Gute Nachrichten für Ampfing

von Redaktion

Andere Firmen schrumpfen und entlassen: In Ampfing wollen zwei Unternehmen wachsen und bauen

Ampfing – Während andernorts Unternehmen über Stellenabbau nachdenken oder diesen sogar schon ankündigen, ist die Welt in Ampfing noch in Ordnung. Hier wollen Unternehmen sogar kräftig investieren, um sich zu vergrößern. So zum Beispiel der Spezialtürenhersteller Schörghuber und der Waldkraiburger Sondermaschinenbauer Atoma-Multipond. Sie waren daher Thema in der November-Sitzung des Gemeinderates. Schörghuber wolle zwei Grundstücke kaufen, „damit sie weiter wachsen können“, erklärte Bürgermeister Josef Grundner (CSU). Konkret ging es um gut zwei Hektar in Richtung der bestehenden Wohnhäuser. Zwei Grundstücksstreifen, die bislang zu einem freien Feld zwischen Schörghuber und Wohnhäusern gehören. 

Flächennutzungsplan
muss geändert werden

Damit das Unternehmen diese Flächen aber zum Beispiel für eine Lagerhalle nutzen kann, müssen die Gemeinderäte den Flächennutzungsplan ändern. Dort ist der Bereich als landwirtschaftliche Fläche ausgewiesen, künftig müsste sie ein eingeschränktes Gewerbegebiet mit Arbeitszeiten von 6 bis 22 Uhr sein. 

„Unser Vorhaben ist eher vorsorglicher Natur und mit einer mittelfristigen Perspektive versehen“, teilt Schörghuber-Chef Jürgen Ruppel den OVB-Heimatzeitungen zu seinen Kaufabsichten mit. Aus den Worten von Bürgermeister Grundner wurde in der Gemeinderatssitzung deutlich, dass Schörghuber wohl schon länger erweitern will: „Die Grundstücke sollen den Standort sichern. Da sollten wir mithelfen. Die Chance ist jetzt da.“ 

Damit war Grundner nicht alleine. Auch Stefan Gillhuber (CSU) und Thomas Naglmeier (UWG) waren froh über die Pläne des Unternehmens. Naglmeier gab aber zu bedenken, dass dadurch die restliche Fläche des Feldes für die Besitzer „wertlos“ würde. Für Landwirtschaft seien sie nicht mehr ausreichend und eine weitere Ausweitung des Gewerbegebiets sei wegen der nahen Wohnhäuser nicht mehr möglich. 

Letztlich entschieden sich die Gemeinderäte im Sinne des Unternehmens. Mit einer Gegenstimme votierten sie für die Änderung des Flächennutzungsplanes, einstimmig billigten sie anschließend den Entwurf für den Bebauungsplan.

Atoma-Multipond plant Neubau auf sieben Hektar

Danach ging es um eine ungleich gewichtigere Investition: den Neubau des Waldkraiburger Unternehmens Atoma-Multipond bei Reit.

Atoma-Multipond möchte rund 80 Jahre nach seiner Gründung Waldkraiburg verlassen und auf rund sieben Hektar in zwei Bauabschnitten komplett neu bauen. In direkter Nachbarschaft zum bestehenden Gewerbegebiet „Holzheim“ soll ein neues Werk mit rund 380 Mitarbeitern entstehen. Das entsprechende Bauleitverfahren läuft seit September 2023. Jetzt hatten sie über den Entwurf des Bebauungsplans zu befinden. „Durch den Neubau und die Zusammenlegung unserer bisherigen Standorte zu einem Standort in Ampfing richten wir unsere Unternehmensgruppe für die Zukunft aus“, schreibt Christian Hargasser, Leiter des Qualitätsmanagements bei Atoma-Multipond, auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. „Damit setzen wir die bewährte Strategie der Eigentümerfamilie fort, die schon vor Jahrzehnten mit der Investition in den Standort Traunreuter Straße (in Waldkraiburg, Anmerkung der Redaktion) Weitsicht bewiesen hat. Eine Entscheidung, von der wir bis heute profitieren.“

Laut Beschlussvorlage stellt der Bebauungsplan sicher, „dass sich die geplante Gewerbegebietsfläche mit der Bebauung in das vorhandene Landschaftsbild und die Topografie einfügt.“ 

Bau erfolgt in
zwei Bauabschnitten

Im ersten Schritt entstehen auf rund 5,4 Hektar der westliche Gebäudekomplex, eine private Erschließungsstraße sowie Parkplätze für 339 Autos und die Außenanlagen. In einem zweiten Schritt sollen die Anlagen auf rund 1,7 Hektar in Richtung Osten erweitert werden. Die Stromversorgung erfolgt größtenteils über integrierte PV-Dach-Anlagen, die Heizung und Klimatisierung über Wärmepumpen und die thermische Nutzung des Grundwassers oder durch einen Anschluss an die Geothermie, führt die Beschlussvorlage aus. Die Dächer des Lagers und der Produktionshallen sollen zusätzlich begrünt werden.  

Das Unternehmen rechne durch die Mitarbeiter mit rund 200 an- und abfahrenden Autos, fünf bis zehn Besuchern pro Tag und einem Warenverkehr von rund 40 Fahrzeugen pro Woche. Am Verwaltungsgebäude werden täglich fünf bis zehn Besucher erwartet.

Die Anwohner würden durch einen Wall vor dem Verkehrslärm geschützt, erfuhr Rainer Stöger (Grüne). Gillhuber verwies auf die Gleitzeit, diese entspanne den Verkehr und damit den Lärm; allerdings würde er dem Unternehmen raten, eine zweite Zufahrt zu dem Grundstück vorzusehen. Laut Beschlussvorlage soll auch die ÖPNV-Haltestelle Reit, die bereits über eine Fußgängerampel verfügt, durch einen Umbau weiter verbessert werden.

Baubeginn hängt
von den Verfahren ab

Zum Zeitplan des Neubaus schreibt Atoma-Manager Hargasser: „Der Baubeginn ist abhängig von laufenden Genehmigungs- und Planungsverfahren, weswegen wir hier noch keine genauere Aussage treffen können. Mit dem Neubau in Ampfing-Reit tätigen wir die größte Investition in der 80-jährigen Geschichte unseres Unternehmens. Damit schaffen wir die Grundlage für moderne Arbeitsplätze und eine nachhaltige Zukunft.“

Dem standen die Gemeinderäte nicht im Weg. Einstimmig beschlossen sie, den vorhabenbezogenen Bebauungsplan „Gewerbegebiet Reit – Atoma-Multipond“ aufzustellen. Die Verwaltung solle jetzt mit der ersten Stufe der Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung beginnen.

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