Am Rande Notiert

Bürgermeister sagt Sitzungen vor der Kommunalwahl ab

von Redaktion

Von Jörg Eschenfelder

So ein Bürgermeister hat es nicht leicht – vor allem nicht, wenn er in Mühldorf regiert und nur eines möchte: Frieden.

Bürgermeister Michael Hetzl ist anscheinend einer der wenigen in der Stadt, der die weihnachtliche Friedensbotschaft verinnerlicht hat und sie leben möchte – für sich und die Stadt. Er möchte doch nur Frieden. Aber da sind am 8. März die Kommunalwahlen und davor der Wahlkampf: Da ist nichts mit dem ersehnten Frieden. Da meint jeder, mitreden zu können und alles besser zu wissen. Das schürt doch nur Unfrieden.

Aber da hatte der Mühldorfer Friedensfürst eine geniale Eingebung: „Sag doch einfach die Ausschusssitzungen und Stadtratssitzungen ab.“ Dann gibt es weniger Streit und keine bohrenden Nachfragen zu unangenehmen Themen. Dann herrscht Frieden an den Innufern: Alle sind glücklich und preisen diesen jungen, umsichtigen, klugen Regenten.

Dieser Friedensregent beruft sich sogleich auf das „Vorbild von Bund und Land“. Dort gebe es vor den Wahlen ja auch eine „Friedensphase“. Oder habe da schon jemand direkt vor Wahlen etwas von hitzigen Debatten und von einem aufgestoßenen „Tor zur Hölle“ gehört? Eben nicht! Und was es im Bund nicht gibt, soll auch in Mühldorf nicht sein.

Aber dann gibt es da noch den Homo mueldorfensis minoris aus der Subspecies Stadtrat. Freut er sich, dass er jetzt mehr Zeit für seine Freunde und Familie hat? Nein. Der möchte doch tatsächlich bis zum letzten möglichen Tag den Wählerauftrag von 2020 erfüllen, möchte bis zum Schluss kritische und unangenehme Fragen an den Bürgermeister stellen.

Doch das kann er jetzt nicht mehr. Der Mühldorfer Friedensbringer hat ihn ausgebremst. Im Namen des Friedens. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

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