Vom Zeichenbrett zum PC

von Redaktion

Wolfgang Than ist Firmenlegende – Abschied nach 50 Jahren bei Dickow Pumpen

Waldkraiburg – Sein altes Zeichenbrett will Wolfgang Than, der 50 Jahre bei Dickow Pumpen als Technischer Zeichner gearbeitet hat und im Dezember in den Ruhestand geht, nicht mit nach Hause nehmen. „Würde ich das Zeichenbrett mitnehmen, dann hätte ich daheim auch noch ein Brett vor dem Kopf“, verkündet Than lachend und klärt auf: „Früher witzelte man über technische Zeichner, es hieß, dies seien Menschen, die immer ein Brett vor dem Kopf haben.“

Das alte Zeichenbrett kommt also nicht in die private Wohnung von Than, sondern eher in ein Museum. Jahrzehntelang stellte der 67-Jährige detaillierte Zeichnungen und Konstruktionspläne für die unterschiedlichsten Pumpenteile her – zunächst am Zeichenbrett und später am Computer. 50 Jahre Betriebszugehörigkeit, das hat bisher neben Than nur noch ein Kollege geschafft, der aber nicht mehr im Unternehmen ist.

„Meine Bewerbung für die Ausbildung zum Technischen Zeichner musste ich damals beim Arbeitsamt vorlegen“, erinnert sich Than. Weil er in der Realschule schon gerne zeichnete und technischen Dingen zugeneigt war, kam eigentlich nur dieser Beruf für ihn infrage. Das Arbeitsamt gab grünes Licht.

Im September 1975 startete der junge Wolfgang seine dreijährige Lehrzeit bei Dickow Pumpen. Ob sein Herz am ersten Arbeitstag ein bisschen pumpte, das weiß er heute nicht mehr ganz genau. An seine Ausbildungszeit erinnert er sich jedenfalls gerne. „Ich durfte sämtliche Abteilungen in der Firma kennenlernen, das war hochinteressant“, erzählt er, und die Aufgabe als „Brotzeitholer“ fand er ebenfalls super.

„Brotzeitholer“ – früher ein üblicher Job für Lehrlinge. Die Kollegen äußerten Brotzeitwünsche, und der Auszubildende arbeitete die Auftragsliste ab. „Da bin ich eine Stunde auf Achse gewesen“, amüsiert sich Than noch im Nachhinein.

Auch wenn er für die aktuellen Geschäftsführer Dr. Wolfgang Schmitz und Alexander Hammer noch nie Brotzeit holen musste, sind die Herren des Lobes voll über ihren treuen Mitarbeiter. „Er erfährt in unserem Unternehmen aus guten Gründen hohe Wertschätzung“, betonen sie, und Hammer setzt noch einen drauf: „Im Kopf von Wolfgang steckt hinsichtlich Konstruktion zu unseren Produkten so viel Wissen, da würde sogar Wikipedia neidisch darauf blicken.“

Der so mit Lorbeeren bedachte Mitarbeiter gibt sein profundes Wissen gerne an die jüngere Generation weiter. Eigentlich ist er ja schon seit drei Jahren in Rente, aber die Chefs ließen ihn nicht wirklich gehen. Sie zogen ihn zwar aus der produktiven Ebene zurück, schufen aber gleichzeitig für ihren wertvollen Mitarbeiter ein anderes Aufgabenfeld, das mit einer Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit einherging.

Das Zeichenbrett benötigte der Angestellte für seinen neuen Job aber nicht mehr. Vielmehr fungierte der 67-Jährige in der Firma als interner Berater, was im Klartext bedeutet: Kollegen konnten Fragen an ihn richten hinsichtlich bestimmter Pumpentypen und Entwicklungsprozesse. Außerdem ist der baldige Ruheständler noch unter die Autoren gegangen. Heraus kam ein Handbuch für die Kollegen, in dem Wolfgang Thann alles niederschrieb, was in seinem technischen Bereich von Belang war. „In diesem Buch sind wahre Schätze enthalten“, lässt Alexander Hammer wissen und weist noch auf alte Handzeichnungen des Mitarbeiters hin, die immer wieder im Einsatz sind.

Ein Mann wie Wolfgang, der den Entwicklungsschritt von 100 Prozent analog zu beinahe 100 Prozent digital mitgemacht hat, der muss sich wirklich auskennen. So lautet jedenfalls das Resümee der Chefs. Hier hakte der Gelobte jedoch ein und bekennt: „Als Ende der 1990er-Jahre bei uns auf Computer umgestellt wurde, sträubte ich mich anfangs gegen diese Art zu arbeiten. Aber ich musste mich durchbeißen, mir blieb nichts anderes übrig.“

Und die technische Abteilung der Firma muss sich künftig ebenfalls durchbeißen und ohne Wolfgang Than zurechtkommen. „Wir haben ja deine Telefonnummer“, warnt Dr. Schmitz augenzwinkernd. Diese Aussage bringt den baldigen Rentner aber nicht aus der Ruhe. Ursula Huckemeyer

Artikel 1 von 11