Waldkraiburg – Wer kennt ihn nicht, den Münchner Stadtpfarrer aus Laim? Er spricht immer Klartext, will festgefahrene Strukturen auflockern nach dem Grundsatz „Auftreten statt austreten“ und scheut sich nicht, Motorradfahrer genauso zu segnen wie Geschiedene und Homosexuelle. So offen sei auch sein Herangehen an den Advent, wie er in seiner Einführung schilderte. Der sei inzwischen ein Klischee: „Wir sollten unsere Nerven brauchen für die Probleme, die wir weltweit wirklich haben.“
Mit den Geschwistern Traudi, Hermann und Irmi Siferlinger und Matthias Pürner mit seiner Ziach hatte er sich exzellente Musikanten an die Seite geholt, um dem Publikum in Waldkraiburgs Haus der Kultur Thomas „Heilige Nacht“ zu bieten. Sie war auf der Tuften über dem Tegernsee entstanden, eine schlichte Erzählung, wie sie damals in den Bauernstuben zu hören war.
Atemlose Stille im Saal, als Schießler gestikulierend in überzeugendem Bairisch, für das er schon vor Jahren mit der „Bayerischen Sprachwurzel“ ausgezeichnet wurde, und seinen bemerkenswerten schauspielerischen Fähigkeiten seinen Vortrag begann.
Sicher ist es auch Ludwig Thomas Verdienst, dass er immer wieder Musik- und Gesangsstücke in seine „Heilige Nacht“ einfügte, so mit den Siferlinger-Geschwistern bei „Im Wald is so stad, alle Weg san vawaht“. „Jetzt Leitl, jetzt loosts amoi zua. Mei Gsangl is wohl a weng alt, s‘ is aber dennerscht schö gnua, i moan, dass eich alle zsamm gfallt“, führte Schießler in die Geschichte ein.
Und er begann von der tapferen hochschwangeren Maria zu erzählen, die miterleben muss, wie sie und Josef beim Rössl-Wirt und sogar beim Verwandten Josias abgewiesen werden, wohltuend untermalt vom Siferlinger-Gesang und der schnurrenden Ziach Pürners mit der Melodie „Da draußt geht der Wind, geh seids do guat gsinnt.
Wer klopft bei der Nacht? Da werd net aufgmacht!“ Nur ein Handwerksbursch gibt den Herbergsuchenden Rat: „A Äpfischnaps richtat oan zsamm“, und schon hatte Schießler eine Flasche davon auf dem Tisch stehen. Nach dem Musikstück von den reichen Leuten, die doch alle aus der Welt scheiden müssen, folgte ein kleiner Seitenhieb des Pfarrers auf das weibliche Publikum: „D‘ Maria hat nia greint, da kunt’n de Weiba a Beispiel dro haben, wia’s mir scheint!“ Die Geburt des Jesuskindes deutete sich an durch das Lied „Es mag net finster werdn, es bleibt so hell, es ruckn Mond und Stern net von der Stell!“
Doch nach letzten Schwierigkeiten – ‚Und ko ma koa Bettstatt, und ko ma koa Wiagn für‘s Christkindl kriagn‘ – verkündet Pfarrer Schießler endlich die Frohbotschaft: „Vor eahna da liegt jetz as Kindl – da Heiland der Welt!“
Nicht enden wollte der Applaus nach diesem humorvollen und zugleich berührenden Vortrag der Siferliger Musikanten mit Matthias Pürner und des auch schreibenden Münchner Stadtpfarrers.
Seine Bücher, wie das bekannte „Himmel, Herrgot, Sakrament“ oder sein letztes mit dem Titel „Liebe – notwendiger denn je“ wurde sicher von so manchem Besucher mit nach Hause genommen. Erika Fischer