„Bavaria ruft“ – und stößt auf offene Ohren

von Redaktion

Frauenforum im Heldensteiner Rathaus setzt starkes Zeichen für mehr politische Beteiligung

Heldenstein – Das Rathaus der Gemeinde Heldenstein wurde zu einem Ort des Austauschs, der Ermutigung und der klaren Botschaften: Zahlreiche Frauen aus dem Landkreis waren der Einladung zum Frauenforum „Bavaria ruft – Frauen für die Kommunalpolitik“ gefolgt. Die parteiübergreifende Initiative will Frauen den Weg in kommunalpolitische Gremien erleichtern, Hemmschwellen abbauen und zeigen, dass politisches Engagement vor Ort machbar und sinnvoll ist.

Bürgermeisterin und Kreisrätin Antonia Hansmeier, die die Veranstaltung ausrichtete, zeigte sich angesichts der großen Resonanz erfreut. „Ich sehe die Bereitschaft von gar nicht wenigen Frauen, sich für die Gesellschaft einzubringen – und die Kommunalpolitik ist dabei eine ganz wichtige Säule“, sagte sie. Einen starken inhaltlichen Akzent setzte die Landtagsabgeordnete und ehemalige Staatsministerin Kerstin Schreyer. Sie eröffnete ihr Statement mit einem Zitat der Schriftstellerin Audre Lorde: „Ich bin nicht frei, solange eine Frau unfrei ist.“ Gleichstellung, so Schreyer, sei kein Randthema, sondern eine Frage von Gerechtigkeit, Perspektive und Zukunftsfähigkeit der Demokratie. Gerade auf kommunaler Ebene beginne politische Teilhabe ganz konkret – in den Gemeinden, Räten und Ausschüssen. Formate wie „Bavaria ruft“ machten Mut, gäben Einblicke und senkten die Hürden für ein Engagement vor Ort.

Eine der prägenden Stimmen des Nachmittags war Kathrin Alte, Bürgermeisterin der Gemeinde Anzing und Mitbegründerin der Initiative „Bavaria ruft“. „Wir erleben seit Jahren, dass der Frauenanteil in der Kommunalpolitik zurückgeht – und das, obwohl es so viele kompetente, interessierte und engagierte Frauen gibt“, sagte Alte. Genau hier setze „Bavaria ruft“ an: Die Initiative wolle vorhandene Angebote bündeln, vernetzen und sichtbar machen. „Viele Frauen wissen gar nicht, welche Unterstützungsmöglichkeiten es bereits gibt oder wie der Einstieg konkret aussehen kann“, so Alte. Mentoring, Austausch und persönliche Begegnungen seien deshalb zentrale Bausteine der Initiative.

Wie vielfältig weibliche Kommunalpolitik bereits ist, zeigte sich in einer Podiumsdiskussion mit Politikerinnen aus verschiedenen Ebenen und Parteien. Claudia Hausberger, Mitglied im Bezirkstag, machte klar, dass es für Frauen leider immer noch nicht so leicht wie für Männer sei, sich in der Politik durchzusetzen. Das dürfe jedoch nicht entmutigen: „Frauen müssen sich zu Wort melden – das beginnt schon damit, dass man sich aufstellen lässt, wenn die Listen für Wahlen erstellt werden.“ Gleichzeitig seien auch Männer gefordert: „Wenn eine Frau und Mutter in der Gemeinderatssitzung ist, dann muss der Mann eben für die Kinder da sein.“

Sehr persönlich schilderte Karin Bressel, Dritte Bürgermeisterin der Stadt Waldkraiburg, ihren eigenen Weg in die Politik. Entscheidend sei es, vor und nach einer Wahl zur eigenen Meinung zu stehen. Glaubwürdigkeit und Ehrlichkeit hätten in der Kommunalpolitik einen besonders hohen Stellenwert. Ihren Schritt in den Stadtrat habe sie nie bereut: Politisches Engagement mache Freude – „vor allem, wenn man sieht, dass man tatsächlich etwas vorwärts bringen kann“. Als feste Größe der Kommunalpolitik im Landkreis gilt Ilse Preisinger-Sontag, stellvertretende Landrätin und Zweite Bürgermeisterin der Stadt Mühldorf. Auch sie sprach offen an, was vielerorts noch Realität sei: „Frauen haben es oftmals schwerer in einer Politik, die immer noch sehr männlich dominiert ist.“

Einen strukturellen Blick brachte Bianca Hegemann, Kreisrätin der Grünen, ein. Ihre Partei habe hier seit Jahren klare Regeln: Kandidatenlisten seien grundsätzlich paritätisch besetzt, Frauen und Männer wechselten sich ab. Dies zeige, dass politische Rahmenbedingungen sehr wohl gestaltet werden können. Und auch in den weiteren Stellungnahmen der anwesenden Frauen wurde deutlich, dass es durchaus Bereitschaft gibt für die Mitarbeit in der Politik – doch dazu gehöre auch die Bereitschaft der Männer, den Frauen entsprechende Möglichkeiten zu überlassen.

Zum Abschluss zogen Bürgermeisterin Antonia Hansmeier und Ehrengast Kerstin Schreyer eine positive Bilanz. Hansmeier zeigte sich überzeugt, dass die Veranstaltung Wirkung entfalten werde: „Ich habe heute viel Offenheit, Interesse und auch Mut gespürt. Genau das braucht es, damit mehr Frauen den Schritt in die Kommunalpolitik wagen.“ Kerstin Schreyer richtete den Blick bereits auf die anstehenden Wahlen und wünschte allen Frauen, die kandidieren, „viel Erfolg, Selbstvertrauen und den Mut, ihre Stimme zu erheben“. Engagement vor Ort sei kein Selbstzweck, sondern ein Dienst an der Demokratie: Wer sich einbringe, gestalte mit – und genau dazu brauche es Frauen ebenso wie Männer.

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