Kerstin I. und Fabian I. regieren Waldkraiburg

von Redaktion

Locker vom Hocker auf den Faschingsthron der Waldburgia

Waldkraiburg – „Mit diesen Folgen hat mein Mann wohl nicht gerechnet, als er locker vom Hocker beim vergangenen Inthronisationsball in Hörweite von Mitgliedern der Waldburgia sagte: Eines Tages als Prinzenpaar aufzutreten, das könne er sich durchaus vorstellen“, erzählt Kerstin Stangl und muss dabei richtig schmunzeln. Auch Kerstins langjährige Freundin Sarah, Vorstandsmitglied bei der Waldburgia, saß damals in der Runde und schnappte natürlich ebenfalls den Satz von Fabian auf.

Geheimtraining und
kleine Schwindeleien

Im Sommer klopfte die Faschingsgesellschaft Waldburgia bei Fabian und Kerstin deshalb an und stellte ihnen die ultimative Frage: Wollt ihr für die Saison 2025/26 unser neues Prinzenpaar werden? Während die 41 Jahre alte Geschäftsfrau dem Ansinnen nicht ablehnend gegenüberstand, musste sich ihr Gatte erst sortieren, denn er gab zu: „Beim Inthronisationsball 2024/2025 im Haus der Kultur dachte ich, die Aufgabe eines Prinzenpaares sei es, einen Abend lang auf dem Ball zu tanzen und mehr nicht“. Inzwischen wurde der 35-Jährige eines Besseren belehrt.

Trotz anfänglicher Skepsis und des Wissens, was auf ein Prinzenpaar tatsächlich zukommt, willigte der gebürtige Niedersachse schließlich ein. Aus dem „normalen“ Ehepaar werden in der fünften Jahreszeit ihre königlichen Hoheiten Prinzessin Kerstin I. und Prinz Fabian I. Die beiden sind seit vier Jahren verheiratet.

Zwischen Bioladen und
royalen Pflichten

„Wir haben uns bei Barnhouse kennengelernt“, plaudert Fabian Kaleske-Stangl aus, der in dem Unternehmen als Produktentwickler angestellt ist. Kerstin arbeitete ebenfalls bei Barnhouse, bevor sie in das Geschäft „Bio am Eck“ einstieg, das ihre Mutter und ihre Tante in Waldkraiburg gründeten. Barnhouse darf sich fast als royale Schmiede bezeichnen, denn Fabian ist bereits der dritte Angestellte, der von dort aus in das Amt eines Faschingsprinzen gehoben wurde.

Weil die Namen der Prinzenpaare immer erst am 11. November um 11.11 Uhr verkündet werden dürfen, ist vorher strengste Geheimhaltung Pflicht. Das Tanztraining von Kerstin und Fabian startete bereits im Spätsommer. Freunde und Verwandte wunderten sich daher, warum das Ehepaar plötzlich immer weniger Zeit hatte, sich mit ihnen zu verabreden. „Ohne kleine Schwindeleien kommt man da nicht aus“, stellten die Hoheiten fest, die manchmal bis zu dreimal pro Woche ihre Tanzschritte und Figuren einüben.

Das Tanztraining sei zwar herausfordernd, aber trotzdem wunderbar. In diesem Zusammenhang lobt das Prinzenpaar nicht nur die Faschingsgesellschaft Waldburgia, sondern hauptsächlich Trainerin Franziska Wimmer. „Die bringt uns in die richtige Spur“, betont Fabian.

Aber auch der hiesige Altmeister des Rock‘n‘Roll, Norbert Meindl, erscheint in der Trainingshalle, um das Paar auf die richtige Technik in Sachen Hebefiguren einzuschwören. Für den großen Inthronisationsball am Samstag (10. Januar) sieht sich das royale Paar mittlerweile ziemlich gut gerüstet.

Wenn die heiße Phase des Faschings beginnt, wird Kerstin Stangl wahrscheinlich im Bioladen öfter ausfallen. „Meine Mutter und das übrige Personal übernehmen Sonderschichten“, freut sich die Prinzessin. Aber nicht nur das. Inge, die Tante von Kerstin, arbeitet noch stundenweise im Geschäft mit. Sie bekennt: „Dass meine Nichte Faschingsprinzessin sein darf, verleiht mir direkt Flügel“.

Beflügelt ist auch das Prinzenpaar, wenn es seinen Freizeitaktivitäten nachgeht. „Wir besuchen gerne Konzerte und Festivals“, sagen sie. Beide waren früher ziemlich sportlich unterwegs. Sie als Springreiterin und er als Handballer. „Handball spiele ich inzwischen nur noch vor dem Fernseher“, gesteht Fabian lachend.

Vor 13 Jahren verließ er aus beruflichen Gründen seine Heimatstadt Braunschweig. Heimweh hat er nicht, schließlich fand der „Preuße“ in Oberbayern seine große Liebe. Außer seiner Kerstin liebt der 35-Jährige noch das bayerische Bier und die Lederhose. Ein super Kleidungsstück, wie er findet. Er trägt die Krachlederne oft und gerne. Als Prinz jedoch schlüpft er, genauso wie seine Liebste, natürlich in herrschaftliche Gewänder.

Artikel 1 von 11