„Der König kommt“

von Redaktion

Der Bahnhof Neumarkt-St. Veit im Laufe der Geschichte – Neues Kapitel nach dem Krieg

Neumarkt-St. Veit – Die Station Neumarkt an der Rott ist auch Aufsichts- und Sammelstation für die Station Thambach. Sie ist zur Einlegung von Bedarfszügen und anderen Sonderzügen in dringenden Fällen berechtigt.

Das Betriebshauptgebäude (Empfangsgebäude) beherbergt die Diensträume und die Wohnung des Stationsvorstandes. Im Dachteil des nordöstlichen Gebäudeteils befindet sich eine Stationsuhr mit Zeigerblatt. Im Keller des Mittelbaues werden auch die Dienstkohlen der Bahnstation und des Postamtes aufbewahrt. Im Erdgeschoss befinden sich je ein Warteraum erster und zweiter Klasse mit Wirtschaftsbetrieb.

Postamt und
Wohnung für Vorstand

Im südwestlichen Flügel ist das Postamt untergebracht, ferner die Wohnung für den Stationsvorstandsstellvertreter sowie – wie auch in den anderen Gebäudeteilen – ein Wasserbottich gegen alle Feuersgefahr. Unter dem Vordach sind bahnsteigseitig eine Bahnsteiguhr, ein Trinkbrunnen, ein Verkaufsautomat für Reisebedürfnisse und Postkarten, ein Verkaufsschrank für Reiselektüre, ein Briefkasten, eine Bahnsteigabgrenzung sowie eine Kabine für die Bahnsteigsperre vorhanden. Das nordwestlich gelegene Dienstwohngebäude enthält auch das Dienstzimmer des Bahnmeisters.

Zu beiden Seiten dieses Gebäudes befinden sich Ökonomiegebäude. Die Baumaterialien sind im Bahnmeisterlagerhaus aufbewahrt. Außerhalb der Bahnsteigeinfriedung befindet sich das Feuerlöschgerätehaus mit einer zweirädrigen Feuerspritze. Südwestlich vom Betriebshauptgebäude befinden sich die Güterhalle und der Lokomotivschuppen. Das Maschinenhaus besteht aus einem dreiständigen Lokomotivschuppen für sechs Lokomotiven sowie vier Wasserkranen und dem an die Remise angebauten Kessel- und Wasserhaus, ferner dem daran angebauten Wohnhaus.

Neben dem Kesselhaus ist der Brunnen für die Stativmaschine; dort befindet sich auch eine Pulsometeranlage, welche Wasser aus dem Brunnenschacht liefert. Im Wohngebäude befinden sich im Erdgeschoss die Übernachtungsräume für das Plattlinger Bremspersonal, für das Landshuter, Plattlinger und Rosenheimer Heizerpersonal sowie die Wohnung des Stativwärters. Im Obergeschoss liegen die Mietwohnung für einen Lokführer und die Übernachtungsräume für die Rosenheimer, Landshuter und Plattlinger Lokführer. Ferner sind noch drei Weichenstellerhäuser, der Petroleumkeller und ein Eiskeller für die Bahnhofswirtschaft vorhanden. Für die Beheizung der Dienst- und Warteräume im Betriebshauptgebäude werden Steinkohlen verwendet. Die Beleuchtung in den Räumen erfolgt mit Beagidgas (Acetylengas), ansonsten (z. B. in den Aborten) mit Petroleum. Die Beleuchtung des äußeren Bahnhofs erfolgt mit Spiritusglühlicht (die Umstellung auf elektrisches Licht erlebt der Bahnhof erst 1919). Die Station hat 7 Hauptgleise, die Bahnsteige sind überdacht. Industriegleise sind nicht vorhanden. Die Drehscheibe hat einen Durchmesser von zwölf Metern. Zur Sicherung der Wagen gegen Entlaufen sind sechs Wagensperrvorrichtungen vorhanden und an verschiedenen Stellen des Bahnhofs hinterlegt. Zum rollenden Inventar gehören: Drei Handbrückenwagen, ein Gepäckkarren und ein Handkarren mit Gitter zum Kleinviehtransport. Für den Eisenbahntelegrafen- und Telefondienst sind vorhanden: Fünf Morseapparate, zwei Einfach- und ein Doppelstreckentelefon und ein Staatstelefon.

Diese Arbeiten sind bis Ende 1913 abgeschlossen, gerade rechtzeitig für den Empfang einer großen Persönlichkeit. Am 12. Dezember 1912 verstarb Prinzregent Luitpold von Bayern und sein Sohn Ludwig wurde anschließend zum neuen König Ludwig III. ernannt. Im Frühjahr 1914 wird bekannt, dass dieser am 18. Juni 1914 Neumarkt einen Besuch abstatten wird. Der König wird per Eisenbahn von Passau kommend am Bahnhof empfangen werden und anschließend auf einer Ehrentribüne an der Straßenseite des Empfangsgebäudes die Huldigungen seiner Untertanen entgegennehmen. Es war natürlich dem Ersten Bürgermeister Franz Einmayr vorbehalten, die hohen Gäste am neu gebauten und überdachten Bahnsteig 1 willkommen zu heißen. Tausende von Bürgern aus nah und fern hatten sich am 18. Juni am Bahnhofsvorplatz eingefunden, um dieses einmalige Ereignis hautnah mitzuerleben. Sechs Wochen später beginnt der Erste Weltkrieg und verändert den gesamten Betriebsablauf bei den königlichen Staatsbahnen, die mit immer weniger Material und Personal auskommen müssen.

Abschied von
den Liebsten

Der Bahnhof Neumarkt sieht in den nächsten vier Jahren viele Familien und Angehörige, die ihre Liebsten verabschieden müssen, ohne zu wissen ob und wie sie wieder heimkommen werden. Am Kriegsende 1918 endet die Geschichte der königlich-bayerischen Eisenbahnen. Mit der neugegründeten Reichsbahn beginnt nun auch für den Bahnhof Neumarkt an der Rott ein neues Kapitel.

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