Weihnachtsausflug der Heiligen

von Redaktion

Stephani-Umritt am 26. Dezember hat in Erharting eine 435-jährige Tradition

Erharting – Der Verein für Brauchtumspflege Erharting lädt gemeinsam mit den Ortsvereinen zum größten Stephani-Umritt Bayerns mit lebenden Darstellungen aus Heiligenlegenden ein. Der Festzug beginnt am Freitag, 26. Dezember, um 14 Uhr; als Ausweichtermin ist Sonntag, 28. Dezember, ebenfalls um 14 Uhr vorgesehen.

Beim Umritt, der sich laut Verein über eine Länge von fast einem Kilometer erstreckt, werden auf annähernd 20 Motivwagen von insgesamt rund 70 Frauen, Männern und Kindern Szenen aus dem Leben und Wirken in der Region besonders verehrter Heiliger gezeigt. Symbolisch gesehen verlassen die „Heiligkeiten“ ihre angestammten Plätze in den Kirchen und Kapellen, um sich „volksnah“ unter das Kirchenvolk zu mischen. An der Spitze des großen Nachmittagsausflugs der Fürsprecher bei Gott reitet traditionsgemäß der Erzmärtyrer und älteste Rosspatron St. Stephanus, der – umringt von seinen Peinigern – dem Martyrium der Steinigung entgegensieht.

Petrus und Paulus
im Mittelpunkt

Im Mittelpunkt des sogenannten „Umritt Mod’l“ stehen die Apostelfürsten Petrus und Paulus, die mit ihrem Boot an den Gestaden des Sees Genezareth anlegen. Auf einem weiteren Wagen nimmt Johannes der Täufer einen Täufling in die christliche Glaubensgemeinschaft auf. Ein Motivwagen zeigt die heilige Katharina, eines der „Drei heiligen Mad’l“, die ihrer Hinrichtung durch das Schwert entgegensieht. Von einem folgenden Wagen blickt der heilige Leonhard wohlwollend auf das ihm anvertraute Vieh herab, während der heilige Korbinian auf dem nächsten Motivwagen, begleitet von dem von ihm gezähmten Bären, das heidnische Volk missioniert. Höchste Alarmstufe herrscht auf dem Festwagen des Patrons gegen Feuersgefahren, St. Florian, der mit Löscharbeiten an einem brennenden Haus beschäftigt ist. In der nächsten Abteilung haucht der Pestpatron St. Sebastian, durchbohrt von den todbringenden Pfeilen römischer Bogenschützen, sein irdisches Leben aus. Ergänzt wird das religiöse Schauspiel durch die heilige Cäcilia, Patronin der Kirchenmusiker, die versucht, ihrer Lyra ein paar Töne zu entlocken, sowie durch die heilige Elisabeth, die im Rosenwunder ihre bedürftigen Untertanen versorgt.

Eine besondere Rolle spielt der von den Erhartinger Kindern im Rahmen eines Ferienprogramms gestaltete Festwagen mit der Geburt Christi im Stall von Bethlehem. Das Weihnachtsgeschehen wird durch die Heiligen Drei Könige hoch zu Ross abgerundet. Zwischen den einzelnen Motivwagen bilden Reitergruppen aus dem gesamten südostbayerischen und niederbayerischen Raum das optische Rückgrat der berittenen Prozession zu Ehren des Rossheiligen St. Stephanus. Einen besonderen Platz nehmen die Esel als demütige Reittiere Jesu ein. Die Familie Sparber aus dem oberösterreichischen Webersdorf bereichert den Umritt mit ihrem weithin bekannten Esels-Sechsergespann, und auch die Gruppe um Brigitte Schwarzbauer aus Niederbayern ist mit ihren geduldigen Lastenträgern vertreten.

Pfarrer Wandachowicz
gibt sich ganz volksnah

Den krönenden Abschluss des Erhartinger Festtages für Ross und Reiter bildet die feierliche Benediktion durch Pfarrer Piotr Wandachowicz. Wie der Verein mitteilt, spendet der Geistliche den Segen nicht nur aus sicherer Entfernung, sondern geht „ganz volksnah im Sinne der Rosserer“ persönlich auf die Pferde zu und hat neben dem kirchlichen Segen auch „die eine oder andere Streicheleinheit, vor allem für die Ponys“ übrig, was der kirchlichen Handlung eine sehr persönliche Note verleiht.

Als Geschenk erhalten die Reiter ein Wachsbildnis zur Erinnerung, die Pferde ein Säckchen mit geweihtem Stephanihafer als Futterbeigabe.

Sollte das Wetter am Stephanitag „total umrittuntauglich“ sein, findet der Stephani-Umritt am Ersatztermin, Sonntag, 28. Dezember, um 14 Uhr statt.

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