Waldkraiburg – Die Kinderkrippe Heilige Magdalena, eine der jüngsten Betreuungseinrichtungen in Waldkraiburg, steht vor finanziellen Schwierigkeiten und ist auf Unterstützung angewiesen. Deshalb soll die Stadt auf eine Rückforderung in Höhe von rund 41.000 Euro verzichten. Die Hintergründe waren Thema im Haupt- und Finanzausschuss.
„Die Krippe schafft es nicht, sich selber am Laufen zu halten“, erklärte Stefan Süße, Abteilungsleiter Generationen und Kultur, im Ausschuss. Als kleine, eigenständige Krippe könne sie nicht so wirtschaftlich arbeiten wie andere Einrichtungen, die an einen Kindergarten angeschlossen sind. Ein interner Ausgleich sei daher nicht möglich. Hinzu komme die geringere Auslastung: Während die beantragte Fördersumme von durchschnittlich 34 Kindern pro Monat ausgehe, lag die tatsächliche Belegung im Schnitt bei nur 26,4 Kindern. Gründe dafür seien Kündigungen, verspätete Neubelegungen, krankheitsbedingte Ausfälle sowie eine unbesetzte Fachkraftstelle.
Die niedrigeren Belegungszahlen wirken sich auch auf Bundesmittel aus. Laut Sitzungsvorlage ist mit einer Rückforderung im mittleren vierstelligen Bereich zu rechnen. „Es gibt zwar interne Verschiebungen, aber der Träger schafft es insgesamt nicht“, fasste Süße die Situation zusammen. Alle Möglichkeiten seien ausgeschöpft, weshalb die Stadt auf die Rückforderung verzichten soll.
Personalkosten fallen
höher ins Gewicht
Als ehemalige Kindergartenleiterin kennt Charlotte Konrad (CSU) die Problematik aus der Praxis. „Bei Krippen sind die Förderungen nicht höher angesetzt, die Belegungszahlen sind aber geringer.“ Damit fallen die Personalkosten deutlicher ins Gewicht. Ein Anschluss an einen Kindergarten könne dies teilweise auffangen. Auch Karin Bressel (UWG) sprach von einem „Minusgeschäft“ bei Kinderkrippen und hielt es langfristig für sinnvoll, Einrichtungen zusammenzulegen.
Die Krippe Heilige Magdalena ist zwar nicht an einen Kindergarten angeschlossen, ist aber Teil eines größeren Kita-Verbunds. Über einen möglichen „internen Ausgleich“, wie ihn Norbert Fischer (CSU) ansprach, muss laut Süße mit dem Träger gesprochen werden.
Die Einrichtung schöpft alle Fördermöglichkeiten ab, trotzdem blieb 2024 ein durchschnittlicher monatlicher Fehlbetrag von rund 5.500 Euro. Der Verzicht auf die Rückforderung könne die Liquidität der Einrichtung „kurzfristig stabilisieren“. Für Norbert Fischer (CSU) ein „dehnbarer Begriff“.
Eine konkrete Antwort darauf hatte Stefan Süße nicht. „Im schlimmsten Fall ist ein Antrag nächstes Jahr wieder Thema. Wir müssen aber schauen, dass das kein Dauerzustand wird.“ Ein Ziel, das nach Aussage von Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG) auch der Träger selbst verfolgt.
Nachfrage bei der
Kinderkrippe geht zurück
Bei den Belegungszahlen hakte Ulli Maier (UWG) nach. „Die Krippen sind nicht vollständig ausgelastet, die Nachfrage geht zurück“, erklärt Süße. Diese Entwicklung sei überraschend gekommen. Bei den Kindergärten zeigt sich ein anderes Bild: „Die Einrichtungen sind sehr gut ausgelastet.“ Viele Alternativen gibt es nicht. „Was passiert, wenn man nichts unternimmt?“, wollte Richard Fischer (SPD) wissen. Eine mögliche Schließung könnte dann laut Süße im Raum stehen. Eine Option, die für Pötzsch aber nicht zur Diskussion steht. „Darüber reden wir nicht. Es ist eine Herausforderung, mit den Zahlen und ihrer Entwicklung.“ Der Ausschuss stimmte dem Verzicht auf eine Rückforderung in Höhe von rund 41.000 Euro zu. Dabei handelt es sich um einen einmaligen, freiwilligen Zuschuss zur Liquiditätsstabilisierung. Raphaela Lohmann