei auch die Geothermie einbezogen. „Wir sitzen in Neumarkt auf einer Wärmeblase. Aber so wie es aussieht, ist es nicht wirtschaftlich, diese zu betreiben“, erstickte Baumgartner hier sämtliche Hoffnungen im Keim. „Alleine die Probebohrung kostet zwischen 10 und 15 Millionen Euro. Und dann ist nicht gewiss, ob die Bürger versorgt werden können.“
Finanziell anstrengend ist die Sanierung der Kläranlage, die noch lange nicht abgeschlossen ist. Das Belebungsbecken soll laut Baumgartner bereits nächste Woche in Betrieb gehen, 9,6 Millionen Euro an Kosten nannte er für die Sanierung.
Versprechungen an
die Realität anpassen
Auch wenn Baumgartner bereits im Mai den Staffelstab im Rathaus an einen neuen Bürgermeister übergeben wird, auf eine Vorschau auf die Aufgaben, die dann den neuen Rathauschef erwarten, verzichtete er deshalb nicht. „Dieser Ausblick soll auch den anwesenden Kandidaten der kommenden Kommunalwahl ein bisschen aufzeigen, was in der Zukunft alles ansteht beziehungsweise schon in Planung ist.“ Vielleicht helfe dies, die großen Versprechungen, Ideen und Visionen der kommenden Wahlveranstaltungen etwas der Realität und den tatsächlichen Möglichkeiten näherzukommen.
Neumarkt benötigt
einen neuen Brunnen
Kläranlagensanierung, Planung von Windkraftanlagen, Straßensanierungsmaßnahmen, die Bildung eines Kommunalunternehmens für den Bereich Wasser, Abwasser und Energie erwähnte er in diesem Zusammenhang. Baulich nannte er noch das Feuerwehrhaus in Teising, bei dem sich die Frage nach Neubau beziehungsweise Sanierung stellt.
Finanzielle Herausforderungen seien die Bohrung eines neuen Brunnens, wofür die Probebohrungen bereits im Januar 2026 starten sollen. Rund eine Million Euro sind für die Erschließung vorgesehen. Knapp sieben Millionen Euro werden es wohl für den Bau eines Wasserwerkes sein. Und auch die Ganztagesbetreuung in der Grundschule steht auf der Agenda. Für die Erweiterung des bestehenden Kinderhortes um zwei Gruppen mit jeweils 25 Kindern rechnet Baumgartner mit Kosten in Höhe von 1,7 Millionen Euro, immerhin 1,2 Millionen Euro Förderung seien zu erwarten.