Friedhofskapelle St. Michael wiedereröffnet

von Redaktion

Pater Kirchmann: „Passender und schöner Anlass zu Beginn des neuen Kirchenjahres“

Waldkraiburg/Pürten – „Zu Beginn des Kirchenjahres ist es ein passender und schöner Anlass, dass wir heute hier in Pürten der renovierten Friedhofskapelle St. Michael den kirchlichen Segen spenden und sie nun offiziell wieder eröffnen können“, freute sich Pater Walter Kirchmann nach dem Adventssonntagsgottesdienst. Im Beisein des Gemeindereferenten Nicolas Gkotses, des Kirchenpflegers Erwin Spierer, einiger Ministranten und zahlreicher weiterer Gottesdienstbesucher sprach Kirchmann ein Segensgebet in der Kapelle und segnete diese sowie die Anwesenden mit Weihwasser und Weihrauch.

Bereits im Jahr 2018, im Zuge der Pürtener Dorferneuerung, wurde der Grundstein für die Sanierung der Friedhofskapelle gelegt. Das Kirchlein musste damals mit einer Notsicherung aufwendig gestützt werden und blieb daraufhin geschlossen. Infolge dessen wurde vom Ordinariat eine Sanierung genehmigt. Eine statische Ertüchtigung war notwendig, sodass nach und nach die Wände und der Innenraum mit Gewindestangen fixiert und dadurch das Kirchenschiff gefestigt wurden. Weitere Maßnahmen waren die Erneuerung des Bodenpflasters sowie der Einbau einer Lüftungsanlage wegen der Feuchtigkeit. Der Turm wurde komplett mit Holzschindeln neu eingedeckt. Zudem wurden die Außenfassade sowie der Innenraum neu gestrichen. Die letzte Maßnahme, mit der die Kapellensanierung im Jahr 2025 abgeschlossen wurde, war die Sanierung des Altars. Dieser wurde gereinigt, Ausbesserungsarbeiten waren notwendig und abschließend wurde er neu bemalt. Dieser Stuckaltar ist ein sehr seltenes Objekt in der ganzen Diözese. Ab dem neuen Jahr 2026 soll die Friedhofskapelle St. Michael tagsüber, wie die Pfarrkirche, zur Besichtigung und zum Verweilen geöffnet sein.

Die Friedhofskapelle ist dem Erzengel St. Michael geweiht, dessen Patronatstag am 30. September ist. Früher wurde sie auch als „Johannes-Kapelle“ bezeichnet. Die spätgotische, dreijochige Kapelle soll im Jahre 1572 erbaut worden sein, was jedoch nicht mit Dokumenten belegbar ist. Jedoch könnte der Baustil, der Übergang von der Spätgotik zum Frühbarock, durchaus zur Jahreszahl passen. Bis in die 1950er-Jahre wurden hier auch Messen gelesen. Seither wird diese Kapelle als Leichenhaus genutzt. Der kleine Turm, bis zum Kapellendach quadratisch und dann achteckig, wird von einer barocken Zwiebelhaube bekrönt. Bis 1896 hingen dort zwei kleine Glöckchen, die damals für die Anschaffung eines neuen Geläutes für die Pfarrkirche eingeschmolzen wurden. Die Kapelle wird von drei Rundbogenfenstern und drei kleinen kreisrunden Fenstern beleuchtet. An den Wänden sind Reste von Pilgerinschriften erhalten, die aus den Jahren 1634, 1655 und 1699 stammen. Zudem befindet sich hier ein barockes Gemälde mit der Abendmahlszene, das 1666 von einem Kraiburger Bürger gestiftet wurde. Ein sehr seltener, aus Stuck modellierter Altar wird auf die Zeit um 1780 datiert und dem Kraiburger Bildhauer und Stuckateur Philipp Wagner zugeschrieben. Dieses Werk zeigt in der Mitte eine Pietà „Maria mit dem toten Jesus“. Seitlich davon stehen die Heiligenfiguren Johannes Evangelist und Nikolaus, Bischof von Myra. Oben ist ein Schriftband zu sehen mit den Worten: „Amor meus crucifixus est“ (= Meine Liebe ist gekreuzigt).

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