Schönberg – Energiespeicherung mittels Druckluft: Schönberg will als erste Kommune die Vision Wirklichkeit werden lassen. Der Gemeinderat Schönberg hat für das Pilotprojekt nach dem System des Erfinders Georg Tränkl gestimmt. Doch nicht alle Gemeinderäte stehen hinter dem Projekt.
Dass sich die Gemeinde überhaupt Gedanken über mögliche Alternativen von Energiespeichern macht, ist der Tatsache geschuldet, dass es bald eng werden könnte im Fernwärmenetz. Den Hintergrund bilden neue Richtlinien zum Betrieb von Biogasanlagen, aufgrund derer die Abwärme der Biogasanlage Senftl ab dem 1. Januar 2031 wohl nicht mehr zur Verfügung stehen wird, wie dazu in der jüngsten Gemeinderatssitzung erklärt wurde (wir berichteten).
Selbst bei einem Weiterbetrieb wären nur noch 3.000 bis 4.000 von 8.550 Jahresstunden möglich. Deshalb sucht die Kommune nach Alternativen – und setzt nun auf ein bislang einzigartiges Pilotprojekt: einen reversiblen Druckluftspeicher nach dem System des Erfinders Georg Tränkl.
Hackschnitzel
für den Winter
Eine Hackschnitzelheizung könnte die Winterversorgung gewährleisten, wäre im Sommer aber unwirtschaftlich. Ergänzende Lösungen sind nötig. Der Druckluftspeicher könnte hier helfen. Für „Überschussstrom“ von geplanten Erzeugungsanlagen bietet sich zur Speicherung eine Kombination aus Batterie (kurzfristig) und Druckluftspeicher (mittelfristig) an. Die Abwärme eines Druckluftspeichers könnte außerdem einen Mehrwert, sowohl für den Betreiber der Stromerzeugungsanlage, als auch für das Fernwärmenetz bringen.
Bei einem Treffen mit Fachleuten und dem Maschinenbauer MBM zeigte sich, dass Schönberg als Projektträger besonders geeignet wäre. Auch die Hochschule München ist interessiert: Professor Dr. Georg Kerber und Professorin Monika Mühlbacher wollen das Projekt wissenschaftlich begleiten und betonen den Bedarf an Realbedingungen.
Kombination aus Batterie
und Druckluftspeicher
Kerber sieht im Sommerbetrieb Potenzial für Solarthermie und für die Nutzung von günstigen Stromüberschüssen, etwa bei negativen Strompreisen. Dafür empfiehlt er eine Kombination aus Batterie und Druckluftspeicher. Während Batterien kurzfristige Lasten abfangen könnten, böte der Druckluftspeicher eine mittelfristige Lösung und liefere zusätzlich Abwärme für das Fernwärmenetz.
Gleichzeitig weist er darauf hin, dass sich das System noch im frühen Entwicklungsstadium befindet. Betriebseigenschaften und Kosten seien nicht exakt abzuschätzen; Chancen und Risiken seien sorgfältig abzuwägen.
Tränkl schon öfter
zu Gast in Schönberg
Erfinder Georg Tränkl war schon des Öfteren zu Gast in Schönberg, hat den Gemeinderäten sein System vorgestellt. Er erläuterte, dass der große Unterschied zu vorhandenen Systemen darin besteht, dass bei der Entspannung der Luft keine fossile Energie benötigt wird, um das Einfrieren der Anlage zu verhindern. Das Patent besteht seit einigen Jahren, wurde aber aufgrund unterschiedlicher Interessen nicht weiterverfolgt.
Der Zeitplan sieht vor, 2026 einen Antrag beim bayerischen Wirtschaftsministerium zu stellen. Ende 2026 wird mit einer Entscheidung gerechnet. 2027 soll ein Prototyp auf Tränkls Gelände entstehen, 2028/29 die Pilotanlage in Schönberg installiert werden. Auch der Bezug von günstigem Überschussstrom wurde diskutiert. Laut Gemeinderat Josef Mayrhofer laufen bei vielen PV-Anlagen die EEG-Vergütungen aus, sodass Strom künftig zu nur rund 2,8 Cent/kWh verkauft werden kann – ein möglicher Vorteil für das Speicherprojekt.
Zweifel im Gemeinderat:
Zu viele Unbekannte
Der Gemeinderat erkennt im reversiblen Druckluftspeicher grundsätzlich eine Chance. Dennoch gibt es Vorbehalte: Andreas Eichinger hält das Projekt für interessant, sieht aber zu viele Unbekannte und zweifelt, ob die Gemeinde selbst Betreiber sein sollte. Es wurde zudem gefragt, ob Tränkl die Kraft für Errichtung und Betrieb eines Prototyps aufbringen könne.
Josef Leitl bezweifelt, dass die Anlage die grundlegenden Probleme löse. Bürgermeister Alfred Lantenhammer (CSU) betont dagegen, dass der Druckluftspeicher vor allem im Sommer die Heizlast tragen soll. Die Frage der Wirtschaftlichkeit müsse eine Machbarkeitsstudie klären, sagt Gemeinderat Reinhard Weindl.
Das Votum fiel
dann eindeutig aus
Der Beschluss – zehnmal ja und dreimal nein – sieht vor, dass die Gemeinde Schönberg beim bayerischen Wirtschaftsministerium ein Pilotprojekt für den reversiblen Druckluftspeicher-System Georg Tränkl beantragt. Dieses Pilotprojekt soll der Hochschule München als Forschungsprojekt zur Verfügung gestellt werden. Im Vorfeld ist eine Machbarkeitsstudie durchzuführen, die insbesondere die Schönberger Verhältnisse rund um die Fernwärme berücksichtigen soll.