„Lebewesen sind kein Spielzeug“

von Redaktion

Waldkraiburger Tierschützer: Tiere unterm Weihnachtsbaum? – Welch tierisches Geschenk sich eignet

Waldkraiburg – Alle Jahre wieder, Kinder wünschen sich ein Haustier zu Weihnachten: ein süßes Kaninchen, ein niedliches Kätzchen, einen goldigen Welpen, einen bunten Vogel oder doch wenigstens einen winzigen Hamster. „Bitte Mama!“, „Papa, ich will aber!“, „Onkel Bernd, du weißt doch, ich möchte so gerne ein echtes Tierchen haben“: So liegen Kinder häufig der Familie vor den Festtagen in den Ohren – und das oft ziemlich ausdauernd.

Warum ein Haustier kein geeignetes Geschenk unter dem Weihnachtsbaum ist und was man stattdessen schenken kann, erläutern Manuela Gyimes, Vorsitzende vom Tierschutzverein Waldkraiburg und Umgebung und stellvertretende Leiterin des Tierheims Waldkraiburg, sowie Gaby Irber, Leiterin des Tierheims Waldkraiburg.

Unüberlegte Käufe
mit traurigen Folgen

Gyimes nennt das Beispiel eines Kaninchens: „Es wird immer wieder leider allzu häufig schnell und unüberlegt ein Tier angeschafft. Gerne möglichst unkompliziert, etwa in Zoohandlungen, von denen einige auch Zierfische und Kleintiere wie eben Kaninchen, Chinchillas oder Hamster verkaufen. Da fehlt dann bedauerlicherweise oft eine fundierte Beratung der Käufer über artgerechte Haltung und über die Bedürfnisse des jeweiligen gewünschten Tiers“.

Oftmals gehen Eltern kurz in einem Zoogeschäft vorbei und kaufen dort mal eben ein Kaninchen für ihr Kleinkind. Dann wird das Tier wenige Tage später in einem völlig ungeeigneten, viel zu engen Käfig ins Tierheim gebracht. Im Gespräch mit den Leuten stellt sich schließlich heraus, dass sie häufig keine Ahnung von artgerechter Haltung und den Bedürfnissen eines Kaninchens haben und dass sie dies – wie so oft, wenn Tiere im Tierheim landen – auch gar nicht wirklich interessiert“, ärgert sich die Tierschützerin.

Denn ein Tier sei kein Kinderspielzeug, es habe Bedürfnisse, so Gyimes. Ein Kaninchen sei auch kein Stofftier, das man loswerde, wenn man keine Lust mehr darauf habe. „Begründet wird die schnelle Abgabe des Tiers von den Eltern im Tierheim nämlich – wieder mal – mit Aussagen, wie das Kaninchen würde nachts zu unruhig sein, tagsüber nicht mit dem Töchterchen spielen und das Kind habe jetzt eh das Interesse verloren, es sei zu viel Arbeit. Immer wieder die gleichen oder ähnliche Sätze“, führt sie aus.

Gyimes betont: „Gerade kurz nach den Feiertagen kommen jedes Jahr viele unüberlegte Weihnachtsgeschenke und lebendige Überraschungen leider rasch in die Tierheime. Oder sie werden gar ausgesetzt.“ Deshalb appellieren die beiden Tierschützerinnen Irber und Gyimes dringend, keinesfalls ein Haustier überstürzt anzuschaffen – auch nicht zu Weihnachten oder zu Ostern oder weil die Kinder sich diesen Wunsch als fixe Idee in den Kopf gesetzt haben. „Das sind Lebewesen!“, mahnen die Leitung des Waldkraiburger Tierheims und die Vorstandsvorsitzende des Tierschutzvereins Waldkraiburg und Umgebung e.V. nachdrücklich. „Lebewesen sind keine Geschenke, sondern Familienmitglieder, für die man sich wohlüberlegt und bewusst entscheiden muss“, fügen sie hinzu.

Verantwortung für
ein ganzes Tierleben

Vor der Entscheidung für einen Welpen, einen Hamster oder eine Schildkröte müsse manches beachtet und abgewogen werden. Dazu eigne sich beispielsweise ein Familienrat, eine Pro- und Kontra-Liste sowie ganz besonders eine Beratung beim Tierschutz oder im Tierheim, tragen Gyimes und Irber alle wichtigen Punkte zusammen. „Es gilt auch herauszufinden, welches Haustier man wirklich artgerecht halten kann und welche Bedürfnisse verschiedene Arten haben, bevor man ein neues Familienmitglied aufnimmt. Denn ein Haustier lebt etliche Jahre. Manche Tiere wie etwa Kätzchen, Meerschweinchen oder Wüstenrennmäuse brauchen auch mindestens einen Artgenossen. Bei verschiedengeschlechtlichen Nagern muss rechtzeitig an die Kastration gedacht werden und bei Katzen sowieso generell. Für beispielsweise artgerechte Gehege für Hasen oder einen stattlichen Hund braucht man auch wirklich Platz und am besten einen großen Garten. Es muss vieles im Vorfeld erörtert werden“, so Gyimes.

Appell: Auch die
Finanzen beachten

Irber ergänzt: „Auch an das Finanzielle muss unbedingt gedacht werden – vorher. Ein tierisches Familienmitglied verursacht über einige Jahre Kosten – für Ausstattung, für Futter, für Tierarzt, für Hunde muss man Hundesteuer bezahlen und et cetera.“

„Tierhaltung bedeutet Übernahme von Verantwortung. Einerseits finanziell. Andererseits hat das neue Familienmitglied sein ganzes Leben lang Bedürfnisse – und nicht nur, bis man das Interesse daran verloren hat, bis Arbeiten wie das Ausmisten des Geheges lästig werden, bis sich die Lebensumstände der Halter geändert haben oder bis das Tier alt wird und vielleicht vermehrt den Tierarzt benötigt. Ein Hund muss zum Beispiel mehrmals täglich ausgeführt werden und man kann ihn nicht ganztags alleine lassen – und das sein ganzes Leben lang“, resümieren die beiden Tierschützerinnen.

Sinnvolle Alternativen
und der richtige Weg

Als geeignetes Geschenk zu Weihnachten empfehlen Gyimes und Irber Bücher, die sich mit der Haltung des gewünschten Tieres befassen und die man im Familienrat gemeinsam lesen und diskutieren könne. Generell werde bei der Vermittlung von Haustieren im Tierheim Waldkraiburg ganzjährig möglichst sichergestellt, dass die Aufnahme neuer tierischer Familienmitglieder überlegt und verantwortungsvoll vonstattengeht, so Irber und Gyimes. Deshalb werden mit den Interessenten diesbezüglich Gespräche geführt und vorab ein Besuch im potenziellen neuen Heim gemacht, so die beiden Tierschützerinnen. „Denn jedes Tier verdient ein liebevolles Für-immer-Zuhause“, betonen Gyimes und Irber abschließend.

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