Lorenz Kronberger tritt nicht mehr an

von Redaktion

Keine dritte Periode für Amtsinhaber – Ernst Weinberger und Richard Wagner Bürgermeisterkandidaten

Polling – Am gestrigen Freitag ploppte um 9.03 Uhr in einer Pollinger Whatsapp-Chatgruppe das Foto auf, das viele mit großer Spannung erwartet hatten: Der Aushang der Gemeinde Polling mit den Namen der eingereichten Wahlvorschläge für das Bürgermeisteramt. Das Foto war die Antwort auf die Frage: Bewirbt sich Bürgermeister Lorenz Kronberger (UWG) um eine dritte Amtszeit? Die Antwort: Kronberger tritt nach zwei Amtsperioden nicht mehr zur Wahl an. Auf der Liste stehen lediglich Ernst Weinberger (CSU) und Richard Wagner (AfD).

Die Gründe
für den Rückzug

Gefragt nach dem Grund für seine Entscheidung nennt Kronberger am Telefon als Erstes wortwörtlich „die schlechte Berichterstattung des Mühldorfer Anzeigers, die nicht sachlich und nicht ausgewogen“ gewesen sei. Auf Nachfrage räumt er ein, dass es auch „ein paar“ weitere Gründe gab, und spricht von einem „unrechtmäßigen Verhalten von vielen Gemeinderäten“, die nur die eigene Klientel bedient hätten. „Ich habe immer versucht, alles möglichst gerecht nach Recht und Gesetz zu machen.“ Das würde im Gemeinderat „mit Füßen getreten, auch mit Unterstützung des Landratsamtes.“

Wann die Entscheidung gereift ist? Kronberger erinnert als Antwort an die Bürgerversammlung im November, da habe er für 2026 schon keine Ziele mehr genannt.

„Das ist ganz klar seine Entscheidung“, sagt Weinberger zu der Entscheidung des Bürgermeisters, die er nicht weiter kommentieren will. Für Wagner ist der Schritt keine Überraschung: Kronberger habe ihm gegenüber „immer wieder betont, dass er nicht mehr antritt“. Was zwischen Bürgermeister und Gemeinderat passiert sei, „das geht überhaupt nicht“. Die Situation sei von „ständigen Spannungen und Auseinandersetzungen“ geprägt gewesen. Darunter habe die Arbeit für die Gemeinde gelitten.

Grit Berdel, Ortsvorsitzende der Freien Wähler, ist von Kronbergers Schritt überrascht: „Ich hätte gedacht, dass er sich noch mal der Wahl stellt. Er wird seine Gründe haben.“ Sie könne es nachvollziehen. „Er hat ja damit rechnen müssen, dass es bei der Wahl gegen ihn geht.“

„Ich bin tatsächlich ein bisschen erleichtert und froh“, sagt Grünen-Gemeinderätin Lena Koch. „Ich kann’s sehr gut verstehen.“ Es könne eine Chance sein, den Stillstand, „der durch den Vertrauensverlust, durch die Rechtsstreitigkeiten“ entstanden sei, aufzulösen, um sich wieder um die Sacharbeit zu kümmern.

Aus Sicht von Kronberger wird es die wichtigste Aufgabe seines Nachfolgers sein, „wieder für Gerechtigkeit in der Gemeinde“ zu sorgen, dass alle gleich behandelt werden und sich die Gemeinderäte an Recht und Gesetz halten würden.

Er nennt dazu die jüngste Entscheidung des Gemeinderates, in der Nähe eines Trinkwasserbrunnens ein Baugebiet gegen den Rat des Landratsamtes in einem einfachen Verfahren auszuweiten, „weil es der ehemalige CSU-Ortsvorsitzende ist“, der da bauen wolle. Da spiele der Wasserschutz auf einmal keine Rolle mehr.

Kronberger bedauert, dass die Geothermie nicht so klappe, wie er sich das vorgestellt habe. Da sei er eigentlich „Feuer und Flamme“ gewesen.

Positiv sei aber, dass Polling finanziell so gut dastehe wie selten eine Kommune, meint Kronberger: „Das kommt daher, weil ich nicht für jeden Blödsinn Geld ausgegeben habe.“ An dieser Stelle zeigt er sich versöhnlich: „Wir haben zwar hart gestritten, aber wir haben eigentlich nicht ganz unvernünftige Entscheidungen getroffen. Das muss ich dem Gemeinderat zugutehalten. Das Geld ist nicht verplempert worden.“ Für Bürgermeisterkandidat Weinberger, der Geschäftsleiter der Gemeinde Garching an der Alz ist, wird es die wichtigste Aufgabe des neuen Bürgermeisters sein, „Ruhe in den Ablauf reinzubringen, damit wieder Verlässlichkeit da ist und es einen normalen Umgangston gibt“. Gegenkandidat Wagner möchte wieder „eine gemeinsame Sachpolitik transparent und im Sinne der Bürger und der Gemeinde machen“.

Die „Befriedung zwischen Gemeinderat, Verwaltung und VG“ nennt Berdel als oberste Aufgabe. Dann könne die bestehende parteiübergreifende Zusammenarbeit der Gemeinderäte noch besser werden, „damit wir wirklich gemeinsam was für Polling bewirken können“. Unter anderem dürfe die Geothermie noch nicht sterben, da wolle sie dranbleiben und vielleicht mit Reichenspurner eine Lösung finden.

Koch glaubt dagegen nicht, dass die Gemeinde so schnell nach vorn schauen kann: „Ich befürchte, es braucht erst mal eine Aufarbeitung der letzten Jahre. Da hoffe ich auf viel Transparenz, weil ich glaube, dass wir auf Themen stoßen werden, von denen wir jetzt noch keine Ahnung haben.“

Wer gewinnt die Wahl? Chancen stehen 50:50

Wer hat nun die besten Chancen, Kronberger im Rathaus zu beerben? „Jeder Bewerber geht davon aus, dass er erfolgreich ist“, sagt Weinberger. „Davon gehe ich auch aus.“ Auch Wagner gibt sich selbstbewusst: „Das wird eine enge Geschichte. Ich sage jetzt mal 50:50. Das wird ein spannender Wahlkampf.“

Derweil richtet sich auch Kronberger neu aus. Die Kommunalpolitik, „das war mein Leben“, sagt er am Ende des Telefonats. „Aber es gibt auch anderes.“ Zum Beispiel seinen Hof, um den er sich jetzt wieder intensiver kümmern werde.

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