Waldkraiburg – Gebohrt, gehämmert, geputzt: Nur durch ehrenamtlichen Einsatz, viel Engagement und dank zahlreicher Sponsoren konnte das Waldkraiburger Waldbad in diesem Sommer nach zwei Jahren Pause überhaupt wieder öffnen. Doch zum Jahresende steht die entscheidende Frage im Raum: Wie sieht die Zukunft über 2025 hinaus aus? Mit der Frage hat sich der Stadtrat in einer nichtöffentlichen Sitzung beschäftigt, zu den Ergebnissen daraus informierte Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG) nun in öffentlicher Sitzung.
Defizit ist höher
als angenommen
Was in diesem Sommer gelungen ist, war dem außergewöhnlichen Einsatz vieler Ehrenamtlicher rund um den Förderverein Waldbad zu verdanken. Nicht nur mit viel Tatkraft haben sie das Freibad auf Vordermann gebracht, sie haben es dank zahlreicher Sponsoren sogar geschafft, die finanziellen Mittel dafür zu beschaffen. Auch während des Betriebs haben sich die Ehrenamtlichen eingebracht und packten zuletzt bei der Einwinterung des Bades mit an, wie Pötzsch hervorhob.
„Der Betrieb war schlechter als gedacht“, erklärte Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG). Dafür gab es unterschiedliche Gründe: Mit rund 30.000 Besuchern lagen die Zahlen unter den Prognosen, sicherlich auch dem durchwachsenen Sommer geschuldet, gleichzeitig fielen höhere Kosten an als kalkuliert.
„Das Defizit für 2025 fällt damit höher aus, als es im Konzept angenommen worden ist. Das Defizit tut weh“, sagte Pötzsch. An einer Öffnung des Waldbads in der kommenden Saison zweifelte er jedoch nicht.
Jetzt gibt es aber eine Herausforderung, die allein mit Ehrenamt nicht zu stemmen ist: Die Standsicherheit des Kabinentrakts ist nicht mehr gegeben. Nachdem bereits das markante Dach über dem Eingangsbereich einsturzgefährdet war und während des Betriebs provisorisch abgesichert wurde, ist es mittlerweile abgerissen. „Ein Statiker hat bestätigt, dass das Gebäude nicht mehr standsicher ist“, erklärte Pötzsch.
Eine Sanierung wäre mit erheblichem Aufwand verbunden und wirtschaftlich nicht sinnvoll. Weder die Kabinen noch die Sanitäranlagen oder der Kiosk können daher weiter genutzt werden, Lösungen wie Container oder Umkleidehütten werden daher geprüft. „Das kriegen wir hin“, zeigte sich der Bürgermeister auf Nachfrage zuversichtlich, räumte jedoch ein, dass dies die Attraktivität des Bades beeinflusse.
Für den Erhalt des Waldbads spielen Fördermittel eine zentrale Rolle. Wie wichtig solche Zuschüsse sind, zeigt ein aktuelles Beispiel: Über die Fraktionsreserve von CSU und Freie Wähler im Landtag erhält Waldkraiburg eine Förderung in Höhe von 200.000 Euro. Damit erneuern die Stadtwerke die Verrohrung im Gebäude der Badewassertechnik, der Eigenanteil liegt bei 20.000 Euro. Diese Kosten übernehmen die Stadtwerke.
Konzept für
Sanierung erarbeitet
Ein anderes Förderprogramm unterstützt die Sanierung von Sportstätten mit bis zu 45 Prozent der Kosten – bis Ende Januar müsste die Stadt einen Antrag stellen. Für eine langfristige Sanierung des Waldbads hat der Förderverein gemeinsam mit einem Planer ein Konzept erarbeitet. Eine Sanierung in mehreren Bauabschnitten würde rund 15 bis 16 Millionen Euro kosten. „Eine Förderung mit dem Höchstsatz von 75 Prozent ist nicht möglich, weil Waldkraiburg keine Haushalts-Notlage hat“, erklärte Pötzsch. Dazu würde Waldkraiburg zu viele freiwillige Leistungen übernehmen.
Unabhängig von der Aufteilung der Bauabschnitte würde allein der erste Abschnitt mindestens zehn Millionen Euro kosten. Der städtische Eigenanteil läge damit bei rund 5,5 Millionen Euro – eine Summe, die derzeit nicht darstellbar sei.
Nach einer intensiven Diskussion habe der Stadtrat daher in nichtöffentlicher Sitzung eine umfassende Sanierung des Waldbads mehrheitlich abgelehnt. Auch die Sanierung des Kabinentrakts wurde verworfen, der Minimalbetrieb des Waldbads werde im Rahmen der finanziellen Leistungsfähigkeit der Stadt weiter fortgeführt.