Waldkraiburg – Im Bundeshaushalt für 2026 sei wieder kein Fördertopf für Tierheime vorgesehen, obwohl die Bundesregierung diesen in ihrem Koalitionsvertrag zugesichert habe, so der Deutsche Tierschutzbund. Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, zeigt sich enttäuscht: „Der Bund lässt die Tierheime im Stich, die Tag für Tag gesamtgesellschaftliche Aufgaben übernehmen und das Staatsziel Tierschutz mit Leben füllen. Angesichts steigender Kosten, wachsender Tierzahlen und zunehmender Not ist das ein fatales Signal.“
Einen Einblick in diese Herausforderungen, die auch das Tierheim Waldkraiburg zu bewältigen hat und die allesamt sehr kostspielig sind, geben Gaby Irber, Leiterin des Tierheims Waldkraiburg, und Manuela Gyimes, Vorsitzende des Tierschutzvereins Waldkraiburg und Umgebung sowie stellvertretende Leiterin des Waldkraiburger Tierheims.
Der lange Weg
zum neuen Tierheim
Das Tierheim musste vor Kurzem neu gebaut werden und liegt nun im Innthal 1. Die Gebäude in Pürten 45a waren zu alt, zu klein für die stark zunehmende Anzahl an Tieren, richtig marode; das Haus für die Mitarbeiter war mittlerweile sogar einsturzgefährdet. „Also machte wirklich nur noch ein Neubau Sinn“, erklären die beiden Frauen.
Vor etwa zehn Jahren wurde mit der Suche nach einem geeigneten Grundstück begonnen. „Das zog sich hin“, berichtet Gyimes. Sie fährt fort: „Es sollte in der Nähe sein, ein Tierheim auf dem neuen Anwesen musste erst behördlich genehmigt werden und auch für die unmittelbare Umgebung in Ordnung sein. Die Bezahlbarkeit dieses Großprojekts war ein sehr entscheidender Faktor, ebenso wie bürokratische Themen.“
Irber erzählt: „Im Jahr 2021 kam es dann endlich zum Spatenstich für den Neubau, und die Sponsorensuche nahm Fahrt auf. Sowohl Firmen als auch Privatpersonen unterstützten finanziell. Auch der Dachverband des Deutschen Tierschutzbundes förderte das Bauvorhaben.“
Die Zusammenarbeit mit der Stadt Waldkraiburg sei sehr gut gewesen, betonen die Tierschützer. Trotz allem seien die finanziellen Mittel für das große Bauprojekt sehr begrenzt gewesen, und man habe den Neubau nur Stück für Stück vorantreiben können.
Gyimes erläutert: „Immer wenn wieder etwas Geld eingetroffen ist, konnte ein weiterer Schritt unseres Projekts realisiert werden. Das ging so über mehrere Jahre.“ Zwar könnten Tierheime in Bayern Förderungen beantragen, sagt sie, diese seien aber bei Weitem nicht kostendeckend, und man müsse die Gelder vorstrecken. Das sei ein riesiges Problem. Weiterhin würden hohe Auflagen an die Tierheime vieles erschweren und teurer machen. Als Beispiele nennt sie vorgeschriebene hohe Anforderungen an die Tierheim-Ausstattung und an die Station für kranke Tiere.
„Deshalb wäre es sehr wichtig, bürokratische Hürden bei der Beantragung von Fördermitteln, etwa für notwendige Sanierungs- oder Bauvorhaben und Kastrationsaktionen für herrenlose Katzen, abzubauen und diese nicht erst vorstrecken zu müssen. Das ist nämlich finanziell überhaupt nicht machbar für ein Tierheim“, zeigen Irber und Gyimes auf.
Einzug geschafft, doch
die Arbeit geht weiter
Erfreulich sei, dass das Tierheim nun im August 2025 in den Neubau habe umziehen können, schildern beide. Zwar müsse im Außenbereich noch etliches gemacht werden, aber es sei jetzt vieles geschafft: „Das neue Tierheim-Gebäude in U-Form beherbergt auf der einen Seite einen Hundetrakt, in der Mitte befinden sich die Quarantänestation und das Büro. Auf der anderen Seite sind Katzen und Kleintiere wie Kaninchen oder Meerschweinchen untergebracht. Draußen haben wir zwar die Außenbereiche für Hunde, Katzen und Kleintiere fertig, aber die Außengehege benötigen noch Ausstattung, wie etwa Klettermöglichkeiten für die Samtpfoten“, so die Tierschützerinnen.
