Mühldorf – Es waren Hunderte, die sich am Dreikönigstag auf dem Flossinger Badeweiher tummelten. Dort, wo in der Vorwoche noch Wagemutige zum Eisbaden gingen, jagten junge Eishockeyspieler dem Puck hinterher, Eisstockschützen schossen ihr erstes Bratl aus oder Schlittschuhläufer zogen bei herrlichem Sonnenschein ihre Kreise. Minustemperaturen im zweistelligen Bereich hatten in den vergangenen Tagen dafür gesorgt, dass die Seen zugefroren sind, viele nutzen die seltene Gelegenheit, um sich auf das Eis zu begeben. Doch der Schein kann trügen. Selbst bei stehenden Gewässern ist die absolute Tragfähigkeit nicht gewährleistet.
„Beim Flossinger Badeweiher handelt es sich um einen Natursee. Es ist das eigene Risiko, wenn man ihn betritt“, warnt Pollings Bürgermeister Lorenz Kronberger davor, sich allzu sicher zu fühlen. „Der See ist nicht komplett zugefroren“, fügt er hinzu. Und dennoch hätten sich am Dreikönigstag (6. Januar) wohl an die 500 Personen auf dem Gewässer getummelt.
Mindestens
15 Zentimeter Eis
Die Gemeinde würde den See aktuell nicht freigeben, zumal die Eisdecke auch nach jüngsten Messungen gerade mal neun bis zehn Zentimeter dick sei. „Über eine offizielle Freigabe redet man erst ab einer Stärke von 15 Zentimeter“, weiß Kronberger. Auch auf der Homepage der Gemeinde Polling ist der eindringliche Hinweis zu finden: „Im Winter, bei geschlossener Eisdecke, bietet er eine ideale Fläche zum Schlittschuhlaufen, Eisstockschießen“. Aber: „Die Benutzung des Geländes (Land- und Seefläche) erfolgt zu jeder Jahreszeit auf eigene Gefahr.“
Das Risiko wartet unter
der Wasseroberfläche
Sicherheit geht vor Leichtsinn. Dieser Meinung ist auch Alexander Fendt, stellvertretender Kreisvorsitzender der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Denn selbst wenn eine Eisfläche sicher aussehe, unter der gefrorenen Wasseroberfläche verbergen sich Risiken. „Wasserpflanzen, die vom gefrorenen Wasser umschlossen sind. Luftblasen, die im Eis eingeschlossen sind und die Tragfähigkeit reduzieren können“, nennt Fendt Beispiele, die bei entsprechender Belastung einen Eisbruch begünstigen könnten. „Oder aber es gibt einen Zufluss, der nicht erkennbar ist, die Tragfähigkeit aber durchaus einschränken kann.“ Denn: Unterirdische Zuflüsse könnten für höhere Wassertemperaturen sorgen.
Für die Tragfähigkeit von Eisflächen gebe es zwei Richtwerte: 15 Zentimeter Dicke bei stehenden Gewässern und 20 Zentimeter bei fließenden. Wobei Fendt grundsätzlich davor warnt, auf das Eis eines fließenden Gewässers zu treten. „Das kann lebensgefährlich werden, weil man ganz schnell unter die Eisfläche gezogen werden kann.“
Wer sich in der Nähe von Eisflächen aufhält, sollte auf deutliche Warnzeichen achten. Dunkle Stellen oder Wasser auf dem Eis deuten auf Tauprozesse oder Zuflüsse hin. Auch Knack- oder Knistergeräusche sind ernst zu nehmende Warnsignale. Besonders gefährlich sind verschneite Eisflächen, da der Schnee Schwachstellen verdecken kann.
In den vergangenen Tagen seien nicht nur die DLRG, sondern auch örtliche Feuerwehren unterwegs gewesen, um beliebte Gewässer – neben dem See in Flossing auch die Lagune in Ampfing – zu inspizieren. Auch am Innkanal war am vergangenen Montag ein Boot der Feuerwehr zu sehen. Nicht etwa, weil ein Einsatz nötig gewesen wäre. „Wir prüfen und stimmen uns mit anderen Hilfsorganisationen ab, wo im Falle eines Einsatzes günstige Einstiegsmöglichkeiten wären.“ Präventivarbeit also.
Wie reagiert man richtig,
wenn das Eis bricht?
Auf ihrer Internetseite hat die DLRG Hinweise beziehungsweise Eisregeln für Kinder und Erwachsene hinterlegt. Grundsätzlich gilt: Kommt es zu einem Eiseinbruch, heißt es, Ruhe zu bewahren. „Erst einmal nicht in Panik geraten. Das ist das Schlimmste, was passieren kann, und darauf achten, dass man nicht unters Eis kommt“, betont Alexander Fendt. Man sollte sich möglichst mit dem Oberkörper auf den Eisrand legen, um das Gewicht zu verteilen, und so in Bauchlage an das Ufer robben.
Wer einen Einbruch beobachtet, sollte zunächst Hilfe holen und sofort den Notruf 112 wählen. Eigene Rettungsversuche dürfen nur erfolgen, wenn keine zusätzliche Gefahr entsteht. In diesem Fall sollten möglichst weitere Helfer mobilisiert werden. „Sonst sind im schlimmsten Fall zwei Menschen im Wasser“, warnt Fendt.
In Ampfing gibt es die „Grüne Lagune“, die vor allem im Sommer begehrtes Zielobjekt ist. Nach der offiziellen Schließung, das heißt in der Übergangszeit im Spätsommer bis in den Winter hinein, trifft die Gemeinde Ampfing entsprechende Vorkehrungen, damit sich niemand dem See, ob nun zugefroren oder nicht, nähern kann. „Das Areal kann man betreten, der See selbst allerdings ist eingezäunt und damit physisch zugesperrt. Wer über den Zaun steigt, macht das vorsätzlich, die Gemeinde trifft dann keine Haftung mehr, wenn etwas passiert“, erklärt Alois Wilhelm vom Ampfinger Bauamt die rechtlichen Schwierigkeiten, die die Verantwortung für ein Gewässer im Ort zwangsläufig mit sich bringt.
Sicherheit für alle:
Ampfing sperrt die Lagune
Nach dem kalten Wetter der letzten Tage stellt sich natürlich die Frage, ob das Eis zum Eisstockschießen taugt. In solchen Fällen nimmt die Gemeinde dann Messungen vor, sagt Wilhelm. „Hat das Eis die erforderliche Stärke von 15 Zentimetern, wird der Zugang aufgesperrt!“
Zugefroren ist derzeit auch der Erhartinger Bräuweiher. Dort, wo sie im Sommer mit dem Sautrog über den Weiher rudern, teilen sich nun Eishockeyspieler und Stockschützen die geschlossene Eisfläche. Und das auf jeden Fall noch die nächsten Tage. Denn: Wenn das Eis erst einmal eine gewisse Dicke erreicht hat, dann kommt die Säge der Brauerei Erharting zum „Eisen“.
Die Brauerei kann
endlich wieder „Eisen“
Ohnehin sind die Jahre selten geworden, in denen die Brauerei große Eisblöcke schneiden kann, um damit traditionell den Bierkeller im Sommerkeller aufzufüllen, diesen zu kühlen und das Mauerwerk besonders während der Sommermonate feucht zu halten. Bleiben die Temperaturen auf dem Tiefpunkt, werden die Mitarbeiter wohl nächste Woche anrücken, um die alte Tradition fortzusetzen, sagt dazu Amelie Röhrl, eine der beiden Brauerei-Chefinnen.