Mühldorf – Die Idee, heuer zwei statt nur eine Bürgerversammlung anzubieten und eine davon auch im Norden der Stadt stattfinden zu lassen, kam gut an. Am Donnerstag strömten rund 130 Bürger in die Aula der Mittelschule. Wie schon bei der Bürgerversammlung im Stadtsaal legte Bürgermeister Michael Hetzl seinen Rechenschaftsbericht für das Jahr 2025 ab und warf einen Blick auf künftige Projekte.
Im Anschluss hatten die Mühldorfer Gelegenheit, Fragen zu stellen. Robert Priller trat als Erster ans Mikrofon. Er wollte wissen, was die Stadt für den Betrieb des Campus der TH Rosenheim bezahlt und wies darauf hin, dass die Übernahme dieser Kosten eine staatliche Aufgabe sei. Bürgermeister Hetzl gab ihm voll und ganz recht: „Das ist auch meine Meinung!“ Die Stadt Rosenheim etwa bekomme den Campus geschenkt. „Wir zahlen für den Betrieb und das Gebäude.“ Im Jahr 2024 hätte sich diese Umlage auf rund 400.000 Euro belaufen.
Zahlen rund um den Mühldorfer Rufbus „InnLiner“ – was die Stadt pro Fahrt bezahlt, wie viele Personen an Bord sind und wie viele Fahrten storniert werden, wollte Adelheid Kückelhaus erfahren. „Bisher mussten wegen schlechter Witterung wie Glatteis und Schnee nur 0,8 Prozent der gebuchten Fahrten abgesagt werden“, sagte Hetzl zu den Stornierungen. Zu den weiteren Fragen werde die Verwaltung die Zahlen nachliefern.
Im Sinne der Schulwegsicherheit wollte Kückelhaus auch wissen, ob die Stadt für Tempo 30 an hochfrequentierten Schulwegen und für mehr Sicherheit auf Radwegen sorgen werde. Die Stadt biete jedem Kind eine Busbeförderung an und sorge schon auf diese Weise für Sicherheit, antwortete der Bürgermeister. Die Radwege und Radfahrer seien in Mühldorf sicher, stellte er fest und verwies auf seine Frau und seine sechsjährige Tochter, die täglich mit dem Rad unterwegs seien.
Dass der Campus nicht an den öffentlichen Personennahverkehr angebunden sei, bemängelte Daniel Mareyen. Hier müsse dringend nachgebessert werden. Er wollte auch wissen, wie weit die Stadt mit ihrer Wärmeplanung sei, diese müsse 2028 stehen. Der Campus sei über den Rufbus an den ÖPNV angeschlossen, entgegnete der Bürgermeister und den Studenten stehe ein Blitztaxi zum Bahnhof zur Verfügung.
Mit der kommunalen Wärmeplanung habe Mühldorf noch nicht angefangen, so Hetzl, denn nach Beginn müsse diese innerhalb von zwölf Monaten abgeschlossen sein. „Wir lassen uns Zeit.“ Ein Grund dafür sei, dass die Stadt noch nicht wisse, ob sie sich an die Geothermie anschließen oder einen anderen Weg gehen wird.
Mühldorf stehe sehr gut da, das habe Jürgen Kindler dem Vortrag des Bürgermeisters entnommen. Das Straßennetz sei allerdings in desolatem Zustand, stellte er fest und nannte die von ihm als Radfahrer genutzte Mößlinger Straße als Beispiel. Sie habe Risse, Löcher und solche Unebenheiten, dass er Gebissträgern nicht raten würde, diese Straße zu befahren. „Hat die Stadt kein Geld für die Mößlinger Straße“, fragte Kindler. Eine zweite Frage hatte er zum Hallenbad-Neubau, zu dem der Bürgermeister gesagt habe „die Stadtwerke stemmen das“. Nach dem Sieben-Millionen-Euro-Verlust im Jahr 2022 zweifle er an der Finanzkraft der Stadtwerke.
Zur Mößlinger Straße führte Hetzl aus, dass sich die Stadt die Erneuerung von Straßen natürlich leisten könne. Es ginge nur nicht überall gleichzeitig. Die Stadt führe eine Liste der nötigen Maßnahmen, die „step by step“ abgearbeitet würde.
Zu Stadtwerken und Hallenbad-Neubau merkte er an, dass 2022 ein Schaden entstanden, dieser aber versichert sei. Die Stadtwerke verfügten über Millionen an Barrücklagen und müssten die geschätzten Baukosten in Höhe von 36 Millionen Euro nicht komplett zahlen. Denn sie seien vorsteuerabzugsberechtigt, man könne also 19 Prozent von den Kosten abziehen. Darüber hinaus gebe es auch Förderprogramme wegen Schulschwimmen und Ähnlichem.
Wolfgang Schönfelder erkundigte sich, warum es am Mühldorfer Stadtplatz auf der Autospur kein glattes Pflaster wie in Neuötting gebe. Darauf antwortete Bürgermeister Hetzl, das Pflaster am Mühldorfer Stadtplatz sei historisch geboten.
Als Nachbar des Logistikzentrums bei Ecksberg erkundigte sich Anton Harrer, ob es nötig sei, dass dort die ganze Nacht das Licht brenne. Die starke nächtliche Beleuchtung sei nicht nur störend, sondern in seinen Augen auch Energieverschwendung. Hetzl sicherte zu, dass sich die Stadtverwaltung darum kümmern werde.
Die Prognose Hetzls, dass die Generalsanierung der Grundschule Altmühldorf in eineinhalb Jahren abgeschlossen sei, bezeichnete Wolfgang Wicho als „Träumerei“. Es werde zu Bauzeitverzögerungen und Mehrkosten kommen. Er fragte nach, ob im Zuge der Sanierung auch die beengte Verkehrssituation rund um die Grundschule verbessert würde.
„Wir haben es sehr gut in Griff und sind immer im Zeitplan“, betonte Michael Hetzl zur Bauzeit, die Stadt baue viele Schulprojekte. „Ich lasse mich an meinen Worten messen“, schob er hinterher. Er würde sogar eine Wette eingehen. Der Vorplatz der Schule werde mit überplant und räumliche Probleme sollen gelöst werden.
„Anders denken“ solle man beim Bau des neuen Hallenbades, schlug Engelbert Buchner vor. Man solle es dort bauen, wo die Wärme ist, zum Beispiel in Ampfing. Alle Kommunen und der Landkreis sollten zusammenwirken. Den Gedanken der Zusammenarbeit fand Bürgermeister Hetzl „richtig gut“: „Unser Plan war, das mit Waldkraiburg zu machen.“ Die schlechte finanzielle Lage Waldkraiburgs mache das unmöglich. Auch der Landkreis stehe nicht gut da. Die Stadtwerke würden das Bad überregional bauen, denn die Besucher kämen aus dem ganzen Landkreis und darüber hinaus.