Waldkraiburg – Ein Schlag gegen illegales Online-Glücksspiel sorgte in diesem Jahr für Aufsehen – bundesweit und auch in Waldkraiburg. Im Juli durchsuchten Polizei und Staatsanwaltschaft München I nach umfangreichen Ermittlungen mehr als 160 Objekte in mehreren Bundesländern wie auch im europäischen Ausland. Waldkraiburg war einer der Schwerpunkte: Hier kontrollierten Beamte 15 Büros, Wohnungen und Privathäuser, darunter auch Objekte im Umfeld des Wettanbieters Bet3000.
Die Ermittlungen richten sich gegen ein mutmaßlich seit Jahren bestehendes Netzwerk illegaler Online-Fußballwetten. Den Beschuldigten wird vorgeworfen, Sportwetten ohne erforderliche Lizenz angeboten und systematisch Steuern hinterzogen zu haben. Laut Polizei handelt es sich um Gewinne im zweistelligen Millionenbereich. Neben illegalem Glücksspiel und Steuerhinterziehung steht auch der Vorwurf der Bildung einer kriminellen Vereinigung im Raum.
Durchsucht wurden 162 Objekte – etwa in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Berlin. Außerdem gab es Zugriffe in Österreich, Spanien und auf Malta. Die heftigen Vorwürfe: Bildung einer kriminellen Vereinigung, illegales Glücksspiel, Steuerhinterziehung. Insgesamt 950 Beamte waren bei den Razzien im Einsatz, allein 200 in München, wo 51 Objekte durchsucht wurden. Zweiter Schwerpunkt: Waldkraiburg. Die Ermittler sprachen von einer hierarchisch strukturierten Tätergruppe: wenige Hauptverantwortliche, ergänzt durch etwa 85 meist männliche Spieler, die genau wussten, dass sie sich an illegalen Geschäften beteiligten. Für die Haupttäter drohen Haftstrafen von bis zu zehn Jahren, für die Spieler Geldstrafen oder kurze Haftstrafen.
In Waldkraiburg war das Vorgehen der Ermittler deutlich sichtbar. Mehrere Hundert Beamte waren stundenlang im Einsatz, zahlreiche zivile und große Polizeifahrzeuge standen vor den betroffenen Objekten. Laut Polizei wurde bei der Razzia kein reguläres Wettbüro durchsucht, die Geschäftsführung von Bet3000 bestätigte dies. Die Vorwürfe richteten sich gegen einzelne Personen aus dem Umfeld des Unternehmens, nicht gegen die Firma selbst. In einer Stellungnahme kündigte das Unternehmen volle Kooperation mit den Behörden an.
Die Ermittler vermuten, dass die Beschuldigten vordergründig legale Sportwetten betrieben, parallel aber illegale Online-Angebote ermöglichten. Über private Kontakte seien Links und Zugangsdaten verbreitet worden, Einsätze reichten von 50 bis zu 100.000 Euro. Gesetzlich vorgeschriebene Wettsteuern von 5,3 Prozent wurden systematisch nicht abgeführt. Mit den illegalen Gewinnen sollen die Tatverdächtigen ein luxuriöses Leben mit Villen, Sportwagen und teuren Uhren finanziert haben. Entsprechend wurden Vermögenswerte sichergestellt. Christa Latta