Polling – 2025 war in Polling für die dortigen Verhältnisse ein ruhiges Jahr – zumindest in der zweiten Jahreshälfte. Strafanzeigen und Meldungen an die Staatsanwaltschaft wegen vermeintlicher Hetze waren kein Thema mehr; auch gab es keine neue Demonstration vor dem Rathaus.
Dafür hatte die Gemeinde eine Forderung von 150 Euro gegen einen Gemeinderat an die VG Polling abgetreten. Die VG hatte dann den Gemeinderat mit der Münchener Star-Kanzlei Bossi & Ziegert auf Zahlung verklagt – und verloren.
Gemeinderäte lassen
Kronberger alleine zurück
Selbst im Gemeinderat war es – verglichen mit 2024 – ruhig. Hitzige und zum Teil unflätige Wortgefechte wurden im Laufe des Jahres immer seltener. Bürgermeister Lorenz Kronberger drohte zwar immer wieder mal renitenten Gemeinderäten mit dem Rausschmiss, aber ohne Erfolg. Einmal reagierten die Gemeinderäte auf ihre Weise: Sie verließen geschlossen den Raum und ließen Kronberger alleine im Sitzungssaal zurück.
Im Mai überraschte Kronberger mit einem Angebot für eine Mediation, um das Verhältnis zu befrieden. 13 Gemeinderäte lehnten das aber ab: „Neben den Kosten und dem Zeitaufwand, die entstehen würden, sehen wir keine Erfolgsaussichten für eine solche Versöhnung.“
Kommunalpolitisch ging es zu Jahresbeginn zunächst um die Hebesätze für die seit dem 1. Januar 2025 geltende Grundsteuer. Erst nach langen und zum Teil von Schuldzuweisungen geprägten Sitzungen stand im Mai ein mühsam errungener Kompromiss.
Laut Kronberger war das auch der Grund, warum der Haushalt 2025 erst im August vorgelegt werden konnte. Dieser Haushalt kommt ohne neue Schulden aus und Polling kann seine Investitionen aus eigener Kraft finanzieren, entnimmt dafür 3,3 Millionen Euro aus den Rücklagen – unter anderem für Baumaßnahmen (2,3 Millionen Euro) und den Kauf von Grundstücken (1,7 Millionen Euro).
Eigenes Fernwärmenetz
zu teuer
Auf Druck der Gemeinderäte wurden sowohl in den Haushalt wie in den Finanzplan noch Mittel für ein eigenes Kommunalunternehmen (KU) eingestellt. Weniger als konkretes Ziel, viel mehr als Erinnerung, um ein Fernwärmenetz mit dem heißen Pollinger Tiefenwassern nicht zu vergessen.
Für Kronberger ist das Thema aber vom Tisch. Er bezieht sich dabei auf den Entwurf für die überarbeitete Machbarkeitsstudie. Die Fernwärme mit der Geothermie aus der Pollinger Bohrstelle sei „nicht wirtschaftlich“ und zu teuer, führte er immer wieder aus. Es sei mit einmaligen Anschlusskosten von 27.000 Euro und einem kalkulierten Wärmepreis von etwa 29 Cent je Kilowattstunde zu rechnen.
Die Gemeinderäte wollen ein Fernwärmenetz mit dem heißen Tiefenwasser trotzdem nicht abschreiben, zumal es einen Netzbetreiber geben soll, der ein Fernwärmenetz auf eigene Kosten und Risiko errichten und wirtschaftlich betreiben würde. Das hat zumindest Peter Reichenspurner, Gesellschafter der Erdwärme Inn GmbH, die in Polling nach dem heißen Tiefenwasser gebohrt hatte, im Laufe des Jahres immer wieder erklärt.
Reichenspurner hat das auch gegenüber den OVB Heimatzeitungen und Innsalzach24.de wiederholt: „Es laufen die finalen Verhandlungen mit einem Netzbetreiber, der Privathaushalten und Großabnehmern eine marktkonforme und attraktive Wärmeversorgung anbietet. Die Aufträge für die Gestaltung des Netzausbaus vor Ort und nach Mühldorf sind bereits an die Planungsbüros vergeben und laufen in vollem Umfang.“
Pollings Gemeinderäte waren daher zuletzt dafür, dass Kronberger auf Reichenspurner aktiv zugeht. Doch der lehnte ab: „Reichenspurner soll auf uns zukommen und sagen, mit wem er es machen möchte.“
Bebauungsplan Annabrunn
hängt in der Luft
Für eine faustdicke Überraschung sorgte im Laufe des Jahres der Bebauungsplan Annabrunn. Der soll auf dem ehemaligen Klinikareal 30 Bauparzellen ermöglichen. Ende 2024 hatten die Gemeinderäte diesen Plan in einer zweitägigen Marathonsitzung noch auf den letzten Drücker beschlossen, um eine Umweltverträglichkeitsprüfung zu vermeiden.
Im Juli wurde ein Schreiben aus dem Landratsamt Mühldorf publik: Es teilte mit, dass es wegen rechtlicher Bedenken gegen den Plan keine Baugenehmigungen erteilen werde. Das Landratsamt empfahl, den Plan aufzuheben und das Verfahren neu aufzurollen.
Nach einer Krisensitzung mit dem Landratsamt und der Regierung von Oberbayern beschlossen die Gemeinderäte aber in nichtöffentlicher Sitzung, ein Änderungsverfahren vorzubereiten und die entsprechenden Angebote einzuholen. Das Ziel: den beschlossenen Plan doch noch zu retten.
Vor der Sommerpause gab es noch eine zweite Überraschung: Polling hat Windvorranggebiete. Die sind zwar schon länger ausgewiesen, haben aber eigentlich niemanden interessiert. Bis zum Juli. Da lag plötzlich der Bauantrag für ein Windrad zwischen Polling und Weiding auf dem Tisch – und die Gemeinderäte fielen aus allen Wolken.
Die überraschten Gemeinderäte stimmten dagegen. „Wir müssen ein Zeichen setzen“, so die Begründung aus dem Gremium. Verhindern kann dieses Votum das Windrad im Zweifel nicht, schließlich soll es in einem Windvorranggebiet entstehen.
Die Kandidaten für das
Bürgermeisteramt
Seit dem Frühjahr richten sich die Augen in Polling immer stärker auf die Kommunalwahlen am 8. März 2026. Die CSU hat bereits im April Ernst Weinberger als ihren Bürgermeisterkandidaten gekürt. Im Mai folgte die AfD und präsentierte Richard Wagner als Kandidaten.
Zum Jahreswechsel bleibt damit eigentlich nur eine große Frage in Polling unbeantwortet: Tritt Bürgermeister Kronberger noch einmal an, möchte er eine dritte Amtszeit?
Im Gemeinderat ließ er im Oktober eine entsprechende Nachfrage von Lena Koch unbeantwortet. Im November hatte er auf der Bürgerversammlung in seinem Rechenschaftsbericht den Punkt „Ausblick auf das Jahr 2026“. Den übersprang er aber: „Da habe ich nichts vorbereitet.“
Eine Anfrage der OVB Heimatzeitungen am 29. Dezember zu einer erneuten Kandidatur ließ Kronberger bis zum Redaktionsschluss unbeantwortet. Jetzt richten sich die Augen auf den 8. Januar. An dem Tag endet um 18 Uhr die reguläre Frist, um die Bürgermeisterkandidatur offiziell anzumelden.