Schrauben, löten, helfen

von Redaktion

Ein Besuch im Reparatur-Café Waldkraiburg –Handwerklich geschickte Helfer lösen beinahe jedes Problem

Waldkraiburg – Eine freundliche Dame mit einer Stehlampe in der Hand öffnet die Tür zum Reparatur-Café und sagt: „Ich habe gehört, hier soll es kundige Leute geben.“ Und in der Tat ist das so, denn Thomas Lainer und seine fünf Mitstreiter sind technisch und handwerklich ziemlich versiert. Sie reparieren auf ehrenamtlicher Basis quasi alles, was den Geist aufgegeben hat.

Angefangen vom Staubsauger bis zu Eieruhren, Kinder-Radios, CD-Playern, Nähmaschinen und „tausend“ Dingen mehr. Während der Weihnachtszeit sind Kunden auch mit defekten Lichterketten, Schwibbögen und tanzenden Weihnachtsmännern in der Werkstatt erschienen. Das Reparatur-Café im Awo-Projekthaus Jagus betreibt der Seniorenbeirat.

An zwei Freitagen im Monat, jeweils zwischen 14 und 16 Uhr, packen Lainer & Co. ihre Werkzeuge aus. Wie Thomas Lainer, Vorsitzender des Seniorenbeirats, erklärt: „Wir untersuchen jedes Gerät, das gebracht wird. Allerdings nur solche, die der Kunde selbst in die Werkstatt tragen kann.“ Waschmaschinen und Geschirrspüler gehören also nicht dazu. Die Hobbyhandwerker, allesamt Herren im gestandenen Alter, haben Spaß daran, Gegenstände wieder auf Vordermann zu bringen, damit ein vorzeitiges Wegwerfen verhindert werden kann.

„Nachhaltigkeit“ lautet das Stichwort und Lainer ergänzt: „Die Gesellschaft wird insgesamt immer egoistischer, wir wollen mit unserem Ehrenamt ein bisschen dagegensteuern und ein kleines Zeichen für ein Miteinander setzen.“

Am vergangenen Freitag brummte es geradezu im Reparatur-Café. Eine Kaffeemaschine, die sich selbst unentwegt reinigt, ein Induktionskochfeld, das nicht mehr heiß wird, ein Staubsauger, dessen Kabel sich nicht mehr aufrollen lässt, und ein Mixer, der keinen Mucks mehr von sich gibt. All diese Dinge gehörten an jenem Nachmittag zu den Geräten, die von Thomas Lainer, Hans Feckl und Attila Sava genauestens unter die Lupe genommen wurden. „Wir sind natürlich keine Wunderheiler und können nicht jedes Gerät reparieren“, betonen sie, aber es werde alles getan, was in ihrer Macht stehe. Für Computer, Handy und Fernseher haben die Bastler sogar einen Spezialisten in ihren Reihen.

Das Reparatur-Café öffnete 2016 zum ersten Mal seine Türen. Im September steht der zehnte Geburtstag an. Bis jetzt brachten Kunden aus dem ganzen Landkreis über 800 Geräte in die Werkstatt. Überwiegend sind es ältere Menschen, die den Dienst in Anspruch nehmen. Oft sind es Gegenstände, die an Hochzeitsgeschenke oder sogar an bereits verstorbene Verwandte oder Freunde erinnern.

Handwerklich geschickte
Helfer sind gefragt

Attila fällt in diesem Zusammenhang eine 40 Jahre alte Brotmaschine ein. Der Besitzer hätte einfach nur gestrahlt, als die Maschine wieder wie am Schnürchen lief. „Da geht auch uns das Herz auf“, geben die Reparierer offen zu. Kundin Selda brachte die Kaffeemaschine vorbei, die aus unerklärlichen Gründen nicht mehr aufhört, sich selbst zu reinigen. „Das Reparatur-Café ist eine tolle Einrichtung“, sagt Selda und nimmt am Tisch Platz.

Sie und weitere Kunden dürfen sich während der Wartezeit nämlich Kaffee und Kuchen genehmigen. „Die Verköstigung übernimmt Jagus“, betont Lainer, der gleich in das Innenleben der ominösen Kaffeemaschine schaut.

Aber nicht jede Reparatur gelingt auf Anhieb. Hin und wieder müssen sich die Kunden in Geduld üben und können ihr Gerät erst beim nächsten Termin abholen. Worüber sich Hans Feckl besonders freut: „Vor ungefähr zwei Jahren besuchten uns einige ältere Männer aus Trostberg, weil sie sehen wollten, wie ein Reparatur-Café funktioniert. Sie waren recht begeistert und eröffneten später in Trostberg ebenfalls ein entsprechendes Café. Attila und ich wurden zur Eröffnung eingeladen.“ Eingeladen sind die Kunden in Waldkraiburg auch, ein bisschen Geld in die Spendenbox zu werfen.

„Die Reparatur ist zwar kostenlos, dennoch freuen wir uns über einige Euros, die wir dann für neues Werkzeug verwenden“, so Lainer, der noch einen Aufruf startet: „Wer handwerklich fit ist, kann sich gerne bei uns melden und mitarbeiten.“ Die nächsten Termine im Reparatur-Café sind der 23. Januar sowie der 6. und 20. Februar.

Übrigens: Der Dame mit der Stehlampe kann geholfen werden. Der Fußschalter ist kaputt. Ausgerechnet so einen Schalter besitzt Hans Feckl, er braucht ihn aber nicht. Deshalb nimmt der Hobbytüftler die Stehlampe mit nach Hause und baut dort den Fußschalter ein. „So läuft’s bei uns“, schmunzeln die drei Herren und nehmen bereits mit vollem Elan die nächsten Arbeiten ins Visier.

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