„Der Bund lässt uns absaufen!“

von Redaktion

Zeiten großer Herausforderungen – Landrat warnt vor Folgen der Finanzkrise im Landkreis Mühldorf

Neumarkt-St. Veit – „Die Situation ist kompliziert!“ Mühldorfs Landrat Max Heimerl machte bei der Bürgerversammlung im Kulturbahnhof klar, dass die Zeiten alles andere als rosig sind. „Wirtschaftlich stehen wir vor immer größer werdenden Problemen!“, kommentierte er die Tatsache, dass in Deutschland monatlich 2.000 Arbeitsplätze abgebaut würden, betroffen vor allem in der Industrie. „Auch Wacker Burghausen baut deutlich ab, und das hat natürlich Konsequenzen für Zulieferer beziehungsweise Handwerksbetriebe aus unserer Region“, bedauerte Heimerl. Allerdings: Im Landkreis Mühldorf sei man „relativ resilient“, „weil wir wirtschaftlich relativ breit aufgestellt sind“.

Bevölkerungszahlen
gehen nach oben

Positiv würden sich die Bevölkerungszahlen entwickeln, zuletzt ein Plus von fünf Prozent pro Jahr, womit der Landkreis Mühldorf über dem Landesdurchschnitt von zwei Prozent stehe. In den nächsten Jahren, so prognostizierte Heimerl, werde sich die Wachstumszahl auf ein Plus von zehn Prozent hinbewegen. Schon jetzt müsse man sich darauf vorbereiten, beispielsweise mit der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum.

Nachdem Neumarkts VG-Geschäftsstellenleiter Thomas Menzel bei der Betrachtung der aktuellen Haushaltszahlen auch die Kreisumlage erwähnt hatte, die mit über vier Millionen Euro den größten Ausgabeposten ausmacht, erklärte Heimerl, dass auch der Landkreis unter schwindelerregenden Umlagen leide. Sozialleistungen würden die Kassen auffressen. „Irgendwann können wir uns den Sozialstaat nicht mehr leisten“, warnte Heimerl in Anbetracht der Tatsache, dass der Landkreis eigentlich knapp 7,4 Millionen Euro an den Bezirk zu zahlen habe. „Der Bund lässt uns absaufen!“, so Heimerl, der froh darüber ist, dass Bayern nun einen Rettungsring geschickt habe. 870 Millionen Euro stünden auf diese Weise an Sondervermögen in ganz Bayern zur Verfügung. „Sodass wir nur noch knapp vier Millionen Euro an den Bezirk überweisen müssen.“ Nur so seien auch die Herausforderungen finanzieller Art hinzukriegen, so der Landrat, der darauf verwies, dass mittlerweile auch die Krankenhäuser besser laufen würden. Die Defizite hätten sich von 16 Millionen auf 9,5 Millionen Euro reduziert.

An und für sich also gute Nachrichten. Und dennoch bleibt der Spielraum für Investitionen klein. Nur das Notwendigste sei möglich, Heimerl nannte dabei vor allem den Straßenunterhalt. Umso zufriedener zeigt sich der Landrat darüber, dass man Möglichkeiten gefunden hat, im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) für drastische Einsparungsmaßnahmen zu sorgen.

Mit dem Beitritt des Landkreises Mühldorf zum Münchner Verkehrsverbund (MVV) werde ab dem 1. Januar 2026 ein System etabliert, um Strecken nur noch mit einem Ticket zurückzulegen. „Qualitativ gesehen ein Riesenschritt“, fand Heimerl. Man benötige in diesem Verbund nur eine App, die entsprechend der Reiseroute automatisch den günstigsten Preis berechnet. Ein System, das auch in den Landkreisen Landshut, Garmisch-Partenkirchen und Tosenheim funktioniert. Durch den Beitritt zum MVV koste zum Beispiel eine Zugfahrt von Neumarkt-St. Veit nach Mühldorf zukünftig nur noch 2,10 Euro statt 6,90 Euro. Nur eine Einschränkung gebe es in puncto reibungsloses Reisen: Die Stadt Mühldorf ist diesem Verbund nicht beigetreten, weil die Kreisstadt eine eigene Nahverkehrslösung mit dem Rufbus ins Leben gerufen habe und weil, laut Heimerl, offenbar die Systeme für die Tickets nicht kompatibel seien. „Für die Mühldorfer ein Nachteil, weil die zwei Tickets lösen müssen.“ Doch Heimerl prognostiziert: Auch Mühldorf wird irgendwann beitreten. Ein paar Sätze verlor Heimerl dann zum Landkreiswerk, das die Planung von Anlagen zur regenerativen Energiegewinnung vorantreiben soll. Es gehe ihm nicht darum, so viele Windräder wie möglich zu bauen. „Wir diskutieren hier nicht, ob wir Windräder bauen, sondern wer.“ Bevor Investoren von außerhalb kommen, um sich lukrative Standorte zu sichern und darauf Gewinne zu erzielen, will man die Wertschöpfung im Landkreis behalten. Dazu soll das Landkreiswerk seinen Beitrag liefern.

Respektvolle Worte
an Baumgartner

„Es geht auch darum, die Bürger zu beteiligen. Wir können den Bau künftig nicht mehr verbieten. Wir müssen nur schauen, dass wir von der Rückbank auf den Fahrersitz wechseln, das Steuer selbst in der Hand haben“, erklärte der Landrat. Fünf Windanlagen seien bereits genehmigt im Landkreis, und zwar in der Nähe von Taufkirchen, in Polling sei ebenfalls ein Projekt geplant.

Gleich zu Beginn hatte sich Heimerl bei Bürgermeister Erwin Baumgartner bedankt, weil der Rathauschef nach 24 Jahren im Amt bei der Kommunalwahl 2026 ja bekanntlich nicht mehr antreten wird.

„Eine Ära geht zu Ende“, sagte Heimerl respektvoll, „danke, dass ich heute dabei sein darf!“

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