Des Weiteren sei noch eine Erlebniswiese für Hunde geplant, und man brauche noch ein Tierpflegerhaus, eine Garage und einen Carport, zählen Irber und Gyimes auf. „Wie bisher beim Neubau können noch fehlende Dinge draußen aber erst realisiert werden, sobald wieder finanzielle Mittel dafür eingegangen sind“, führen die Frauen aus.
„Die allgemeinen Hauptkostenfaktoren für den Tierheimbetrieb sind Personal, Energie, Ausstattung und natürlich Futter und Tierarztkosten. Dazu kommt im Alltag noch einiges Weiteres an nötigen Ausgaben“, legt Gyimes dar. Angesichts stetig steigender Anzahlen von Tieren, die aufgenommen und versorgt werden müssten, kämen Tierheime bundesweit an ihre Kapazitätsgrenzen. Auch finanziell werde es so leider immer enger, ergänzt sie.
Von der Bundesregierung wünschen sich die beiden Tierschützer deshalb, dass „eine bundesweite Kastrations- und Chippflicht für Katzen eingeführt wird, die dann natürlich auch registriert werden müssen. Außerdem macht es keinen Sinn, manche Hunderassen zu Listenhunden zu erklären.
Viel besser wäre ein verpflichtender Hundeführerschein für künftige Halter von Vierbeinern aller Rassen.“ So werde vermeidbares Katzenelend verhindert, die alljährliche Kittenflut würde eingedämmt werden, und man könnte erreichen, dass es deutlich weniger überforderte Hundehalter gebe, sind die Tierschützerinnen überzeugt.
Übernahme von
Verantwortung
„Der illegale Welpenhandel mit meist viel zu jungen, kranken Tieren aus dem Ausland muss viel härter bestraft werden.“
Gyimes stellt klar: „Auslandstierschutz ist aber eine gute Sache.“ Der Verkauf von Tieren auf Internet-Plattformen gehöre auch verboten, vervollständigt Irber.
An Privatpersonen appellieren Gyimes und Irber, dass sie sich darüber wirklich bewusst sein müssten, dass die Aufnahme eines tierischen Familienmitglieds die Übernahme von Verantwortung für das Haustier bedeute, solange dieses lebe. „Das Tier hat täglich Bedürfnisse und verursacht sein Leben lang Kosten“, mahnen die Leitung des Waldkraiburger Tierheims und die Vorstandsvorsitzende des regionalen Tierschutzvereins eindringlich.
„Darüber müssen sich potenzielle Tierhalter unbedingt vorab im Klaren sein und sich auch vorher gut über die artgerechte Haltung des gewünschten Haustiers informieren“, zeigen die Frauen auf. „Werden Tiere überstürzt angeschafft, landen sie nämlich meist schnell in den Tierheimen“, fügt Irber hinzu.
Fazit: Nur Bündel an
Maßnahmen kann helfen
Als Fazit lässt sich nach Erfahrungen der Frauen resümieren: Das Drehen an bestimmten Stellschrauben könne die äußerst angespannte finanzielle Situation der Tierheime entlasten. So müsse der versprochene Geldtopf für die Tierheime von der Bundesregierung endlich auf den Weg gebracht werden.
Man komme auch nicht umhin, das Beantragen von Fördergeldern für bestimmte Vorhaben wie notwendige Sanierungen beim Freistaat Bayern möglichst bald zu vereinfachen. Das verpflichtende Vorstrecken der benötigten Mittel durch die Tierheime sei in der Realität nicht machbar. Deshalb bleibe nur die Möglichkeit, diese Pflicht aufzuheben.
Wenn die Tierflut in die Heime eingedämmt werden könne, müsse man nicht mehr vielerorts häufige Aufnahmestopps wegen Überfüllung verhängen und die finanzielle Situation würde sich damit auch entspannen.
Dafür sei der Gesetzgeber gefragt, der unter anderem eine bundesweite Kastrations- und Chippflicht für Katzen einführen und den illegalen Welpenhandel verbieten und hart bestrafen solle.