Mühldorf – Über den fast schon maroden Zustand der Halle des TSV 1860 Mühldorf haben die OVB-Heimatzeitungen bereits ausführlich berichtet. Seit Jahren stellen sich Vereinsvorstand und Mitglieder die Frage: Soll die alte Halle saniert oder abgerissen und neu gebaut werden? „Für eine Sanierung müsste die Halle bis aufs Skelett zurückgebaut werden“, erklärt Christian Kühl, seit Dezember der neue Vorsitzende des TSV. „Ein Ersatzneubau wäre wohl fürs selbe Geld zu haben.“ Um diese Frage abschließend zu klären, braucht der Verein noch Zeit. An anderer Stelle ist man aber bereits einen Schritt weiter. Schon Ende 2026 könnte mit einem Anbau an die bestehende Halle begonnen werden. Neben einem TSV-Eigenanteil sowie Zuschüssen von BLSV (Bayerischer Landes-Sportverband) und möglichen Sponsoren hofft der TSV-Vorsitzende auch auf finanzielle Unterstützung durch die Stadt. Kühl nennt den geplanten rechteckigen Bau den „TSV-Cube“. Dort hinein sollen Sportarten wie Yoga oder Kampfsport ausgelagert werden, für die keine besondere Hallenhöhe nötig ist. „Der Cube wird Erdgeschoss und ein Obergeschoss haben“, sagt Kühl. Ein Planentwurf zeigt im Erdgeschoss zwei Hallen mit 350 und 500 Quadratmetern sowie Umkleiden und Sanitär. Im Obergeschoss auf gleicher Flächengröße Kursräume sowie weitere Umkleiden und ein Sanitärbereich.
TSV-Cube auch
für Betriebe interessant
In dem Cube möchte der TSV künftig mit Angeboten an Mühldorfer Unternehmen für Betriebssport für deren Mitarbeiter zusätzliche Einnahmen erzielen. „Dabei geht es um betreute Sportangebote in Yoga, Kraftsport oder Crosstraining, um die Beschäftigten sportlich fit zu halten“, erklärt Kühl. „Das wäre ein Win-win für die Betriebe und den TSV.“ Auch die von Trainern betreuten, sportlichen Angebote für Kinder wolle man ausbauen, der Bedarf dafür sei groß.
Wo genau auf dem Gelände der „TSV-Cube“ gebaut werden soll, steht bisher nicht fest. Möglich wäre es an der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße. Es wird aber auch überlegt, näher an das Vereinsheim im hinteren Teil des Geländes zu rücken. Das würde die Attraktivität der TSV-Gastro für Besucher erhöhen. Was die große TSV-Halle angeht, in der erfolgreiche Ballsportarten wie Volleyball gespielt werden sollen und auch weiterhin das Kunstturn-Leistungszentrum KTLZ untergebracht sein wird, müssen laut Kühl noch einige Gespräche geführt und eine Grundsatzentscheidung gefällt werden: sanieren oder neu bauen.
In einem Ideenwettbewerb hatten Studenten der Hochschule Rosenheim einige Modelle für ein komplett neu gestaltetes TSV-Sportgelände vorgestellt. Es folgte eine Machbarkeitsstudie. Daraus entwickelte sich die Idee für einen ersten Anbau. Und es habe weitere vertiefte Gespräche mit der Stadt gegeben. Denn ohne deren finanzielle Unterstützung und Know-how können auch die schönsten Ideen für eine neue Halle nicht umgesetzt werden.
Auf alle Fälle will man sich Fördermittel aus der „Sportmilliarde“ des Bundes sichern. Dieses Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ ist Teil des Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität. Diese Bundesmittel können für die umfassende bauliche Sanierung von öffentlich zugänglichen Sporthallen eingesetzt werden.
„Es werden aber auch Neubauten gefördert“, weiß Kühl, der sich ausgiebig in das Sonderprogramm eingelesen hat. Ein Neubau hätte einen gravierenden Vorteil: Er muss mit KfW 55 weniger energieeffizient ausfallen als die Sanierung mit KfW 85. Die Werte 55 und 85 stehen für die unterschiedlichen Effizienzhaus-Stufen eines Gebäudes. Je kleiner die Kennzahl, desto geringer ist der Energiebedarf. Aber egal ob Sanierung oder Neubau, einreichen muss den Förderantrag mit Projektskizzen die Stadt.
Die signalisiert dem TSV weitere Unterstützung, legt sich aber nicht hundertprozentig fest. „Die Kreisstadt unterstützt ihre Vereine und den Sport immer, so gut und großzügig es geht“, äußert sich Bürgermeister Michael Hetzl auf Anfrage des OVB. „Das tun wir sehr gerne – und das gilt selbstverständlich auch für den TSV.“ In diesem Fall beginne die Unterstützung damit, dass die Stadt dem Verein dessen Machbarkeitsstudie in vollem Umfang finanziert habe.
„Für seine Wunschlösung muss der TSV valide Projektkosten ermitteln, damit die Planung weitergehen kann“, so Hetzl weiter. „Als Erstes benötigen wir nämlich ein seriöses Preisschild. Dann stellen wir auch sehr gerne gemeinsam mit dem TSV den Antrag auf Förderung aus der zweiten Runde der Sportmilliarde des Bundes, die ausschließlich für Sanierungen oder Ersatzneubauten da ist.“ An alldem zeige sich der grundsätzliche Wille der Stadt, dem TSV bei der Realisierung des Projekts in vertretbarem Umfang zur Seite zu stehen.
Im nächsten Schritt müsse der Verein einen Zuschuss beim Bayerischen Landes-Sportverband beantragen, der mit einem konkret definierten Eigenanteil des Vereins verbunden sein werde. „Erst wenn Kosten, Bundesförderung, Verbandsförderung und Eigenanteil des Vereins bekannt sind, kommen wir als Stadt wieder ins Spiel. Dann haben wir eine Grundlage, auf der die Verwaltung arbeiten kann und über die Finanzausschuss und Stadtrat diskutieren können.“
„Für die richtige Entscheidung brauchen wir noch Zeit, Geduld und sachliche, lösungsorientierte Gespräche“, betont auch Kühl. Schließlich vertrete der TSV rund 2.300 Mitglieder. „Die künftige Halle soll für alle Sportarten nutzbar sein, das ist die Herausforderung und eine Menge Arbeit. Aber wir haben ein gutes Team!“