Nach Auto-Drift: Polizei beendet Party

von Redaktion

Feier im Vereinsheim des FC Mühldorf wird von Beamten der PI Mühldorf aufgelöst

Mühldorf – Drei Jungs sind endlich volljährig. Den 18. Geburtstag wollen sie zusammen feiern und mieten dafür das Vereinsheim des FC Mühldorf in Mößling an. Nichts Außergewöhnliches für den Pächter des Sportheims, der schließlich mit der Bereitstellung seiner Räume Geld verdient – 350 Euro Miete plus 150 Euro Kaution verlangt der Pächter nach Angaben der Gastgeber für so eine Feier.

Viel Geld für die Jugendlichen, die sich dazu entschieden haben, die Unkosten für Miete und Getränke in Form einer sogenannten „Flat“ zu decken. Das ist Usus. Knapp 1.000 Euro hatten sie dafür eingesammelt. Doch um 23 Uhr war die Party zu Ende. Die Polizei war mit mindestens einem Dutzend Beamter erschienen und hat den Stecker gezogen, nachdem zwei Partygäste mit dem Auto auf dem Trainingsplatz gedriftet sind. Im Polizeibericht ist von einem Einsatz am Samstagabend die Rede. Gegen 22.20 Uhr habe ein „Vereinsverantwortlicher“ der Polizeiinspektion Mühldorf mitgeteilt, dass mehrere Fahrzeuge auf einem Sportplatz in Mühldorf Driftübungen durchführen und den Platz beschädigen würden.

Übeltäter sind
18 und 19 Jahre alt

„Fahr- und Driftspuren waren auf einem Großteil der Fläche des Fußballplatzes festzustellen“, teilt dazu die Polizei mit. Die Streifenbesatzung habe zwei Fahrzeugführer auf dem Sportplatz angetroffen, einen 19-jährigen Mühldorfer und einen 18-jährigen Burghausener. Gegen diese wird nun wegen Sachbeschädigung ermittelt. Der Sachschaden am Fußballplatz kann noch nicht beziffert werden.

Parallel wurde im Bereich des daneben liegenden Sportheimes, inklusive Außenbereich, eine Feierlichkeit mit über 100 Personen festgestellt. Drei 18-Jährige aus den Landkreisen Mühldorf und Altötting gaben sich als Veranstalter der Feierlichkeit zu erkennen. Aufgrund der Vielzahl der anwesenden Personen, der zunehmenden Unübersichtlichkeit, der zum Teil erheblichen Alkoholisierungen, der Sachbeschädigungen sowie der festgestellten Vermüllung des Umfeldes mit leeren Glasflaschen sei die Feierlichkeit nach Hinzuziehung der Verantwortlichen – aus dem Verein und auch der Gaststättenpächter – um 22.53 Uhr beendet worden. Die Räumung des Vereinsgeländes hätten die eingesetzten Polizeistreifen durchgesetzt.

Auch Diensthundeführer
waren vor Ort

Inwieweit die Feierlichkeit formell angezeigt war und entsprechende gesetzliche Vorschriften eingehalten wurden, wird laut Polizei im Rahmen eines Ordnungswidrigkeitenverfahrens geprüft. Auf Nachfrage ergänzt der Dienststellenleiter der PI Mühldorf, Josef-Ludwig Bernhart: „Bei der Prüfung sind immer mehrere Faktoren zu berücksichtigen. Unter anderem die öffentliche Zugänglichkeit, eine mögliche Abgrenzbarkeit der Teilnahme, aber auch die grundsätzlich vor Ort festgestellte Situation.“ Es waren mehrere Streifen der Polizeiinspektion (PI) Mühldorf sowie Unterstützungsstreifen und Diensthundeführer vor Ort. Diese befanden sich zur Einsatzzeit in Mühldorf und fuhren die Örtlichkeit mit an.

Der Vater eines Geburtstagskindes, der namentlich nicht genannt werden will, äußert sich empört gegenüber den OVB-Heimatzeitungen: „Diese völlig überzogene Aktion überambitionierter Streifenpolizisten gegen friedlich feiernde Jugendliche beschädigt das Image der Polizei enorm!“

Was für völliges Unverständnis sorgt, ist nicht nur die Räumung des Geländes. Die Polizeibeamten stellten auch die Einnahmen, also die „Flat“, sicher. Von 945 Euro ist die Rede, die ein Polizist an diesem Abend einkassiert habe.

