Mettenheim – Der Wurzelstock ist mächtig. Mindestens 1,50 Meter Durchmesser. Der Umfang dürfte etwa vier Meter gewesen sein. Doch jetzt ist die markante Esche weg, die jahrzehntelang an der Einmündung zum Fürstenweg stand. Der Eigentümer hat den Baum gefällt. Zurückgeblieben ist nicht nur der Wurzelstock, sondern auch die Frage, warum der Baum weichen musste. Denn der Wurzelstock würde aus der Sicht eines Laien nicht vermuten lassen, dass da ein kranker Baum beseitigt wurde. Nachgefragt im Rathaus.
Mettenheims Bürgermeister Sepp Eisner (CSU) ist selbst Landwirt, kennt sich auch mit Holz aus. Eisner bestätigt, dass der Eigentümer den Baum vor einiger Zeit umgeschnitten habe. Das Rathaus sei darüber informiert gewesen. Und auch das Landratsamt sei in Kenntnis gesetzt worden, erklärt Eisner. Es habe sich um eine Esche gehandelt, die in der Vergangenheit immer wieder Äste verloren habe. „Infolge des Eschentriebsterbens“, fügt Eisner hinzu.
Wenn Eisner von Ästen spricht, meint er damit aber nicht kleinere Zweige. „Da hat es sich schon um größere Prügel gehandelt“, umschreibt er die mögliche Gefahr, die auch die Verkehrssicherheit bedroht habe. „Es sind dort ja nicht nur Fahrzeuge unterwegs, sondern auch viele Spaziergänger“, so Eisner, der nachvollziehen kann, dass der Eigentümer nun auf Nummer sicher gegangen ist und den Baum beseitigt hat. „Das hatte ganz einfach Sicherheitsaspekte.“
Neues Baugebiet
auf rund zwei Hektar
Natürlich könne man sich Gedanken darüber machen, ob man einen älteren Baum, der Äste verliert, durch einen Rückschnitt retten könne. Eisner berichtet von Maßnahmen, die etwa bei einem Naturdenkmal in Neufahrn, einer mächtigen Eiche, durchgeführt worden seien. Auch dort habe der Baum Äste verloren. Durch einen teuren Rückschnitt habe man erwirkt, dass der Baum weiterleben darf. Eisner spricht von etwa 10.000 Euro, die solche Maßnahmen – in diesem Fall laut Eisner vom Landkreis Mühldorf finanziert – kosten würden. „Man kann keiner Privatperson zumuten, so viel Geld für einen Baum auszugeben.“
Die Frage nach der Rettung stelle sich aber bei einer Esche nicht, so Eisner. Denn schon seit Jahren greife das Eschentriebsterben um sich. Auch die OVB Heimatzeitungen berichten regelmäßig darüber, wenn ganze Hänge gerodet werden müssen, weil ganze Wälder davon in Mitleidenschaft gezogen werden können, wie es zum Beispiel 2016 in der Stiftung Ecksberg der Fall war. 2018 wurden entlang der Auwaldwege bei Mühldorf etliche Bäume gefällt, weil dort ebenfalls das Eschentriebsterben die Bäume so geschwächt hatte, dass Spaziergänger gefährdet waren.
Der Sicherheitsaspekt ist ein Grund, warum der Baum am Fürstenweg nun weichen musste. Eine Ersatzpflanzung wird es wohl nicht geben, wenn die Gemeinde ihre Pläne für ein neues Baugebiet in die Tat umsetzen wird. Denn östlich der Reitstraße und nördlich des Fürstenwegs soll ein neues Baugebiet entstehen, verrät Eisner. Dort, wo die Esche stand, werde dann wohl der Gehweg verlaufen. „Es sind lediglich Vorplanungen“, sagt Eisner. Spruchreif sei noch nichts, auch wenn in den rund zwei Hektar, die der Gemeinde gehören, schon rosa markierte Pflöcke zu sehen sind. „Der Flächennutzungsplan ist gerade in Arbeit“, ergänzt Eisner.
Warum die Gemeinde ein neues Baugebiet ausweisen will, liege auf der Hand: „Es ist ja bekannt, dass wir ein neues Feuerwehrgerätehaus bauen wollen.“ Dafür sei es notwendig, Einnahmen zu generieren, etwa durch Grundstücksverkäufe. Auf die Frage, warum die Gemeinde mögliche Erweiterungen in Mettenheim in Betracht ziehe, wenn es doch noch viele freie beziehungsweise unbebaute Grundstücke in Gummattenkirchen gebe, antwortet Eisner: „Die Mettenheimer warten auf Baugrund in Mettenheim.“ Der Bürgermeister schließt nicht aus, dass es ein ähnliches Einheimischenmodell geben könnte wie in der Vergangenheit. Aber konkret beschlossen sei hier noch nichts.