Schwindegg – Ihren 95. Geburtstag feierte Elisabeth Geisberger aus Hassenham mit einem großen Fest und Gaumenschmaus beim Mooser Wirt in Walkersaich und anschließend bei sich daheim auf dem Anwesen im großen Saal zum Kaffee.
Familie und Freundinnen und der Theaterverein, bei dem sie Gründungsmitglied ist und noch immer auf der Bühne steht, haben sich großartig unterhalten. Bürgermeister Roland Kamhuber gratulierte herzlich mit einem Blumenstrauß. Auch die Frauenunion kam vorbei und wünschte alles Gute.
Jüngstes von
zehn Kindern
Mit ihren 95 Jahren ist Elisabeth Geisberger noch genauso resolut wie eh und je. Geboren wurde sie als jüngstes von zehn Kindern in Peterskirchen. Schon früh half sie auf dem Hof mit. Es war Krieg und die Brüder waren nicht da, so stand sie vor der Schule auf, um die Kühe zu melken und auszumisten, anschließend ohne Handschuhe das Getreide zu richten und abends mit wunden Händen wieder zu melken. Später zog sie Milch mit dem Leiterwagen zum Nachbarn, der einen halben Kilometer weit entfernt war.
Ihre katholische Erziehung prägt sie bis heute; sie geht jeden Sonntag in die Kirche. Ein Onkel war Pfarrer und eine Tante Klosterfrau. Jeden Tag zu beten gehörte zum Tagesablauf und vor der Schule ging es zur Kirche. Kochen lernte sie in Armstorf bei den Klosterfrauen.
Ihren Mann Max Geisberger lernte sie durch ihre Tante kennen und heiratete ihn mit 24 Jahren. Gemeinsam bauten sie das Anwesen in Hassenham auf. Sie schaufelten den Kies dafür anfangs noch mit der Hand. Dass sie kein Geld aufnehmen mussten für den Bau, darauf ist sie bis heute stolz.
Die Arbeit im zehn Kilometer entfernten Wald erledigten sie damals noch mit Pferden und waren auch im Winter und bei tiefen Minusgraden unterwegs. Ihren Führerschein machte Elisabeth Geisberger zusammen mit ihrer Schwägerin, damals war es noch nicht üblich, dass Frauen eine Fahrerlaubnis hatten. „Alle hatten Angst, ich hab mir gar nichts gedacht“, erzählt sie fröhlich. Es war eine Notwendigkeit, denn für die Arbeit auf dem Hof mussten viele große Fahrzeuge bewegt werden. In all den Jahren hatte sie keinen einzigen Unfall. Einmal blieb sie mit dem Traktor samt Hänger auf der Straße stecken, weil der Motor an Kraft verlor. Da musste sie ihn alleine abhängen und zurückbringen.
Morgens um 5 Uhr begann sie mit der Arbeit auf dem Hof und versorgte die Tiere. Bis abends um 20 Uhr wurde durchgearbeitet, oft ohne Mittagspause. Entspannung fand sie in der Gartenarbeit, wo sie Kartoffeln, Gurken und Tomaten für ihre Familie anpflanzte. Ihre Großmutter und ihre Tante lebten da noch mit auf dem Hof und halfen bei der Betreuung der Kinder, drei Buben und ein Mädel.
Sohn Max hat schon immer gerne Dinge ausprobiert und gebastelt und so kam es, dass sie in den 90er Jahren die Landwirtschaft aufgaben und ein Unternehmen mit Biogasanlagen aufbauten. Als Geschäftsführerin brachte sie die Unternehmung in Schwung. Viel Schlaf war nicht drin und braucht die Jubilarin auch heute noch nicht.
Wichtige Rolle im
neuesten Theaterstück
Wenn sie nach fünf Stunden Schlaf aufwacht, lernt sie fleißig für ihre neue Rolle im nächsten Theaterstück „Ein eingefleischter Vegetarier“, das zu Ostern in der alten Schule in Walkersaich uraufgeführt wird. Ein Nachbar, Thomas Keller, hat es zum 40-jährigen Jubiläum der Theatergruppe geschrieben. Darin spielt sie als Theresia Ertl, eine Nachbarin, eine wichtige Rolle. „Natürlich bin ich da dabei, ich bin doch Gründungsmitglied“, erklärt sie mit Nachdruck.
Tagsüber hilft sie im Unternehmen oder in der großen Küche beim Kochen. Ihre Heimatzeitung liest sie jeden Tag von der ersten bis zur letzten Seite und weiß auch alles. Sie freut sich über ihre neun Enkel und sieben Urenkel, die selbstverständlich auch zum Geburtstagsfest kamen. Auto fährt sie bis heute und für das weitläufige Betriebsgelände steht ihr ein VW Caddy zur Verfügung. „Natürlich elektrisch und mit Biostrom“, wie sie betont.