Rückblick auf ein besonderes Jahr im Waldbad

von Redaktion

Nach zwei Jahren Stillstand öffnete das Waldkraiburger Waldbad wieder. Zahlreiche Ehrenamtliche machten die Wiedereröffnung möglich. Der Sommer zeigte, was eine Gemeinschaft leisten kann, aber auch, wo die Grenzen des freiwilligen Engagements liegen.

Waldkraiburg – Was für viele Besucher sehr schnell selbstverständlich wirkte, war alles andere als das: die Wiedereröffnung des Waldbads. Möglich wurde sie nur durch den tatkräftigen und außergewöhnlichen Einsatz zahlreicher Ehrenamtlicher sowie durch die Unterstützung vieler Sponsoren. Über Monate hinweg investierten Bürger ihre Freizeit, um das Waldbad wieder in Betrieb nehmen zu können. Ein starkes Zeichen.

117 Freiwillige beim
ersten Arbeitseinsatz

Die Voraussetzungen waren aber alles andere als einfach. Kein Geld, ein hohes Risiko und keine Garantien – für die Stadt Waldkraiburg selbst sprach zu viel gegen einen Weiterbetrieb des Waldbads. Das geschlossene Waldbad stand als Sinnbild für die schwierige Situation kommunaler Einrichtungen. Der Förderverein Waldbad mit seiner stellvertretenden Vorsitzenden und Stadträtin Martina Arnusch-Haselwarter aber machte sich immer wieder stark für einen Minimalbetrieb.

Ein Konzept wurde erarbeitet, die Instandsetzung sollte allein über Spendengelder möglich gemacht werden. Sehr schnell zeichnete sich ab, dass es mit der großen Bereitschaft, zu spenden oder sich bei der Instandsetzung einzubringen, eine realistische Perspektive für einen Minimalbetrieb gibt.

Los ging es mit einem ersten größeren Arbeitseinsatz im Februar: 117 Freiwillige waren gekommen, um Laub, Gartenabfälle und Müll wegzuräumen. Allen Helfern war der Wille anzumerken, das Projekt zu stemmen. Jedes Wochenende kamen Ehrenamtliche ins Waldbad und packten die anstehenden Arbeiten an. Farbflecken entfernen, Becken reinigen oder ein neues Liegepodest montieren – bis kurz vor der Eröffnung wurde im Waldbad unermüdlich gewerkelt. Das Waldbad verwandelte sich von einem Lost Place zurück in ein lebendiges Freibad.

Wieder in Betrieb genommen werden konnten das Sport- und Sprungbecken. Letzteres wurde mittels hydraulischem Zwischenboden in ein Nichtschwimmer-Becken umfunktioniert. Geschlossen blieben das Wellen- und Planschbecken, die bereits im regulären Betrieb nicht mehr geöffnet waren. Das eigentliche Nichtschwimmer-Becken sollte wegen der hohen Instandsetzungskosten ebenfalls geschlossen bleiben. Hier fand sich aber eine andere, kreative Lösung: Das Becken wurde kurzerhand in einen Sandstrand umgewandelt.

Die Wiedereröffnung des Waldbads hat gezeigt, wie viel mit ehrenamtlichem Engagement zu erreichen ist. Und es gibt weitere ehrenamtliche Projekte wie das ehemalige Wasserbecken im Stadtpark oder die „Waldkraiburg leuchtet“-Aktion, die zeigen, was in einer Gemeinschaft zu schaffen ist.

Auch während der Saison war der Einsatz für die Ehrenamtlichen rund um den Förderverein nicht beendet: Sie brachten sich auch weiterhin aktiv in den laufenden Betrieb ein. Erst mit dem Einwintern des Geländes endete der Einsatz des Fördervereins für dieses Jahr. Mit dem Ende der Saison richtet sich der Blick nun auf das kommende Jahr. Klar ist: Der eingeschlagene Weg soll weitergegangen werden. Auch 2026 ist ein Minimalbetrieb des Waldbads vorgesehen. Gleichzeitig haben die vergangenen Monate deutlich gemacht, dass sich nicht alle Herausforderungen durch ehrenamtliches Engagement lösen lassen.

Der Zustand der Kabinen- und Sanitäranlagen stellt alle Beteiligten vor neue Aufgaben. Die Standsicherheit des Kabinentrakts ist nicht mehr gegeben, sowohl Haupt- als auch Kioskgebäude weisen statische Mängel auf. Nachdem bereits das markante Dach über dem Eingangsbereich einsturzgefährdet und während des Betriebs provisorisch abgesichert war, ist es mittlerweile abgerissen. Die Sanierung der Gebäude wäre mit einem großen Aufwand verbunden und deshalb wirtschaftlich nicht sinnvoll. Für Kabinen und Sanitäranlagen sollen praktikable Lösungen gefunden werden, wie zum Beispiel mit Containern oder Umkleidehütten.

Ums Geld geht es auch bei der Frage einer möglichen Sanierung des Waldbads. Ein Förderprogramm unterstützt die Sanierung von Sportstätten mit bis zu 45 Prozent der Kosten. Wie eine solche aussehen könnte, dazu hat der Förderverein mit einem Planer ein Konzept erarbeitet.

Statische Mängel am
Haupt- und Kioskgebäude

Die veranschlagten Kosten liegen bei rund 15 bis 16 Millionen Euro. Bereits für einen ersten Bauabschnitt müssten mindestens zehn Millionen Euro investiert werden. Selbst bei maximaler Förderung verbliebe ein städtischer Eigenanteil von rund 5,5 Millionen Euro – eine Summe, die aktuell nicht darstellbar ist.

Mit dem Ende der Saison richtet sich der Blick nun auf 2026, in dem der Minimalbetrieb des Waldbads weitergehen soll. Der Sommer hat gezeigt, was mit Engagement, Kreativität und Zusammenhalt möglich ist. Der Winter macht deutlich, wo Grenzen dieses Engagements liegen. Ein Blick auf 2025 zeigt damit beides: einen außergewöhnlichen, ehrenamtlichen Erfolg – und die Aufgabe, diesen Erfolg weiter fortzuführen.

Artikel 6 von 11