Teising – Eine besondere Sehenswürdigkeit in München ist die Johann-Nepomuk-Kirche, besser bekannt als „Asam-Kirche“. Die 1733 geweihte Kirche bildet zusammen mit dem südlich anschließenden früheren Wohnhaus und Atelier des Bauherrn Egid Quirin Asam, das eine umfangreiche Stuckfassade aufweist, sowie dem nördlich angrenzenden Priesterhaus ein einzigartiges Bauensemble in der Sendlinger Straße.
Errichtung
einer Privatkapelle
Bereits wenige Jahre zuvor hatte sein älterer Bruder Cosmas Damian Asam im Jahr 1724 in Thalkirchen, damals noch vor den Toren Münchens, ein ähnliches, wenngleich sehr viel bescheideneres Vorhaben realisiert. Er begann im Jahr 1730, ein erworbenes Gutshaus zu einem schlossähnlichen Wohnhaus mit Atelier umzubauen, dem heute noch bestehenden „Asam-Schlössl“.
Ein Jahr später, im Jahr 1731, errichtete er bei dem Anwesen, ähnlich wie sein Bruder später in München, eine Privatkapelle. Diese wurde jedoch im Zuge der Säkularisation bereits im Jahr 1808 wieder abgerissen.
Egid Quirin hatte für die Kapelle einen aufwendig gestalteten Rundbau mit einer plastischen Pfingstszene am Altar vorgesehen, der jedoch nicht zur Ausführung kam. Was Cosmas Damian Asam hingegen errichtet hatte, zeigt eine Zeichnung von Johann Georg Dillis aus der Zeit um 1800. Cosmas Damian hatte sich zudem entschieden, seine Kapelle der Madonna von Einsiedeln zu widmen und bezeichnete sein Anwesen nach Abschluss der Bauarbeiten als „Asamisch – Maria-Einsiedel-Dall“ (Thalkirchen). Ein möglicher Grund für diese Entscheidung könnte gewesen sein, dass die Einsiedler Gnadenkapelle, welche von den Brüdern Asam mitgestaltet worden war, „bei dem mittelalterlichen Wasserschloss Teising, keine 90 Kilometer östlich von München, schon 100 Jahre zuvor eine weitere Heimstatt gefunden hatte, die sich seit ihrer Stiftung 1626 im Kern unverändert erhalten hat“. Die Kapelle in Teising ist vermutlich dem „Original“ in Einsiedeln noch sehr ähnlich. Vieles deutet darauf hin, dass – unbeschadet der etwaigen Unschärfen beim Thema „Architekturkopie“ – der Außen- und Innenbau der Thalkirchener Marienkapelle in etwa dem heutigen Erscheinungsbild in Teising und zugleich dem ehemaligen Einsiedeln mit zumindest hinreichender Deutlichkeit entsprochen haben dürfte.
Nur noch ein
Modell vorhanden
Aufgrund der Zerstörung der ersten Einsiedler Gnadenkapelle im Jahr 1798 durch französische Revolutionssoldaten und des Wiederaufbaus im Jahr 1817 im klassizistischen Stil ist nur noch ein Modell der ursprünglichen Kapelle im Kloster Einsiedeln vorhanden. Weitere Asamkirchen befinden sich unter anderem in Regensburg (St. Emmeram), Weltenburg (Klosterkirche) und Aldersbach (ehemalige Klosterkirche).
Anmerkung: Textauszüge und Fotos (Dillis) aus Dr. Thomas Schauerte: Die Brüder Asam als Architekten ihrer Memoria, in: Boschung, Dietrich/Julian Jachmann (Hg.), Selbstentwurf. Das Architektenhaus von der Renaissance bis zur Gegenwart (Morphomata 38), Paderborn 2018.