Stimmgewaltiger Neujahrsauftakt

von Redaktion

„Golden Voices of Gospel“ zu Gast in der Christkönigskirche – Musikfunke springt schnell auf Besucher über

Waldkraiburg – Voller Emotionen, voller Leidenschaft, voller Energie – mit diesen Prädikaten lässt sich das Konzert der Golden Voices of Gospel am Neujahrstag in der Waldkraiburger Christkönigkirche zusammenfassen. Das Ensemble unter der Leitung von Reverend Dwight Robson gastierte bereits zum wiederholten Mal in Waldkraiburg.

Seit 30 Jahren ist das ursprünglich aus New York stammende Ensemble der Voices of Gospel nun schon in Europa unterwegs. Sie treten in Konzertsälen, auf Open-Air-Bühnen und in TV-Shows auf, aber Konzerte in Kirchen wie diese sind für den Reverend etwas ganz Besonderes: „Hier haben Gospel ihren Ursprung, hier gehören sie auch hin.“

Die Zuhörer tanzten ab
dem ersten Lied mit

Die Christkönigskirche war gut besucht, der Chor in seinen weiten weißen Roben betrat mit der Rhythmusgruppe die Bühne – in diesem Fall den Altarraum – und gleich beim ersten Lied sprang das Gospelfeeling auf das Publikum über. Bei „I Really Love You“, gesungen von dem aus Kalifornien stammenden Hiram Johnson als Solist mit seiner klaren, ausdrucksstarken Stimme und seiner ansteckenden Lebensfreude, sprangen schon die ersten Gäste in den seitlichen Reihen zum Mittanzen auf.

Spätestens bei Hallelujah, Salvation and Glory hatte die Gruppe mit ihrer charismatischen Präsenz auch zum Rest des Publikums eine physische Verbindung zur Gospelmusik herstellen können. Es wurde mitgesungen, im Takt geklatscht oder mit den Füßen gestampft. Und auch das ist ein Teil der Gospelmusik: ein Rhythmus, der unter die Haut geht, bei dem man einfach mitmachen muss. Bewegung gab es ebenso bei den Sängern und Sängerinnen, denn sie suchten stets die Nähe des Publikums und wagten sich immer mal bei ihren Soli über die Seiten- und Mittelgänge ganz weit in den Kirchenraum hinein. So kam das Publikum den Solisten bei Liedern wie „Swing Low“, „Sweet Chariot“, „Real Love“ oder „Be Grateful“ zum Anfassen nahe. Näher kommt man den Künstlern selten. Die Auswahl der Lieder war hervorragend zusammengestellt, eine Mischung aus bekannten und weniger bekannten Spirituals und Gospels.

Aber auch Lieder, die ursprünglich in anderen Musikgenres angesiedelt sind. Das aus der Feder von Joan Osborne stammende „What If God Was One Of Us“ wurde von Johanna Abraham mit ihrer voluminösen Solistenstimme interpretiert, und Dre Young gab „Walking in Memphis“ von Marc Cohn mit seiner weichen Stimme eine sehr leidenschaftliche Note. Sie zeigten damit, dass Gospel auch in der Art der Interpretation und in der musikalischen Vielfalt liegt.

Höhepunkte gab es viele an diesem Abend, der Auftritt der Frauen nach der Pause in Nonnenkostümen und mit dem Lied aus dem Film Sister Act „I Will Follow Him“ war sicherlich einer davon. Mit viel Schwung brachten die Ladys die Kirche zum Brodeln und das Publikum zum Tanzen. Ein Hochgenuss ist stets auch das mehrstimmige „Going Up Younder“, bei dem die einzelnen Gesangsstimmen der Reihe nach einsetzen und schließlich gemeinsam mit den Worten „Pray the Lord“ im Schlussakkord den musikalischen Höhepunkt und somit für Gänsehautfeeling sorgen. Und natürlich durfte „Amazing Grace“ nicht fehlen, ein sogenannter Wechselgesang zwischen der charismatischen Gruppe und dem Publikum, das leidenschaftlich und lautstark mitsang.

Rhythmusgruppe „heizte“ ordentlich ein

Die gut temperierten Gesangsstimmen, mal soulig bis voluminös, von zart bis kräftig, heizten zusammen mit einer vierköpfigen Rhythmusgruppe an Schlagzeug, Keyboard und Gitarre dem Publikum in der kühlen Kirche ordentlich ein. Sie lieferten den Besuchern einen fulminanten musikalischen Einstieg in das neue Jahr und die leise Hoffnung, die „Voices of Gospel“ zum nächsten Neujahr wieder hier sehen und erleben zu dürfen.

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