Nachruf

von Redaktion

Buchbach – Im Alter von 97 Jahren ist Maria Seminowitsch verstorben. Maria Seminowitsch, geborene Niegl, wurde am Samstag, 28. April 1928, in Schattawa im Böhmerwald geboren. Ihr Leben begann unter schweren Vorzeichen: Ihr Vater starb sechs Wochen vor ihrer Geburt. Gemeinsam mit ihrer Mutter, ihrem Großvater und ihren beiden älteren Brüdern, Hans und Franz, wuchs sie in Schattawa auf und besuchte dort die Schule.

Mit 18 Jahren traf sie eine mutige Entscheidung. Um der drohenden Zwangsarbeit zu entgehen, verließ sie ihre Heimat und ging nach Niederbayern, wo sie bei verschiedenen Bauern als Dienstmagd arbeitete. In dieser Zeit der Trennung waren ihre beiden Brüder noch in Gefangenschaft. Mutter und Großvater kamen schließlich mit einem Transport nach Pürten bei Waldkraiburg, wo der Großvater starb.

Ein besonderer Moment sollte Marias weiteren Lebensweg bestimmen: Auf der Innfähre von Pürten nach Kraiburg lernte sie ihren späteren Ehemann Bruno Seminowitsch kennen, der ihr kurz vor der Abfahrt buchstäblich in die Arme sprang. Aus dieser zufälligen und flüchtigen Umarmung wuchs eine tiefe Verbundenheit und eine 52 Jahre dauernde glückliche Ehe.

Gemeinsam mit ihrer Mutter und Bruno kam Maria nach Buchbach, wohin auch ihre beiden Brüder nach der Gefangenschaft kamen. Alle drei gründeten hier ihre Familien und lebten nahe beieinander.

Am Freitag, 20. Juni 1947, heirateten Bruno Seminowitsch und Maria Niegl in Steeg beim damaligen Holzner-Wirt. Bruno eröffnete später in Buchbach eine Schusterwerkstatt, mit der er im ganzen Markt und weit darüber hinaus bekannt und beliebt war. Gemeinsam bauten sie ein Haus im Zentrum von Buchbach, in dem Maria und Bruno zusammen mit ihrer Tochter Renate und später auch mit deren Familie ihr Leben verbrachten.

Maria war eine fleißige und verantwortungsbewusste Frau. Sie arbeitete zunächst als Aushilfe bei den umliegenden Bauern, dann 14 Jahre bei der Firma Wittmann in Buchbach und anschließend bis zu ihrem Ruhestand bei der Firma Rinberger in Steeg.

In ihrem langen Leben unternahm sie etliche Reisen mit ihrem Mann und nach dessen Tod auch weiterhin mit Freunden und Familie. Ihre Reisen gingen nach Lourdes, Fatima, Jerusalem, Rom, Burgenland und Amerika, wo ein großer Teil ihrer Verwandtschaft lebt, und von jeder Reise hatte sie viele spannende und lustige Geschichten zu erzählen. In den vergangenen Jahren erlaubte ihr das Alter keine großen Reisen mehr, sodass sie sich auf kleinere Runden im Ort mit ihrem „Mercedes“ – wie sie ihren Rollator nannte – beschränkte. Doch Maria verlor nie ihr Interesse am Leben. Bis zuletzt war sie geistig hellwach, las täglich intensiv die Tageszeitung und nahm regen Anteil am lokalen wie auch am weltweiten Geschehen und diskutierte auch gerne – nicht nur über Vergangenes, sondern auch über aktuelle Themen, insbesondere über die Politik.

Maria Seminowitsch meisterte trotz des hohen Alters ihren Alltag lange selbstständig und konnte dank der Unterstützung ihrer Familie bis zuletzt in ihrem geliebten Zuhause bleiben.

Ihre Familie stand stets im Mittelpunkt ihres Lebens. Große Freude bereiteten ihr ihre Enkelkinder Schorsch und Larissa sowie ihre Urenkel Marie und Bruno. Im Kreis ihrer Familie fühlte sie sich geborgen und getragen. Ihrem Wunsch entsprechend wurde sie am offenen Grab mit dem Böhmerwaldlied verabschiedet. Ihr Leben und Wirken werden in ihrer Familie, den Nachbarn und Bekannten in liebevoller Erinnerung bleiben. ram

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