Schmähpreis für Neumarkts Fischerhäusl?

von Redaktion

Obwohl es auf der Denkmalliste stand, wurde das Neumarkter Fischerhäusl im Frühjahr 2025 abgerissen. Postum kommt es nun zu zweifelhaften Ehren: Der Bayerische Landesverein für Heimatpflege hat das Gebäude für die Negativ-Auszeichnung „Abriss des Jahres“ nominiert, über die nun abgestimmt wird.

Neumarkt-St. Veit – Historische Gasthöfe, Wohnhäuser oder Kirchen vergangener Jahrzehnte: Auch im Jahr 2025 machte der Bayerische Landesverein für Heimatpflege mit seiner Aktion „Abriss des Jahres“ auf den fortschreitenden Verlust von Baukultur in Bayern aufmerksam. Der Landesverein hat zwölf „besonders bedauerliche Abrissfälle“, wie sie das Landesamt bezeichnet, ausgewählt, die stellvertretend für diese Entwicklung stehen sollen. Diese stehen nun zur öffentlichen Abstimmung.

Mehrere Wirtshäuser
auf der Liste

„Dieses Jahr haben wir mehrere alte Wirtshäuser auf der Liste, die leider abgerissen wurden. Ein Jammer! Dabei sind historische Gasthäuser weit mehr als alte Gebäude. Sie prägen das Ortsbild und waren über Generationen hinweg soziale Mittelpunkte. Mit ihrem Verlust verschwindet nicht nur ein vertrauter Anblick, sondern oft auch ein Stück gelebte Gemeinschaft“, sagt Dr. Rudolf Neumaier, Geschäftsführer des Landesvereins.

Ab sofort bis einschließlich 11. Januar 2026 können Bürger auf der Webseite des Landesvereins über den aus seiner Sicht „bedauernswertesten Abriss des Jahres 2025“ abstimmen. Ziel der Aktion sei es, so die Pressestelle des Landesvereins, Aufmerksamkeit zu schaffen für Gebäude, die das Ortsbild geprägt haben, Identität stifteten und dennoch verloren gegangen sind – oft trotz historischer, städtebaulicher oder denkmalpflegerischer Bedeutung.

Der Landesverein für Heimatpflege beobachtet seit Jahren, dass historische Bausubstanz in Städten und Gemeinden zunehmend dem Neubau weicht. „Unsere historische Baukultur ist kein Luxus, sondern ein zentraler Bestandteil unserer Identität“, betont Dr. Olaf Heinrich, der Vorsitzende des Landesvereins.

Die Baukultur erzähle „von der Geschichte unserer Orte, von Handwerk, Alltag und Gemeinschaft. Wenn wir diese Gebäude verlieren, verlieren wir mehr als Steine – wir verlieren mit jedem Haus ein Stück Heimat“.

Wirtschaftliche Unzumut-
barkeit als Grund

Besonders problematisch ist aus Sicht des Landesvereins, dass selbst denkmalgeschützte Gebäude immer wieder abgerissen werden, etwa unter Verweis auf wirtschaftliche Unzumutbarkeit, angebliche Einsturzgefahr oder, um den Verkehr schneller und flüssiger durch die Orte zu leiten. Nicht denkmalgeschützte, aber durchaus ortsbildprägende Bauten sind rechtlich oft völlig schutzlos. Der „Abriss des Jahres“ soll diese Lücke sichtbar machen und eine öffentliche Debatte anstoßen.

Das sagt auch Dr. Rudolf Neumeier: „Es standen nur zwei der nominierten Objekte auf der Denkmalliste. Darunter das Fischerhäusl in Neumarkt-St. Veit, sehr pittoresk“, findet Neumaier. „Wenn so ein altes Gebäude auf die Denkmalliste kommt, dann werden sich die Leute dabei schon etwas gedacht haben.“

Doch jahrzehntelang sei es dem Verfall ausgeliefert worden. Für Neumaier „ein Beispiel dafür, was passieren kann, wenn man als Behörde nicht draufschaut.“ Er zitiert Artikel 4 des Gesetzes zum Schutz und zur Pflege der Denkmäler, der die Erhaltung von Baudenkmälern regelt. Zuständig dafür wäre das Kontrollorgan, die Untere Denkmalschutzbehörde im Landratsamt, die dann auch Einblick haben sollte, ob dem Eigentümer des Gebäudes eine Sanierung zuzumuten sei.

„Es ist halt wieder ein Stück Heimat, das verschwindet, wenn ein nur ein sehr kleines Stück. Doch auch darin steckt eine Geschichte, die man erzählen könnte. Aber das geht jetzt nicht mehr.“ Das dürfe man als Heimatverein bedauern „und deswegen zeigen wir das auch her“.

Ein Stück Heimat
verschwindet

Neben dem kulturellen Verlust verweist der Landesverein auch auf die ökologischen Folgen: Der Abriss von Bestandsgebäuden und der anschließende Neubau würden nämlich enorme Mengen an Abfall und Kohlendioxid verursachen. Der Erhalt und die Weiterentwicklung bestehender Bausubstanz seien daher nicht nur eine Frage der Denkmalpflege, sondern auch des Klima- und Ressourcenschutzes.

Mit der Aktion knüpft der Landesverein an die große Resonanz der vergangenen Jahre an. Die Wahl zum „Abriss des Jahres 2025“ versteht sich dabei nicht als bloße Kritik, sondern als Appell, genauer hinzusehen und den Wert des Bestehenden neu und wiederzuentdecken.

Kritik an anonymer
Anzeige

Die Nominierung zum „Abriss des Jahres“ will der Eigentümer des Grundstücks, Anton Berghammer, nicht kommentieren. Zu den Vorgängen in der Vergangenheit sagt er aber: „Wenn jemand einen anderen aus der Anonymität heraus anzeigt, ohne zu wissen, was der Beweggrund für den Abriss war, dann halte ich dies für charakterlos.“ Er sei alles andere als beratungsresistent und für Gespräche immer offen. Solche habe es auch gegeben, vielfach habe er sogar Verständnis geerntet.

Die Abstimmung läuft bis zum 11. Januar 2026 auf www.heimat-bayern.de/abriss-des-jahres-2025/. Unter allen Teilnehmern werden CDs beziehungsweise Hörspiele von „Dr. Döblingers geschmackvolles Kasperltheater“ verlost, und zwar „Kasperl und der Purzelprinz“.

Wohnhaus des Fischers und Teil der klösterlichen Versorgung

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