Mühldorf – Seit dem 1. Januar 2026 gelten dauerhaft einheitlich sieben Prozent Mehrwertsteuer auf Speisen. „Für diese wichtige steuerliche Gleichstellung haben wir als Dehoga jahrelang gekämpft“, sagt Holger Nagl, Vorsitzender des Kreisverbandes Mühldorf im Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga).
„Damit unsere Betriebe auch weiterhin wettbewerbsfähig bleiben können, sind Investitionen in Personal, Modernisierung und Qualität unverzichtbar. Mit dem neuen Steuersatz wird das wieder möglich. Nach jahrelanger Hängepartie werden Betriebe nun entlastet und können verlässlich planen“, schreibt Nagl in einer Stellungnahme.
Mehrwertsteuersenkung
verbessert Liquidität
Die Senkung der Mehrwertsteuer verbessere die Liquidität der Betriebe, ist er überzeugt. „Wir bekommen wieder mehr Luft für Investitionen“, erklärt Nagl auf Nachfrage. Nach seiner Überzeugung geht es nicht nur um die Existenzsicherung für die Wirtshäuser. Die Gastronomie sei weit mehr als nur Bewirtung – sie sei eine systemrelevante Wirtschaftsdrehscheibe. „Investitionen in unsere Betriebe wirken wie ein regionales Konjunkturprogramm: Sie sichern Arbeitsplätze weit über die Küchentüren hinaus. Handwerker, Landwirte, Brauer, Winzer, Bäcker und Metzger sind fester Bestandteil unserer gastronomischen Wertschöpfungskette. Das Geld bleibt in der Region und stärkt die mittelständischen Kreisläufe“, ist Nagl überzeugt.
Denn die Branche hat nach seinen Angaben in den vergangenen Jahren große Probleme als Folge extrem gestiegener Kosten. Beispiel Personal: Seit 2019 seien die Lohnkosten um 45 Prozent gestiegen. Das zeige beispielsweise die Entwicklung beim in der Gastronomie wichtigen Mindestlohn. 2019 habe er bei neun Euro gelegen, 2026 sei er bei fast 14 Prozent angelangt.
Auch die Energiekosten seien stark gestiegen. „Wir haben uns nicht eine goldene Nase verdient, wenn wir unsere Preise, in der Regel ja sehr moderat, angehoben haben“, sagt er. Erschwerend komme seit der Pandemie und den derzeitigen wirtschaftlich schwierigen Jahren eine Konsumzurückhaltung hinzu. Die Folge sei ein Umsatzrückgang von 16 bis 17 Prozent.
Natürlich gebe es nach wie vor Betriebe, die sehr gut laufen würden und wo es ohne Reservierung kaum einen Platz gebe. Doch das Wirtshaussterben sei trotz dieser positiven Beispiele allgegenwärtig, auch im Raum Mühldorf. „Wir haben hier in den vergangenen Jahren einige große Namen aus der Traditionsgastronomie verloren“, bedauert Nagl. „Das schmerzt“, bringt der „Hammerwirt“ seine Gefühlslage auf den Punkt. Er hofft deshalb darauf, dass die Mehrwertsteuer-Senkung weitere Schließungen verhindert. „Das hilft vermutlich all jenen, die sich bisher knapp über der Wasserlinie gehalten haben.“ Nagl geht angesichts dieser Ausgangslage nicht davon aus, dass flächendeckend Schnitzel und Schweinsbraten jetzt billiger werden. Denn es gehe für viele in der Branche ums Überleben und um faire Wettbewerbsbedingungen in einer Branche, die überproportional stark durch die Kostenentwicklung belastet sei.
Beharrlichkeit von Markus
Söder zahlt sich aus
Der beharrliche Einsatz für die Sache habe schließlich das notwendige Bewusstsein dafür geschaffen, „dass eine faire Besteuerung kein Branchenprivileg, sondern eine notwendige Investition in die Stabilität der Gesellschaft ist“. Dass es gelungen ist, die sieben Prozent doch durchzusetzen, habe die Dehoga dem unermüdlichen Einsatz von Ministerpräsident Markus Söder zu verdanken. Der isst bekanntlich selber gerne, vor allem im Wirtshaus. Trotzdem ist die Mission noch nicht zu Ende, weiß auch Nagl. Denn die Zusammenhänge müssten dem Gastronomie-Besucher erklärt werden. Die Überzeugungsarbeit geht weiter.