Neumarkt-St. Veit – Maria Kerscher aus Sägmühle im Ortsteil Hörbering feierte ihren 90. Geburtstag. Mit Bürgermeister Erwin Baumgartner, mit der Familie und mit Nachbarn plauderte sie an diesem Tag über Stationen ihres ereignisreichen Lebens.
Zur Welt kam sie als zweites von sechs Kindern am 8. Dezember 1935 im Anwesen ihrer Eltern Zwicknagl in Großgrötzing, damals zur Gemeinde Thambach gehörig. Acht Jahre lang besuchte sie die Schule in Wiesbach, und da die Möglichkeit einer Weiterbildung fehlte, lebte und arbeitete sie zunächst weiter auf dem Hof ihrer Eltern.
Sechs Jahre nach Kriegsende nahm sie die Gelegenheit wahr, in Neuötting die Lehre als Köchin anzutreten, die sie drei Jahre später erfolgreich abschloss. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt war nicht rosig damals, und so war Maria meistens wieder daheim. Ein Jahr lang arbeitete sie bei einer Familie in Raitenhaslach als Haushälterin und Wirtschafterin. Seit Kindertagen und auch in der Jugendzeit kannte sie Josef Kerscher aus Hörbering. Irgendwann verliebten sich die beiden und heirateten. Und seit 1961, als Ehemann Josef den Hof der Eltern übernahm, bewirtschafteten beide das Anwesen in Sägmühle, Hörbering, später Neumarkt-St. Veit. Sechs Kinder waren nach und nach dem glücklichen Paar beschieden. Die Erträge aus der Landwirtschaft reichten da bald nicht mehr aus, und Ehemann Josef arbeitete ab 1971 als Bus- und Lastwagenfahrer. Als die Kinder größer waren, fand auch die Bäuerin Arbeitsplätze in der Nähe. Etwa fünf Jahre lang war sie bei der Firma Bachmann in Neumarkt-St. Veit beschäftigt und später in der Putenschlächterei Groß in Moosvogel. Als sie dort schließlich im Alter von 70 Jahren aufhörte, ließ man die fleißige Frau nur ungern gehen.
In ihrer Jugend gründete Maria Kerscher die Landjugend Wiesbach. „Das war wohl in den 50er-Jahren, zusammen mit der Bauer Elfriede und dem Pfarrer Paul“, erinnert sie sich.
Bekannt ist sie auch wegen ihrer „Kiachen“. Bei allen Festen der Familie, aber auch bei Dorf- oder Kirchenfesten lieferte sie Unmengen von ihren „Aus´zogenen“.
Im Jahre 2003 starb ihr Gatte Josef. Sie wohnt jetzt bei ihrem Sohn Robert in Sägmühle und besucht immer noch die Altennachmittage der Pfarrei in Neumarkt-St. Veit. Sie muss hingefahren werden, und zum Gehen braucht sie Gehhilfen. „Aber sonst bin I no ganz zufrieden“, meint sie bescheiden. Die geistig sehr rege Jubilarin verfolgt die Politik. „Zum Wählen muss man schon gehen“, sagt sie. Sie liest täglich die Zeitung und braucht nur zum Fernsehschauen eine Brille, betont sie stolz. Von der Welt hat sie viel gesehen, denn sie hat viele Reisen mit der Raiffeisenbank Neumarkt in Europa, nach Afrika und auch nach Moskau unternommen, wovon sie noch gerne und viel erzählen kann. „Des Geld für die Reisen hab i jedes Mal z´ammakratzn müassn.“
An den Blumen im Garten hat sie Freude und an den Vögeln, die im Winter ihre Futterplätze besuchen.
Maria Kerscher wirkt zufrieden mit ihren 90 Jahren. Sie liebt ihre Kinder, die zwei Enkel, vier Urenkel und hat ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn und Freunde. Und alle wünschen ihr, dass das noch lange so bleibt.nz