Waldkraiburg ringt um Millionen-Investition

von Redaktion

Sanierungsfall Tiefgarage: Kostet sie den Rathaus-Neubau?

Waldkraiburg – Irgendwann lassen sich bestimmte Dinge einfach nicht mehr länger aufschieben. Genau an diesem Punkt befindet sich Waldkraiburg jetzt: Seit Jahren konnten notwendige Investitionen wegen der angespannten Haushaltslage nicht angegangen werden, der Sanierungsstau wächst immer weiter. Für 2026 muss die Stadt aber Entscheidungen treffen – die indirekt auch die Zukunft des Rathauses bestimmen könnten.

Ob Ganztagsbetreuung an der Beethovenschule, die Planungen für die Franz-Liszt-Mittelschule oder eine Dachsanierung an der Goe-theschule: In den kommenden Jahren wird Waldkraiburg deutlich mehr Geld in den Hochbau stecken müssen. Rund 6,9 Millionen Euro könnten 2026 in den Bereich fließen – genug aber nur für das Nötigste.

„Es braucht jetzt
eine Entscheidung“

Rund 3,3 Millionen Euro sind allein für den Unterhalt bei Schulen, Feuerwehren, Sporthallen oder Rathaus eingeplant. Geld, das aber nur den kurzfristig notwendigen Mindestbedarf abdeckt. Besonders dringlich ist die Goetheschule: „Es geht nass rein“, erklärte Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG) im Stadtentwicklungsausschuss. Rund 1,2 Millionen Euro sind dafür veranschlagt – Heizungsanlage und Anschluss an die Geothermie inklusive.

Doch während an der Grundschule das Wasser durchs Dach dringt, wartet unter der Erde ein noch größeres Problem: die marode Tiefgarage unter dem Rathaus. Baumstämme als Notabstützung prägen seit Jahren das Bild der Tiefgarage, bei Regen bilden sich im Inneren Pfützen. „Es braucht jetzt eine Entscheidung“, sagte Pötzsch. Noch länger lasse es sich nicht aufschieben, ob saniert werden soll. Eine Sanierung könnte zwischen zehn und zwölf Millionen Euro kosten.

„Sanieren oder verfallen lassen“, sagte es Bauamtsleiter Carsten Schwunck in aller Deutlichkeit. Wenn saniert werden soll, müsse jetzt mit der Planung begonnen werden. „Der Zenit ist überschritten“, sagte er auf Nachfrage. Man könne das Bauwerk zwar vorübergehend mit weiteren Stützen sichern, aber auch diese Lösung hat ihre Grenzen. Wann genau eine Sperrung drohen würde, sei derzeit unklar.

Hier zeigt sich das Dilemma der Stadt: Eine Sanierung der Tiefgarage würde Millionen verschlingen – und gleichzeitig die Chance auf den Rathaus-Neubau zunichtemachen. Wird die Tiefgarage nicht saniert, bleibt die Option auf den Neubau und die Umgestaltung des Vorplatzes. Doch das würde auch bedeuten, den Verfall der Tiefgarage zu akzeptieren.

Aber auch oberirdisch drängt womöglich die Zeit: im Rathaus. Die Brandmeldeanlage könne nur deshalb erneuert werden, weil alte Bohrlöcher wiederverwendet werden können. Würde aber das Rathaus den vorgeschriebenen E-Check nicht mehr bestehen, könnten keine neuen Leitungen verlegt werden. „Das wäre das Ende vom Rathaus“, sagte Schwunck.

Zum Hintergrund: Das Rathaus sei schadstoffbelastet. Weil die Stoffe aber in den Bauteilen gebunden seien, würde davon keine Gefahr ausgehen. Allerdings: „Bei größeren Erschütterungen oder Bohrungen würden diese austreten, was Arbeiten so komplex macht“, erklärte Schwunck auf Nachfrage.

Tiefgarage und Rathaus – zwei Projekte, die miteinander verwoben sind, sich aber im Weg stehen. „Wenn wir die Tiefgarage sanieren, dann ist ein Neubau vom Tisch?“, fragte Christoph Vetter (UWG) nach. „Die Pläne wären dann obsolet. Wie es mit dem Rathaus weitergehen würde, ist unklar“, antwortete Schwunck. Einen Plan B gibt es nicht.

Weitere Herausforderungen kommen hinzu: „Die Schulen haben oberste Priorität, hier besteht größter Handlungsbedarf“, erklärt Schwunck.

Richard Fischer (SPD) zeigte wenig Verständnis: „Es wurden doch Gelder in das Rathaus gesteckt und jetzt sind wir kurz davor, das Gebäude zu schließen.“ Eine echte Sanierung hat es aber laut Pötzsch nicht gegeben, stattdessen Pläne für den Neubau. „Die Pläne für den Neubau sind gestoppt. Wir versuchen, das Haus so lange wie möglich am Leben zu halten.“ Den Bund sieht Johann Vetter (UWG) viel mehr in der Pflicht: „Auch andere Städte haben das gleiche Problem. Es braucht mehr Geld vom Bund.“ Ein Neubau ist für ihn in weite Ferne gerückt, stattdessen sollte man eine Sanierung planen. Eine solche sieht Ernst Schäffer (AfD) als „nicht praktikabel“. „Ein Neubau bietet einen Mehrwert für alle.“ Deshalb sollte man einen kostengünstigeren Neubau anstreben.

Für manche Projekte
fehlt das Geld

Auf Verdacht planen will Anton Sterr (CSU) nicht, ebenso wenig wie jetzt eine Zukunftsentscheidung treffen, die noch 2026 greife. „Das ist eine gravierende Entscheidung, die sollte bei der Haushalts-Debatte getroffen werden.“

Eine Debatte, die sicherlich nicht einfach wird. Sterr verwies auf die angespannte Haushaltslage und die damit verbundene „dauernde Leistungsfähigkeit“. „Die Realität ist nicht wegzudiskutieren: Es wird sich manches nicht umsetzen lassen, weil kein Geld da ist.“

Dennoch ist eine konkrete Entscheidung fürs Erste vertagt: Der Stadtentwicklungsausschuss stimmte einstimmig dem Bauprogramm in Höhe von 6,9 Millionen Euro zu – einschließlich der Planungskosten für eine Sanierung der Tiefgarage. Die Ausgaben für das Bauprogramm sollen im Haushalt dafür berücksichtigt werden – sofern sie finanziell möglich sind.

Artikel 1 von 11