Mühldorf – Bei der Bürgerversammlung am vergangenen Mittwoch im Stadtsaal nutzten von den rund 120 anwesenden Mühldorfern nur vier die Gelegenheit, ihre Fragen an Bürgermeister Michael Hetzl und die Verwaltung zu stellen.
„Welchen Stellenwert haben Bürgerinitiativen für den Bürgermeister?“, wollte Margit Seifert wissen. Sie selbst engagiert sich bei der Initiative „Verkehrswende Mühldorf“. Der Bürgermeister antwortete, er lege großen Wert auf das Engagement der Bürger und Bürgerinitiativen, wenn an ihnen eine repräsentative Menge an Bürgern beteiligt sei. „Ich bin ein großer Unterstützer der Demokratie“, betonte er. Diese werde auch in Mühldorf gelebt, wo 30 gewählte Stadträte die Entscheidungen im Sinne der Bürger treffen. Hetzl: „Das muss gestärkt und erhalten bleiben.“
Elias Hentschel ist beratendes Mitglied des Jugendparlaments (JuPa) Mühldorf. Er hakte nach, wann endlich der Skatepark realisiert werde, der nach einem erfolgreichen Antrag des JuPa an die Stadt in Altmühldorf gebaut werden soll. Dafür habe Mühldorf schließlich 250.000 Euro in Aussicht gestellt. Bürgermeister Hetzl bedauert, dass in dieser Sache nichts weitergehe. „Wir haben das Problem, dass Plätze für Jugendliche beklagt werden“, holte er aus. Das sei bei einigen Bolzplätzen in der Stadt geschehen. Sogar gegen das Freibad habe ein zugezogener Anwohner geklagt und vor Gericht nur deshalb nicht Recht bekommen, weil er gleich das gesamte Freibad weghaben wollte und nicht nur das Kinderbecken.
Was den Skatepark angeht, dauere das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht München noch an. „Deshalb hängen wir da leider“, so Hetzl. Das Gericht sei komplett überlastet und bei den Verfahren um sieben Jahre in Verzug. Er versicherte: „Das Geld für den Skatepark ist im Haushalt eingestellt und wartet.“
Weniger eine Frage, sondern eher ein Plädoyer für die Belebung der Innenstadt mit Studenten hielt Walter Kolb. Seiner Meinung nach brauche es eine zentrumsnahe Anbindung des Campus der TH Rosenheim. Die Stadt müsse auch Wohnraum für Studenten schaffen. Von einem Innenstadt-Campus würden Mühldorfs Einzelhändler profitieren. „Ohne zentrumsnahen Campus stirbt die Innenstadt“, prophezeite Kolb. „Dann brauchen wir auch kein Parkhaus, weil der Handel aufgeben muss.“
Diesem düsteren Bild setzte Michael Hetzl eine von der Stadt durchgeführte Umfrage unter Mühldorfs Händlern entgegen: „Von 62 befragten Händlern waren 60 gegen den Campus in der Innenstadt.“ Eine solche Ansiedlung würde also gegen den Willen der Geschäfte geschehen. Es gebe auch gar keinen Grund für Kolbs Schwarzmalerei: „Fast alle Flächen in der Innenstadt sind ausgebucht, fast alle Händler kommen wieder.“
Mehr Einsatz für die Sicherheit von Radwegen wünschte sich Kerstin Neimcke. Die zweifache Mutter berichtet von einem Vorfall am Krankenhausberg in Mühldorf, wo ein Autofahrer erst das Stoppschild missachtete und dann noch dazu falsch in die Einbahnstraße und damit in den dort verlaufenden Radweg einfuhr. „Er hätte beinah ein Kind überfahren!“ Sie stellte mit Bedauern fest, dass weder der Bürgermeister noch ein anderer Vertreter der Stadt bei der Vorstellung von Wunschradwegenetzen für Mühldorf der Initiative „Verkehrswende Mühldorf“ teilgenommen hätte. Bürgermeister Hetzl erklärte, die Verkehrswende hätte gute Ideen geliefert, und die Stadt greife auf, was sinnvoll und machbar sei, aber nicht alle Radwege lägen in der Zuständigkeit der Stadt. Und leider könne nicht jedes wünschenswerte Grundstück von der Stadt für den Bau von Geh- oder Radwegen erworben werden. Seine Frau sei samt Kind fast täglich mit dem Rad zum Kindergarten unterwegs, die Sicherheit der Radwege sei ihm also auch persönlich sehr wichtig. Die Bürger müssten sich keine Sorgen machen: Laut Unfallstatistik der Polizei sei Mühldorf sehr sicher. Gegen Falschfahrer, wie in dem geschilderten Fall, sei man allerdings machtlos.