„Wenn der Einsatz korrekt gewesen wäre, dann wäre das das Ende für alle privaten Feiern von Jugendlichen, die von ihren Gästen Flats entgegennehmen“, folgert der Vater des Feiernden. Er unterstellt sogar Willkür: „Wenn die Polizei Charakter hat, entschuldigt sie sich bei den drei Gastgebern und gibt ihnen nicht nur umgehend den sichergestellten Geldbetrag zurück, sondern erstattet ihnen auch mindestens einen Teil der Miete, die die Buben für die Räume zahlen mussten.“

Dienststellenleiter Bernhart erklärt auf OVB-Nachfrage: Im Zuge des Ordnungswidrigkeitsverfahrens seien gegebenenfalls auch Einnahmen des Veranstalters relevant. „Entsprechend wurde ein Geldbetrag im dreistelligen Bereich sichergestellt. Im Zuge der weiteren Sachbearbeitung wird der Geldbetrag der zuständigen Behörde zur Entscheidung vorgelegt beziehungsweise das weitere Vorgehen mit dieser abgestimmt.“

Dass der Polizeieinsatz überzogen war, weist Bernhart zurück: „Die getroffenen polizeilichen Maßnahmen waren erforderlich. Die Räumung des Geländes wurde mit den Verantwortlichen abgestimmt und auch von diesen an die Besucher kommuniziert.“

Maxi Heinrich, Vorsitzender des FC Mühldorf, bestätigt, dass er die Polizei alarmiert habe, nachdem ihn ein Anwohner auf die Driftübungen hingewiesen habe. „Mir war es einfach wichtig, dass die Sachbeschädigung ordentlich dokumentiert wird!“ Dass die Polizei danach auch die Party aufgelöst hatte, will Heinrich nicht kommentieren. Seine persönliche Meinung dazu. „Wenn bei einer Party schon um 23 Uhr Driftübungen durchgeführt werden, dann ist die Gefahr groß, dass es später nicht einfacher wird.“ Er bestätigt, dass bereits zu diesem Zeitpunkt viele leere Flaschen rumgelegen seien – vor dem Schulgebäude und auch vor dem Feuerwehrhaus.

FC spricht von
Dummer-Jungen-Streich

Wie groß ist der Schaden am Rasen tatsächlich? Franz Steiglechner ist im FC Vorstand der Sportstätten und damit für Vereinsgaststätten und Sportplatz gleichermaßen verantwortlich. „Das war ein Dummer-Jungen-Streich. Ich hab den Platz am nächsten Tag in Augenschein genommen. Dadurch, dass wir Frost hatten, scheint der Schaden sehr gering zu sein. Die Grasnarbe scheint nicht beschädigt worden zu sein.“ Selbst an Stellen, wo das Fahrzeug den Rasen freigelegt habe, sei nicht ersichtlich, dass etwas kaputtgegangen sei. Genaueres könne man aber erst sagen, wenn das Tauwetter den Blick auf den Boden unter der zentimeterdicken Schicht aus Schnee und Eis freigibt. „Der Platz wird im Frühjahr gepflegt und gedüngt, da werden wir dann auch die Fachfirma drüberschauen lassen.“ Er spricht von Glück im Unglück. „Es wäre sicher schlimmer gewesen, wenn es angetaut gewesen wäre.“ Es handele sich um den Trainingsplatz, der auch von der angrenzenden Schule genutzt werde, und mehr in Mitleidenschaft gezogen werde als der Hauptplatz.

Wo sonst sollen die jungen
Leute heute noch feiern?

Dass der Pächter der Sportgaststätte die Räume für private Feiern vermiete, sei Usus. „Danach schaut es manchmal heftig aus. Aber wo sollen denn die jungen Leute noch feiern? Woanders gibt es ja fast keine Möglichkeiten mehr“, meint Steiglechner. Es habe keine Beschädigungen an der Gaststätte des Vereinsheims gegeben. Offenbar wurde noch in der Nacht aufgeräumt. Von der Feier seien am nächsten Tag nur noch vereinzelt Flaschen zu finden gewesen, sagt Steiglechner.

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