Mühldorf – Zwei Monate früher als in den Vorjahren wurden die Mühldorfer von der Stadt zur Bürgerversammlung eingeladen. Und das an zwei Abenden hintereinander, das hatte es in der Amtszeit von Bürgermeister Michael Hetzl noch nicht gegeben. Der Auftakt fand am Mittwoch im Stadtsaal statt. Rund 120 Bürger waren der Einladung gefolgt. Tags darauf folgte die Versammlung gleichen Ablaufs in der Mittelschule. Wie bei jeder Bürgerversammlung stand als Erstes der Vortrag des Bürgermeisters auf dem Programm. Neue Meilensteine der Stadtentwicklung konnte Hetzl in der fünften Bürgerversammlung seiner sechsjährigen Amtszeit nicht präsentieren. Aber er versicherte dem Publikum: „Sie leben in einer Stadt, in der sehr viel passiert!“
Betreuungsplätze
für alle Kinder
„Mühldorf steht nach wie vor erstklassig da!“, wiederholte er mit Blick auf die wichtigsten Kennzahlen seinen Ausspruch des Jahres 2025. Die Zahl der Einwohner hat sich um 101 auf 23.114 erhöht, in der Stadt sind 2.808 Gewerbebetriebe angesiedelt (ein Plus von 102). Für die Kreisstadt arbeiteten bis Ende 2025 insgesamt 476 Personen, davon 209 allein in der Kinder- und Jugendbetreuung.
2025 wurden in Mühldorf 1.349 Kinder betreut, 2019 waren das nur 870. Aufgeteilt nach Einrichtungen besuchten 764 Kinder die Kindergärten, 237 die Kinderkrippen und 348 Kinder aller vier Jahrgangsstufen die Kooperative Ganztagsbildung (KoGa). „Wir konnten jedem Kind einen Platz anbieten“, betonte Hetzl.
Darauf könnten sich Eltern verlassen, egal ob neu hergezogen oder bereits hier wohnhaft. Und das, ohne sich, wie in München, schon vor der Geburt anmelden zu müssen, wie er hinterherschob.
Man könne davon sprechen, dass Mühldorf „schuldenfrei“ sei, da die Rücklagen der Stadt höher seien als die Schulden. Der Haushalt 2025 sei mit 85,7 Millionen Euro sogar ohne Neuverschuldung ausgekommen. Angesichts noch laufender Kredite liege die Pro-Kopf-Verschuldung der Mühldorfer bei 668 Euro. Hetzl: „Den Vergleich mit anderen Städten in unserer Größe brauchen wir nicht zu scheuen.“
Trotzdem: „Mühldorf ist nicht die Insel der Glückseligen!“, warnte der Bürgermeister. Es gebe finanzielle Risiken, bestünden große Unsicherheiten bei Einnahmen wie Ausgaben. Die Kreisumlage, welche die Stadt an den Landkreis zu zahlen hat, sei mit 56,6 Prozent sehr hoch. Grund dafür seien die Verluste des „InnKlinikum“ und der Geldbedarf des Bezirks, etwa für die Pflege, der sich über die Bezirksumlage wiederum Geld vom Landkreis hole. Was die Belebung des Stadtplatzes angeht, machte Hetzl Hoffnung. „Handel und Gastro haben die letzten Jahre extrem unter den Krisen gelitten.“ Das habe sich geändert: „In nächster Zeit werden sich am Stadtplatz viele Lücken füllen. Mit einem Mix, weit über Barbershops und Dönerläden hinaus.“ Eine Aussage, die von den Zuhörern mit Applaus belohnt wurde.
Mit der Sportinitiative „Mühldorf bewegt“ haben sich die Mühldorfer einen Motorikpark im Park am Stadtwall ersportelt. Von Mai bis September haben Mühldorfs Sportvereine mit Sportangeboten für die Bürger dafür Geld aus Fördertöpfen geholt. Am ersten Stadtlauf mit Hauptsponsor ODU nahmen über 1000 Läufer teil und schafften 6.709 Runden durch die Stadt. Das Spendenziel der Initiative mit 60.000 Euro wurde erreicht.
Das größte Bauprojekt, das Mühldorf je hatte, soll mit geschätzten Baukosten in Höhe von 36 Millionen Euro das neue Hallenbad sein. Hetzl betonte, dass die Stadtwerke Bauherr seien, nicht die Stadt. Und dass sich die Stadtwerke den Neubau leisten könnten: „Sie können das Projekt stemmen!“
Das bestehende Hallenbad habe das Ende seiner Lebensdauer bald erreicht: 1972 gebaut, bereitet die Statik große Probleme, denn die Chlorgase im Bad durchdringen die Betonarmierungen und fressen die davon ummantelte Metallkonstruktion auf.
„Seit Frühjahr 2025 plant ein Architekturbüro den Neubau“, berichtete Hetzl von den Fortschritten seit der letzten Bürgerversammlung. Der Plan sei aber längst nicht fertig, es gebe folglich auch noch keinen Bauantrag. Die Fertigstellung ist weiter für das Jahr 2029 anvisiert.
Doch es gibt ein Problem, das für Verzögerungen sorgt: Laut Hetzl ist der Untergrund am Ort des Neubaus „schwierig“, es mangele ihm an „Tragfähigkeit“. „Wir brauchen noch ein Bodengutachten“, so der Bürgermeister, und scherzte: „Nicht, dass das Loch dann bis Neuseeland durchgeht.“ Was schon ausgeplant sei, ist das Erdgeschoss des künftigen Hallenbades. Hetzl zeigte eine Skizze mit Umkleidetrakt, Spaßbad und höhenverstellbarem Übungsbecken für die Kleinen und einem 25-Meter-Schwimmerbecken. Dazu eine Innen- und Außensauna mit Saunagarten und die gemeinsame Gastronomie für Hallenbad und Freibad. Hetzl bezeichnete es als „ambitioniertes und hoch attraktives Projekt“.
Am ehemaligen BRK-Sitz an der Friedhofstraße wollen Kreiswohnbau und Stadt Wohnungen bauen. Hetzl nannte als Ziel kleine „Berufseinsteiger-Wohnungen“ für Lehrlinge, Studenten und Pflegekräfte der Klinik. Es sollen aber auch Vier-Zimmer-Wohnungen entstehen, nach denen eine „irrsinnige Nachfrage“ besteht, die aber mangels Rentabilität kaum jemand baue.
Wo in der Stadt sich ein vergrößerter Campus der TH Rosenheim ansiedeln könnte, ist noch offen. Als Orte kämen Grundstücke an der Harthauser Straße oder am Bonimeierring sowie das Sümö-Gelände infrage.
Eine für Dezember von der Technischen Hochschule angekündigte Standortanalyse sei auf Mitte März verschoben worden: „Danach entscheidet sich, welcher der Standorte vorangetrieben werden soll.“
Umfahrung ist einen Schritt weiter
„Die Ostumfahrung Mühldorfs wurde in den Ausbauplan des Freistaats Bayern aufgenommen“, verkündete Hetzl, und auch dafür gab’s Applaus. Doch es brauche weiterhin Geduld für das mit 69 Millionen veranschlagte Projekt mit einer zweiten Brücke über den Inn: „Wir sind auf der Liste auf Platz fünf von sieben Projekten.“
Planungsbeginn wird frühestens in drei Jahren sein.