Viel Hirnschmalz reingesteckt

von Redaktion

Es geht ums Geld – Landkreis Mühldorf präsentiert optimistischen Haushalt für 2026

Mühldorf – Haushaltssitzungen gehörten für Landrat Max Heimerl (CSU) in den vergangenen Jahren sicher nicht zu seinen Lieblingsterminen. Zu saftig langte der Bezirk mit seiner Umlage bei den Landkreisen zu; zu heftig kritisierten die Bürgermeister unter den Kreisräten die steigende Kreisumlage, die Städten und Gemeinden das Geld aus der Tasche zieht; zu massiv schlug jedes Mal das Defizit des „InnKlinikums“ zu Buche.

Da heuer vieles ein bisschen anders war, ließ der Landrat die Kreisräte in der gemeinsamen Haushaltssitzung von Kreis- und Finanzausschuss am Montag (8. Dezember), an seinem Gefühlsleben teilhaben. Im Laufe der Haushaltsaufstellung für das Jahr 2026 sei er erleichtert, dankbar, stolz und besorgt gewesen, begann er seine Rede.

Zwischen Erleichterung
und Sorgen

Erleichtert, weil die Bezirksumlage mit einer Erhöhung von 2,8 Prozent angesetzt war, es am Ende aber doch nur 1,15 Prozent wurden. Was den Landkreis statt der erwarteten 7,4 Millionen Euro bei der Bezirksumlage von 24,7 Prozent dann „nur“ 4,2 Millionen Euro kostet. Dankbar, weil der Freistaat mit dem kommunalen Finanzausgleich zu Hilfe gekommen sei.

Stolz, „weil wir unseren Haushalt voll im Griff haben“, so Heimerl. „Unsere Strategie ‚sparen, stabilisieren und strategisch investieren‘ geht auf.“ Das Klinik-Defizit sinke dank steigender Fallzahlen und der Kreishaushalt komme für 2026 ohne weitere Steigerung der Kreisumlage aus. Besorgt, weil die Bundesregierung zwar die Reform des Sozialstaats angekündigt habe, aber „wir wissen nicht, was auf uns zukommt“.

Im Entwurf hat der Haushalt des Landkreises für das Jahr 2026 ein Gesamtvolumen von 229 Millionen Euro. Die Kreisumlage bleibt stabil bei 56,5 Prozent. Von seinen Städten und Gemeinden erhält der Landkreis damit rund 103,4 Millionen Euro, muss aber circa 45,2 Millionen Euro direkt an den Bezirk weiterleiten. Der Schuldenstand des Landkreises liegt zum Jahresende 2025 bei rund 54,3 Millionen Euro. Ende 2026 könnten die Schulden bei 73 Millionen Euro liegen. Der Ergebnishaushalt 2026 weist einen Fehlbetrag von rund 1,3 Millionen Euro auf.

Dass der Landkreis die Kreisumlage für 2026 stabil halten kann, sei neben den höheren Schlüsselzuweisungen durch den Freistaat vor allem zwei Faktoren zu verdanken. Zum einen sinkt der Defizitausgleich für das „InnKlinikum“ von rund zwölf Millionen Euro in 2025 auf neun Millionen Euro.

Zweiter Faktor sind die anhaltenden Sparmaßnahmen des Landkreises. Trotz steigender Aufgabenbelastung werden die Stellen im Landratsamt nicht aufgestockt und weiterhin verzögert nachbesetzt. Im Tiefbau werden nur zwingend notwendige Instandsetzungsarbeiten durchgeführt. „Unsere finanzielle Situation bleibt extrem angespannt. Trotzdem gelingt es uns, mit Vernunft und Weitsicht in die Zukunft zu investieren“, sagte der Landrat etwa mit Blick auf den Neubau des Sonderpädagogischen Förderzentrums Waldwinkel. Dieses Großprojekt stellt mit rund 50 Millionen Euro Gesamtkosten die größte Investition der kommenden Jahre dar. Die Steuer- und Wirtschaftskraft des Landkreises steige leicht, der Landkreis Mühldorf sei resilient und im Gegensatz zu manchen Nachbarlandkreisen breit aufgestellt, so der Landrat.

„Der Haushalt 2026 sichert unsere positive Entwicklung“, bilanzierte Heimerl. „Wir investieren in Bildung, Umwelt und Klimaschutz, stabilisieren das soziale Netz und der Haushalt belastet die Städte und Gemeinde nicht weiter.“ Der Landkreis Mühldorf könne positiv in die Zukunft blicken.

Landkreis-Kämmerer Markus Heiml präsentierte die wichtigsten Eckpunkte des 300-seitigen Haushaltsentwurfs. Der Gesamthaushalt von 229 Millionen Euro teilt sich in den Ergebnishaushalt mit 207 Millionen Euro und den Finanzhaushalt mit 22 Millionen Euro. Aus dem Ergebnishaushalt werden laufende Ausgaben etwa für Personal, Sozialleistungen, Schulbetriebskosten oder den Personennahverkehr bestritten. Der Finanzhaushalt ist für Investitionen in 2026 da, wie den Ersatzneubau des Förderzentrums in Waldwinkel Aschau (16 Millionen Euro), den Straßenbau (eine Million Euro) oder den Neubau der Streusalzlagerhalle (1,5 Millionen Euro).

Als erster ergriff Kreisrat Dr. Georg Gafus (Grüne) das Wort. Er plädierte dafür, die Kreisumlage in den kommenden Jahren nicht erneut abzusenken. Das bringe Planungssicherheit für die Städte und Gemeinden und den Landkreis. Froh, dass die Kreisumlage auf dem Niveau bleibe, zeigte sich Kreisrat und Ampfings Bürgermeister Josef Grundner (CSU): „Wir hatten zwar schon ein bissl von einer Senkung geträumt, aber war schon klar, dass das nicht passiert.“

Er sehe positive Ansätze für bessere Zeiten. Die Verwaltung habe „viel Hirnschmalz und Arbeit“ in diesen Haushalt gesteckt.

Josef Schöberl (WGW) nannte das Zahlenwerk einen „Haushalt der glücklichen Umstände“. „Die Höhe der Kreisumlage ist auf Dauer nicht zumutbar, da müssen wir mal wieder runterkommen“, so Martin Wieser (AfD).

„Wir haben vermieden, dass uns das Wasser über die Unterlippe rein läuft“, kommentierte Reinhard Retzer (ÖDP) den Haushaltsentwurf bildhaft. „Wir müssen den Status quo halten und punktuell investieren.“

Kommunen haben
noch Spielraum

Kreisrätin und Heldensteins Bürgermeisterin Antonia Hansmeier (CSU) zeigte sich froh über den kommunalen Finanzausgleich und die gleich gebliebene Kreisumlage: „Die Kommunen haben noch Spielraum, können Investitionen und Aufgaben schultern.“ Sie würdigte, dass alle Abteilungen des Landratsamtes Ausgaben eingespart haben und kam zum Schluss: „Der Landkreis ist zukunftsträchtig aufgestellt.“

Finanz- und Kreisausschuss des Landkreises haben dem Haushaltsentwurf für 2026 jeweils einstimmig zugestimmt. Der Kreistag wird darüber am heutigen Freitag beraten und beschließen.

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