Mühldorf – Wirt Markus Märkl schließt das Geigerhaus in Mühldorf zum Monatsende. Als Gründe nennt der 49-jährige Familienvater ständige Personalsorgen und die hohe psychische Belastung. Die Familie des Gastronomen sei in den letzten vier Jahren zu kurz gekommen und habe für ihn nun oberste Priorität.
„Man kriegt einfach kein Personal“, sagt Markus Märkl, der Wirt vom Geigerhaus. Das ist einer der Gründe, warum der Betreiber, der vielen Mühldorfern als „Gank“ bekannt ist, den Laden zum Ende des Monats schließt. „Im April wären es vier Jahre geworden“, sagt er wehmütig, denn er liebt sein Geschäft und hat immer mit Herzblut in der Gastronomie gearbeitet.
Geschäft packt
die Psyche an
Doch langsam packt das Gastro-Geschäft die Psyche an: Das ständige Zittern, wer in der Küche oder im Service sagt heute wieder ab oder kündigt? Wenn die Gattin einspringen muss, wer passt auf die beiden Kinder auf? Märkl spricht von einem Déjà-vu in Dauerschleife. „Du kannst irgendwann nimmer schlafen, alle Gedanken drehen sich darum, wie krieg ich die Dienstpläne hin, wo krieg ich kurzfristig Ersatz her, wenn jemand ausfällt.“
Märkl wird bald 49 Jahre alt und stellt sein Leben auf den Prüfstand. Der Familienvater hat einen vierjährigen Sohn und eine siebenjährige Tochter – die beide kaum etwas von ihrem Papa haben, wie Märkl selbst sagt. Die kleine Tochter habe sich neulich eine Schürze angezogen, um ihm in der Arbeit zu helfen, weil sie mitbekommt, dass er Unterstützung braucht, erzählt er.
Und wenn es mal in den Urlaub geht, ist der Laptop ständig dabei, Bestellungen und Planungen müssen gemacht werden, dauernd klingelt das Telefon. „Das ist kein Urlaub, du kannst nie abschalten, man hat kein Privatleben mehr.“ Einen Stellvertreter einzustellen, der ihn in seinem Sinne vertritt, auf den er sich verlassen kann, sei in so einem kleinen Laden nicht leistbar. Das Lokal hat innen 120 und draußen auf der Terrasse 100 Plätze.
Personalmarkt ist
leer gefegt
„Und so einen bekommt man auch gar nicht. Der Personalmarkt in der Gastronomie ist leer gefegt.“ Er beschäftigt drei Köche und 15 Servicekräfte, die meisten in Teilzeit. Und selbst springt er ein, wo es brennt; ebenso seine Frau, die eine Halbtagsstelle hat. „Dann muss die Oma Zeit haben, sonst würde es gar nicht gehen“, so Märkl, der seiner Schwiegermutter sehr dankbar ist.
Herausfordernd sei es, an umsatzstarken Tagen wie Weihnachten und Silvester Leute zu finden, die arbeiten wollen. „Den Silvester-Abend konnten wir nur meistern, weil ein Freund vom Stammtisch kurzfristig eingesprungen ist“, berichtet Märkl.
Unter dem ganzen Stress und der fehlenden Freizeit leide seine Familie. „Sie alle mussten die letzten vier Jahre zurückstecken und jetzt sind sie einfach mal dran. Die Familie geht jetzt vor“, so der erfahrene Gastronom. Kürzlich führte Märkl einen Ruhetag ein. „Das kam meinen Kindern und meiner Frau zugute“, sagt er im Gespräch mit der Heimatzeitung.
Bevor es den Aschauer vor vier Jahren wieder nach Mühldorf verschlagen hatte, war er zehn Jahre in München Betriebsleiter großer Biergärten und auch auf dem Oktoberfest war er in einem großen Zelt Bereichsleiter und damit personalverantwortlich. Seine Laufbahn in der Gastronomie begann er vor über 20 Jahren unter Alex Pfeiffer, dem Begründer des Geigerhauses, arbeitete im Sinners als Barkeeper und Türsteher, ehe es ihn nach München zog.
Senkung der
Mehrwertsteuer
„So hab ich mir das nicht vorgestellt, als ich wieder hierher kam, dass es so gar keinen Nachschub gibt, dass man einfach keine Leute mehr bekommt.“ Ob das nur ein Problem im ländlichen Bereich sei, könne er nicht sagen. Auch anderen Branchen gehe es ähnlich.
Zudem habe sich das Konsumverhalten der Gäste verändert und zeitweise ist in Mühldorf am Samstagabend nicht viel los, das spüren auch die Bars am Stadtplatz. Die Senkung der Mehrwertsteuer, die seit dem 1. Januar gelte, sei für Märkl „eine gute Sache für die Branche. Das wird vielen Kollegen einen Schub geben, um zu investieren“. Doch löse es das Personalproblem nicht, wenn die Mehrwertsteuer für Speisen von 19 auf 7 Prozent gesenkt werde.
Auch der Mindestlohn, der für Märkl „nichts Verkehrtes“ ist, steige wieder und „die Lieferanten ziehen an. Und der größte Kostenfaktor ist einfach das Personal“, so Markus Märkl. Dass die Leute aus seinem Team schnell etwas Neues finden, bezweifle er nicht. Anfragen gebe es schon.
Wie es für ihn selbst weitergehen soll, „da muss ich mich erst mal sortieren“. Auch er bekomme Angebote. „Aber das muss mit meiner Familie vereinbar sein. Das werden wir gemeinsam entscheiden.“
Weiterhin mit Foodtruck
unterwegs
Eines aber will er nicht aufgeben: Veranstaltungen, die er mit seinem Foodtruck besucht hat. „Die Smash Burger kamen gut an. Wir waren auf dem Mühldorfer Volksfest damit vertreten, beim Slackline-Event am Stadtplatz, bei der Altstadtweihnacht und beim Christkindlmarkt. Das kam gut an und ist auch für mich gut planbar, weil ich selbst drin stehe“, so Märkl.
Er hofft, dass das Geigerhaus in gute Hände kommt, Gespräche mit Interessenten seien am Laufen.