Waldkraiburg – Die Sonne strahlte bei eiskaltem Winterwetter auf die Versammelten am Rathausplatz in Erinnerung an das grausame Schicksal der Banater Schwaben und der Siebenbürger Sachsen vor 81 Jahren. Recht treffend eröffnete die Banater Blaskapelle mit ihrem Stück „Mit frohem Herzen“ die Veranstaltung. Denn „es ist nicht nur ein regelmäßiger Brauch, sondern das Schicksal unserer Väter und Mütter, die vor 81 Jahren ein unsagbares Opfer für uns vollbrachten“, so Vorsitzender Georg Ledig in seiner Begrüßung.
In der Gegenwart wiederholt sich vielfach das Schicksal der Menschen, die, getrennt von Familie, Sprache und Kultur, ihr Leben damals in Arbeitslagern verbringen mussten, heute, in einer Zeit von unkalkulierbaren Entwicklungen und allgemeiner Verunsicherung, ebenso bei Zwangsarbeit und Vertreibung leben müssen.
Stellvertretender Landrat Richard Fischer erinnerte daran, dass damals ganze Dorfgemeinschaften willkürlich zerstört wurden. Gerade deshalb sei in der Vertriebenenstadt Waldkraiburg die Sehnsucht nach Stabilität besonders groß: „Haben wir den Mut, uns gegen radikale, demokratiefeindliche Bestrebungen zur Wehr zu setzen.“ Der Bundestagsabgeordnete und Präsident des Bundes der Vertriebenen Stephan Mayer erinnerte zunächst an die circa 70.000 Verschleppten, von denen 15 Prozent nicht mehr zurückkehrten. Die Deutschen sollten sich – laut eines Geheimerlasses von Stalin – am Wiederaufbau von Russland beteiligen. „In Wirklichkeit wollte man sie durch Zwangsarbeit vernichten“, so Stephan Mayer. Er verwies auf ein Buch von Jochen Buchsteiner, in dem er schildert, wie seine Mutter in Ostpreußen über das zugefrorene Haff der Roten Armee zu entkommen versuchte mit dem Fazit von Mayer: „Es gibt keine Rechtfertigung von Vertreibung und Zwangsarbeit. Derzeit leiden 110 Millionen unter Bedrohung und Vertreibung, darunter Menschen in Kiew bei minus 20 Grad.“ Dazu intonierte die Banater Kapelle die „Macht der Liebe“ und Pater Walter Kirchmann lud ein zum gemeinsamen „Vater unser“, „das uns inneren Frieden schenken möge“. Unter den Klängen der Blaskapelle und dem Neigen der Fahnenabordnungen der Sudetendeutschen, des Krieger- und Veteranenvereins, der Siebenbürger Sachsen, der Banater Schwaben und des Böhmerwaldbundes wurde der Gedenkkranz am Vertriebenenmahnmal niedergelegt. fis