Kommt ein Fahrradweg nach Marklkofen?

von Redaktion

Geheimnis bei Bürgerversammlung gelüftet –Wiederbelebung der Bahnlinie nach Marklkofen

Neumarkt-St. Veit – Wenn die Signalstelle nicht wäre, man würde wohl kaum Notiz nehmen von den rostigen Schienen, die sich noch immer unterhalb der Brücke in Hofthambach befindet. Wie auch? Seit die Bahnstrecke von Neumarkt-St. Veit nach Marklkofen stillgelegt wurde, hat sich die Natur breit gemacht. Eichenbäumchen wachsen, Beeren- und Birnensträucher überwuchern die rostigen Gleise. Die Bahnschwellen aus Holz faulen vor sich hin.

Beeindruckend wie schnell der Verfall voranschreitet auf der Bahnlinie, auf der noch bis vor acht Jahren Müllzüge im Schneckentempo bis nach Marklkofen gefahren sind. Dann hieß es: Die Bahnstrecke ist marode, eine Instandsetzung lehnte der damalige Betreiber, die RSE Rhein-Sieg-Eisenbahn GmbH, aus Kostengründen ab.

Mit dem Radl
nach Niederbayern

Jetzt aber soll dem 25 Kilometer langen Abschnitt zwischen Rott und Marklkofen neues Leben eingehaucht werden. Es werden allerdings keine Züge mehr sein, die dann von A nach B tingeln. Geht es nach den Plänen des Staatlichen Bauamts in Passau, wird es schon bald einen Radweg auf der aufgelassenen Bahnstrecke geben. „25 Kilometer Radweg bis ins Niederbayerische“, verkündete Neumarkt-St. Veits Bürgermeister Erwin Baumgartner bei der Bürgerversammlung im Kulturbahnhof.

Wie kommt’s? Bereits im Mai 2025 hatte das Bauamt in Passau den Neumarkter Bürgermeister kontaktiert und die Idee zum Bau eines Radweges auf der stillgelegten Bahnstrecke geäußert. „Für die Regionen zwischen dem Vilstal im Norden und dem Rottal im Süden ergibt sich damit die Perspektive eines sowohl für den Alltagsradverkehr als auch für den touristischen Radverkehr bedeutenden Projektes“, argumentiert das Amt.

In Vorgesprächen habe die Bahn bereits ihre grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, den Grund abzutreten, wie Baurat Julian Wirtz vom Staatlichen Bauamt in Passau auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen mitteilt.

Durch die Möglichkeit der Schaffung einer großräumigen Verbindung über zwei Regierungsbezirke, drei Landkreise und vier Kommunen hinweg stelle dieser Radweg ein herausragendes Projekt in Bayern dar, so Wirtz, der sich durchaus Synergieeffekte für anliegende Gaststätten vorstellen kann. Ziel sei, bei entsprechend positiver Rückmeldung, die Grundstücksfragen innerhalb der nächsten eineinhalb Jahre abzuschließen.

Vorgesehen wäre, dass der Freistaat Bayern die Bahnlinie von der Bahn erwirbt und anschließend auch Planung und Bau des Radweges zu 100 Prozent übernimmt. Darin inbegriffen wäre der Neubau zahlreicher Brückenbauwerke sowie die Instandsetzung etwaiger bestehender Bauwerke.

Doch beim Unterhalt des Weges kommen dann die Gemeinden ins Spiel, wie Bürgermeister Baumgartner in der Bürgerversammlung erklärte. „Die Stadt und alle anliegenden Gemeinden müssten die Straßenbaulast nach der Fertigstellung übernehmen!“ Die Umsetzung des Projektes könne daher nur vorangetrieben werden, wenn vorab eine grundsätzliche Bereitschaft der Kommunen erklärt werden kann, den Radweg nach Fertigstellung zu übernehmen. Konkret ist die Rede von einem Grundsatzbeschluss, den die weiteren betroffenen Kommunen Gangkofen, Frontenhausen und Marklkofen zu treffen hätten. Ein Grundsatzbeschluss, der wegweisend sein könnte für weitere Erschließungsbestrebungen. Baumgartner wies in der Bürgerversammlung nämlich darauf hin, dass sich durch einen Radwegebau entlang der Bahnstrecke auch eine Möglichkeit für einen Radweg nach Hörbering ergeben könnte. Dies gelte es zu prüfen, „gegebenenfalls auch bis Massing“.

Solche Bestrebungen hatte es immer wieder während der fast 24-jährigen Amtszeit Baumgartners gegeben. Bemühungen, Neumarkt-St. Veit per Radweg – entlang der Staatsstraße oder entlang der Rott – mit Hörbering zu verbinden, waren bislang aber immer an Grundstücksfragen gescheitert.

Doch nicht nur daran. Wie Baumgartner ausführte, möchte das Wasserwirtschaftsamt für die Entwicklung der Rott einen Schutzstreifen von zehn Metern. Daran anschließend erst dürfte ein Radweg, Baumgartner sprach von fünf Metern Breite, errichtet werden. „Somit wäre der Grundstücksbedarf für einen Radweg an der Rott 15 Meter“, dies sei eine der Voraussetzungen für eine Zustimmung durch das Wasserwirtschaftsamt, so Baumgartner.

Ein anderes Hindernis ergibt sich neben dem Grunderwerb entlang der Staatsstraße 2086 auch von der Finanzierbarkeit. Baumgartner erwähnte, dass in den vergangenen Jahren viele Kilometer Radwege gebaut worden seien. Der Freistaat Bayern könne also keine terminliche Zusage für eine Finanzierung geben. Allerdings sei das Projekt in den Maßnahmeplan des Staatlichen Bauamtes in Rosenheim aufgenommen worden.

Mit der Idee der Nutzung der früheren Bahnstrecke ergäben sich nun andere mögliche Trassen bis nach Hörbering. Baumgartner sprach von einem Weg entlang der Bahnlinie, der in der sogenannten Werkssiedlung beginnt und bis zur Schlüsselstelle am Elsenbach bei Rott führt. Dort teilte sich die Bahn auf in die noch bestehende Verbindung Richtung Massing und eben nach Marklkofen. Seit Oktober 2024 ist diese Strecke aber physikalisch nicht mehr mit einem Fahrzeug der Eisenbahn erreichbar, die Zugangsweiche ist in diesem Bereich zurückgebaut worden.

Weg vielleicht
sogar bis Massing?

Ab diesem Punkt gebe es nun mehrere Möglichkeiten, die Radfahrer von der Bahn in Richtung Staatsstraße abzuleiten, zumal hier einige bestehende Feldwege genutzt werden könnten. Entlang der Staatsstraße wären es wieder Verhandlungen mit Grundbesitzern, die für eine Realisierung des Radwegs nötig wären.

Ob nun Vision oder gesunde Zuversicht: Auf jeden Fall ein optimistischer Blick in die Zukunft, um zumindest einige Kilometer Radwege wieder in die Tat umzusetzen. Wenn sich auch bis Hörbering was machen ließe, „dann wäre das fast schon wie Weihnachten!“, so Baumgartner.

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